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Stichkanal

Bürgerinitiativen beleben das umstrittene Kanalufer in Limmer

Von Conrad von Meding

Protest kann auch Spaß machen: Am Freitag haben zahlreiche Initiativen vornehmlich aus Limmer zu Aktionen am Ufer des Stichkanals eingeladen – und mehr als 100 Besucher sind dem Aufruf gefolgt.
Mit Kanu und Grill, Flatterband und Strandkorb nahmen Limmeraner das Kanalufer in Beschlag.

Mit Kanu und Grill, Flatterband und Strandkorb nahmen Limmeraner das Kanalufer in Beschlag.

© Martin Steiner

Es wurde gegrillt, gebastelt, Sport getrieben und diskutiert – denn eigentlich geht es ja um den Widerstand gegen die Pläne von Bund und Stadt, den Kanal mit Schleuse so auszubauen, dass 135 Meter lange Großschiffe dort fahren können. „Das ist nach wie vor eine unsinnige Idee, weil hier doch schon jetzt kaum Schiffe verkehren“, sagt Rolf Schöning von der Initiative „Limmer für immer“.

Den gesamten Nachmittag über zeigten Bürger, wie sich ein Kanalufer beleben lässt. Die Tischlerei Form21 baute mit Kindern gummibandbetriebene Schaufelradschiffe, die Initiative Eisbahn Limmer hatte ein Tennisball-Katapult konstruiert, das die Geschosse weit auf den Kanal beförderte – zwei Kanuten holten die Bälle zurück ans Ufer. In zwei Mehrsitzkanus konnten Gäste Hafenrundfahrten erleben, es gab Würstchen und Kuchen, sogar ein Strandkorb stand bereit. Die Bürgerinitiative hatte Flatterband ausgegeben, mit dem sich jeder, der Lust hatte, ein kleines Stück des Ufers reservieren durfte. Hintergrund ist das Kaufangebot, das die Initiative ausgesprochen hatte, nachdem der Bund seine Bereitschaft zum Verkauf unrentabler Wasserstraßen ausgesprochen hatte. Inzwischen liegt der Initiative sogar ein ganz förmliches Antwortschreiben vor. Darin bedankt sich die Behörde artig für den Eingang des Schreibens und verspricht, sich weiter darum zu kümmern.

Im Kern sei das Angebot – trotz allen Augenzwinkerns – durchaus ernst gemeint, betont Anja Niezel. „Falls wirklich privatisiert wird, werden wir sicherlich über einen Kauf nachzudenken haben.“ Immerhin gibt es reichlich Ideen für eine Nutzung des Kanals im Abschnitt Limmer. Ein Workshop hatte im vergangenen Jahr 14 ausgearbeitete Vorschläge erbracht – von einer „Pontonsauna“ über ein „Bike & Ship“-Konzept und einen Wasserspielplatz bis hin zu einem Hafenmix mit Industrie, Gewerbe, Wohnen und Kultur. Bauhistoriker Sid Auffarth, der die AG Stadtentwicklung Limmer seit Jahren begleitet, hat sogar ein Grachtenkonzept ausgearbeitet, das den Stichkanal in den Stadtteil hinein erweitert.

Derzeit ruht das Verfahren, bis der Bund sein Wasserstraßenkonzept überdacht hat. Die Anlieger können sich aber kaum vorstellen, dass der Ausbau rentabel sein kann: Bis zum Anschluss an den Mittellandkanal in Lohnde müssten neun Brücken neu gebaut und Anschlussstraßen verlegt, etwa elf Kilometer Kanal verbreitert und die gesamte Schleuse erneuert werden. Rund 250 Millionen Euro Baukosten sind veranschlagt.

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