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Filmen, reisen, Englisch lernen

Linden Filmen, reisen, Englisch lernen

Das Sprachlernprojekt „Inter@cting“ bringt Menschen aus Hannover, Polen und der Türkei vor die Kamera. Ein Besuch am Set.

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Die Szene, die hier in einer Lindener Wohnung gedreht wird, ist Teil des europäischen Projekts „Inter@cting“, mit dem Teilnehmer aus Polen, der Türkei und Hannover auf ungewöhnliche Art Englisch lernen - und zugleich andere Kulturen kennenlernen.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Linden. Die Luft scheint vor Spannung zu vibrieren, als die hölzerne Filmklappe zuschlägt: „Und Action!“ Die Braut legt ihren Koffer auf ein Sofa, öffnet ihn - und hält entsetzt inne: „This is not my suitcase! It’s a disaster!“ In dieser Szene bemerkt sie, dass ihr Koffer am Flughafen verwechselt wurde, wenige Tage vor ihrer Hochzeit in Polen - so will es das Drehbuch. Denn im Film heiratet Anja(Anja Winter) ihren geliebten Ilhami aus der Türkei im polnischen Bialystok.

Die Szene, die an diesem Nachmittag in einer Lindener Wohnung gedreht wird, ist Teil des europäischen Projekts „Inter@cting“, mit dem Teilnehmer aus Polen, der Türkei und Hannover auf ungewöhnliche Art Englisch lernen - und zugleich andere Kulturen kennenlernen. Am Ende des Projekts werden die Teilnehmer als Mittel und Zweck des Projekts einen gemeinsamen Film gedreht haben - dessen Inhalt, Dramaturgie, Regie und Schauspiel sie selbst bestimmt haben werden. Im Sommer 2014 ist Premiere.

„Inter@ct“ bedeutet aufeinander einwirken, in Kontakt kommen. Etwa 20 Teilnehmer in Hannover tun dies während des zweijährigen Projektverlaufs in wöchentlichen Skype-Konferenzen mit der Türkei und Polen sowie mehreren Reisen in diese Länder - ergänzend zum konventionellen Englischkurs. Die Lerngruppen in den drei Länden sind sehr unterschiedlich: In der Türkei sind es meist junge Mitglieder einer Sprachschule, während der polnische Projektpartner „Akademiaplus50“ Menschen in der zweiten Lebenshälfte anspricht. In Hannover ist das Spektrum am Weitesten: Die älteste Teilnehmerin ist 70 Jahre alt, die jüngste um die 20.

In Hannover stehen für „Inter@cting“ insgesamt 44 000 Euro zur Verfügung, gefördert von der EU und koordiniert vom Freizeitheim Linden und der Volkshochschule. Die Skype-Konferenzen kosten für die Teilnehmer fünf Euro pro Termin, die Reisen werden finanziell unterstützt. „Das Reisen ist natürlich der teuerste Posten“, sagt Mic Hale von der Volkshochschule, der als Organisator über das Projekt und als Regisseur über den Film wacht - standesgemäß mit Wuschelfrisur, gelben Hosenträgern, Lesebrille und englischem Akzent.

Für die meisten Teilnehmer ist das Reisen das Bonbon an dem Projekt. Allerdings nicht für Sabine Seidel. Die Lindenerin spielt im Film die Mutter der Braut - und findet Reisen grauenhaft, sagt sie. „Viel zu anstrengend. Aber wenn man hier mitmachen will, gehört das dazu.“ Und wieso will man mitmachen? „Es ist eine wahnsinnig kreative Art, Englisch zu lernen - eine gemeinsame Sprache zu finden.“ Mitreißend sei es, zu erleben, wie Menschen aus drei Ländern motiviert sind, zusammen etwas zu gestalten - nämlich den Film. „Alle sind hellwach und neugierig“, sagt Seidel.

Das ist auch bei den Dreharbeiten in Linden zu spüren - als die Kofferszene abgedreht ist, vergisst der Regisseur vor lauter Spannung, „Stop“ zu rufen. Erst als ihn alle unsicher anstarren, ruft er „Stop, sorry, sorry!“ Der Rest ist Gelächter. Auch die Projektgäste aus Polen lachen mit. Untergebracht sind sie in einem Hotel in Limmer, wo ein paar Tage zuvor erst mal ein kerniges Wiedersehensfest gefeiert worden war.

Die Filmhandlung, die sich die Teilnehmer in ihren gemeinsamen Skype-Konferenzen ausgedacht haben, geht so: Ein Mädchen aus Linden verliebt sich in Polen in einen Türken - und in Polen wird dann auch später geheiratet. Dabei kollidieren die Hochzeitsbräuche aller drei Länder miteinander. Beispielsweise holt nach türkischer Sitte der Bräutigam seine Liebste im Elternhaus ab, bringt sie zum Friseur und geleitet sie anschließend zur Hochzeitsfeier - während nach deutschem Brauch Braut und Bräutigam erst vor Ort aufeinander treffen. Wenn am Ende alle Missverständnisse ausgeräumt sind, wird geheiratet.

„Die Liebe und der Wille des Paares, trotz aller kulturellen Unterschiede zueinanderzufinden, siegen am Ende über alle Schwierigkeiten“, sagt Mic Hale und breitet lächelnd die Arme aus. So soll es sein.

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