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Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke spricht über ihren Rücktritt

Schwere Entscheidung Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke spricht über ihren Rücktritt

Die SPD in Linden-Limmer ist nach der Kommunalwahl nur noch zweitstärkste Fraktion im Bezirksrat. Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke hat die Konsequenzen gezogen und ihr Mandat abgegeben. Der Stadt-Anzeiger hat mit ihr über die Gründe gesprochen.

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Barbara Knoke ist seit elf Jahren Bürgermeisterin im Stadtbezirk Linden-Limmer – nun tritt sie ab.

Quelle: Jans-Lottmann

Linden/ Limmer. Frau Knoke, Sie waren 15 Jahre Mitglied im Bezirksrat Linden-Limmer, davon elf Jahre als Bürgermeisterin. Nach der Wahlschlappe der SPD im Stadtbezirk wollen Sie nicht wieder für das Amt des Bürgermeisters kandidieren und auch Ihr Mandat im Bezirksrat niederlegen. Wie geht es Ihnen nach dieser Entscheidung?

Ich bin traurig. Diese Entscheidung war für mich ziemlich schwierig, ich habe dafür eine Woche gebraucht. Aber eigentlich habe ich schon am Wahlabend für mich schwarz gesehen.

Warum wollen Sie nicht noch einmal für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Ich habe das Wahlergebnis der SPD auch als persönliche Niederlage empfunden, obwohl mir viele Leute versichert haben, dass es nicht an mir gelegen hat. Die Grünen sind erstmals stärkste Fraktion im Bezirksrat und werden mit Rainer-Jörg Grube einen eigenen Kandidaten stellen. Das kann ich auch verstehen. Ich müsste somit gegen ihn antreten. Die CDU hat mir zwar ihre Zustimmung signalisiert, ich kann aber nur gewinnen, wenn mir auch die Linken ihre Stimme geben. Das will ich aber nicht, abgesehen davon, dass sie mich wohl auch nicht wählen würden. Und eine weitere Niederlage möchte ich nicht einstecken.

Warum wollen Sie sich von den Linken nicht wählen lassen?

Die Linken waren mir immer schon ein Dorn im Auge, dass ich mit ihnen nicht klarkomme, habe ich ihnen in der Vergangenheit deutlich gezeigt. Sie haben uns lange mit ihrer Bücherei Limmerstraße gequält, deren Erhalt sie vehement gefordert haben, obwohl der Rat längst anders entschieden hat. Hätten wir uns auf die Forderung der Linken eingelassen, wären wir im Gegenzug nicht um Kürzungen im Kinder- und Jugendbereich herumgekommen. Außerdem hatte ich die Vermutung, dass die Linken etwas dafür haben wollen, wenn sie mich wählen – zum Beispiel den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters. Und das konnte ich der CDU nicht zumuten.

Die SPD ist zweitstärkste Kraft im Bezirksrat. Sie könnten sich zur stellvertretenden Bürgermeisterin wählen lassen, also die Rollen mit Rainer-Jörg Grube tauschen, der ja bislang ihr Stellvertreter war.

Die Enttäuschung ist so groß, dass ich mich entschieden habe, nichts mehr zu machen. Ich war elf Jahre lang Bezirksbürgermeisterin und habe mein Leben danach ausgerichtet. Es fiele mir schwer, nun in die zweite Reihe zu treten.

Haben Sie sich vor ihrer Entscheidung mit ihren Fraktionskollegen beraten?

Nein, die Fraktion hat dabei überhaupt keine Rolle gespielt. Die war von meiner Entscheidung sehr geschockt. Meine Fraktion hat mir aber einen tollen Abschied bereitet und meinen Mann und mich zu einem gemütlichen Abend ins Bürgerbüro des SPD-Ortsvereins eingeladen. Wolfgang Jüttner war da und Vertreter der AWO und der Integrierten Gesamtschule Linden. Alle haben sich bei mir bedankt und ich habe den Dank nur zurückgeben können.

Linden-Limmer war lange eine Hochburg der Roten, ist in den vergangenen Jahren aber immer grüner geworden. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Zum einen ist die Wahlbeteiligung immer weiter zurückgegangen. Zum anderen wird der Stadtbezirk jünger. Aber auch die Bundespolitik spielt eine Rolle, da schwimmen die Grünen auf einer hohen Welle. Und wo die SPD in Linden-Limmer eine Politik der Vernunft gemacht hat, haben die Grünen im Bezirksrat andere Positionen vertreten – auch gegen die eigene Ratsfraktion. Sie haben für den Hochwasserschutz an der Ihme andere Lösungen gefordert sowie eine klare Position für Niederflurbahnen in der Limmerstraße bezogen. Auch ich finde, dass Niederflurbahnen die bessere Lösung sind. Aber die müssen auch finanzierbar sein. Hochbahnsteige dagegen sind schneller und kostengünstiger zu haben. Damit die Limmerstraße nicht zu sehr unter den Bauwerken leiden muss, hat es bei dem von der Regionsverwaltung eingerichteten „Runden Tisch“ den Minderheitsvorschlag gegeben, den Bahnsteig Leinaustraße in der Fußgängerzone zu verkürzen sowie den Hochbahnsteig für die Station Küchengarten auf das hügelige Grundstück vor der Limmerstraße zu verlegen, das im Inneren der Kurve liegt. Das könnte ein von allen mitzutragender Kompromiss sein.

Der Bezirksrat Linden-Limmer stand rund 23 Jahre lang unter der Führung weiblicher Bürgermeister, die alle von der SPD gestellt wurden: 1988 bis 1996 Hiltrud Grote, 1996 bis 2000 Anne Barkhoff und von 2000 bis 2011 Sie. Im November werden Sie die Sitzung ein letztes Mal leiten. Was wird sich am Führungsstil im Bezirksrat ändern, wenn nun ein Mann auf drei Frauen folgt?

Ich finde es zunächst einmal schade. Ich glaube, Frauen sind ausgleichender. Männer kriegen das nicht so gut hin.

Wenn Sie an Ihre Amtszeit zurückdenken, woran erinnern Sie sich besonders gern?

An die vielen Menschen im Stadtbezirk, die ich kennengelernt habe. Und an den Blick hinter die Kulissen, der mir gezeigt hat, was hier ehrenamtlich geleistet wird. Schön war es auch, dass mich so viele Menschen angenommen haben. Das habe ich besonders gespürt, als ich an Brustkrebs erkrankt bin. Viele haben mir Genesungswünsche und Grüße geschickt, das hat mir viel Kraft gegeben und mir geholfen, gesund zu werden. Berührt hat mich auch der Zusammenhalt der Menschen im Stadtbezirk nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Muslime haben mich angerufen und gesagt, sie wollen etwas tun. Der Anblick der langen Menschenkette, die sich dann zwischen Küchengarten und Freizeitheim Linden gebildet hat, war sehr ergreifend.

Und woran erinnern Sie sich nicht so gerne?

Die ersten Jahre als Bezirksbürgermeisterin, als es in den Sitzungen heftige Diskussionen zur Einrichtung der Fußgängerzone in der Limmerstraße gab. Das war nicht schön. Auch die Einwohnerfragestunden waren manchmal schwierig. Weil ich sehr schwerhörig bin, war es manchmal schwierig, die Leute zu verstehen. Auch konnte ich manche überraschende Frage nicht gleich beantworten.

Welche politische Entscheidung war für Sie die schwierigste in Ihrer Zeit als Bürgermeisterin?

Die Umwandlung der Limmerstraße in eine Fußgängerzone. Die wird im Grunde genommen noch immer nicht richtig akzeptiert. Auch der Schleusenneubau in Limmer ist eine ganz schwierige Sache.

Sie gelten als ausgleichend und kooperativ und haben als Bürgermeisterin immer zu vermitteln versucht. Wo waren Sie besonders erfolgreich?

Der „Platz der Ruhe“ in der Charlottenstraße in Linden-Süd verdient seinen Namen wieder. In Gesprächen mit der Stadt, den Anliegern und den Besuchern des Platzes haben wir Regeln ausgehandelt, die dort auf einem Schild nachzulesen sind. Das klappt offenbar gut. Jedenfalls hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren kein Anlieger mehr über Ruhestörungen bei mir beschwert.

Und wo haben Ihre Bemühungen keine Früchte getragen?

Auf der Limmerstraße gibt es ein neues Phänomen, das „Limmern“. Leute treffen sich dort, um gemeinsam Bier zu trinken. Dafür gibt es noch keine Lösung. Auch bei den Besuchern des Faust-Geländes, die nachts lärmend durch Linden-Nord ziehen, haben Gespräche noch nicht gefruchtet. Und dann ist da noch die Methadon-Ausgabe am Schwarzen Bären, in deren Umkreis nach wie vor etliche Suchtkranke herumhängen. Diese Probleme muss der Bezirksrat weiter verfolgen.

Welchen guten Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Ich habe immer versucht, im Bezirksrat meine eigene Meinung nicht einfließen zu lassen und neutral zu bleiben. Das muss auch Rainer-Jörg Grube hinkriegen. Und er sollte bei den Bürgern präsent sein.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt aus dem Bezirksrat ausscheiden?

Die vielen Gespräche, die ich geführt habe, und dass ich über alles informiert war. Mein Anliegen war es immer, die Menschen unterschiedlicher Kulturen im Stadtbezirk zusammenzubringen – etwa mit dem Stadtteilfest in der Großkopfstraße, das später auf den Franzplatz in Linden-Süd umgezogen ist. Das werde ich vermissen.

Sie werden zwar ihr Mandat im Bezirksrat abgeben, sich aber weiterhin ehrenamtlich für Ihren Stadtbezirk engagieren. Wo werden Sie künftig anzutreffen sein?

Ich bleibe Mitglied im SPD-Ortsverein und bei der AWO, wo ich schon einmal als Beigeordnete im Vorstand tätig war. Ich kann mir vorstellen, mich dort wieder mehr zu engagieren. Bis zum Jahresende will ich aber zunächst einmal entspannen und mich auch um meine Familie kümmern. Ich habe seit knapp vier Monaten eine Enkeltochter. Das ist eine ganz neue, tolle Erfahrung für mich und das möchte ich nun einfach genießen.

Welchen Wunsch haben Sie zum Abschied für den Stadtbezirk?

Ich wünsche mir, dass Linden-Limmer sich weiter gut entwickelt. Die Sorge mancher Einwohner, dass mit fortschreitender Modernisierung der Gebäude alteingesessene Bewohner verdrängt werden, kann ich zwar verstehen, halte sie aber für unbegründet. Wir haben in Linden-Süd Zeiten erlebt, in denen aufgrund von Erhaltungssatzung und Fehlbelegungsabgabe gar nicht renoviert wurde. Man konnte beobachten, wie die Leute nach und nach weggezogen sind. Der Stadtbezirk braucht aber eine gesunde Durchmischung, auch um die Kaufkraft zu erhalten. Und natürlich wünsche ich mir, dass die SPD bei der nächsten Kommunalwahl wieder die Mehrheit im Bezirksrat erhält.

Interview: Margret Jans-Lottmann

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