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West Künstler-Atelier gibt es seit 20 Jahren
Hannover Aus den Stadtteilen West Künstler-Atelier gibt es seit 20 Jahren
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00:37 01.03.2018
Heilende Räume aus Licht und Farbe: Regine Schulze feiert 20 Jahre Atelier und Malort Quelle: Sonja Steiner
Davenstedt

Feine Kupferfäden glitzern im Licht der Wintersonne, das den hellen Raum mit den großformatigen Aquarellbildern in Pastellfarben durchströmt. „Das habe ich während meiner Fahrten nach Freiburg gestrickt, wo ich meine Ausbildung zur Bildhauerin gemacht habe“, sagt Regine Schulze zu den Kupferfäden. „Es heißt ‚Hüllung’ und steht für Weiblichkeit, eins meiner prägenden Themen“, ergänzt die Davenstedter Künstlerin, die jetzt das 20-jährige Bestehen ihres Ateliers und des sogenannten Malorts feiert.

Die zierliche Frau mit den roten, langen Haaren spricht mit klarer, leiser Stimme. „Licht und Farbe sind sehr wichtig für mich, ich arbeite auch viel mit Naturmaterialien“, sagt die 54-Jährige. „Dabei geht es mir immer darum, heilende und heilsame Räume zu schaffen.“ Während sie erzählt, klirrt es leise an der Fensterscheibe: Zwei Glaskreuze baumeln vor dem Fenster, in ihrer Mitte blinkt es gelb. „Das ist Blütenstaub der Birke“, sagt die Künstlerin und lächelt. „Ein anderes besonderes Material, mit dem ich gern arbeite, ist Bienenwachs“, fährt sie fort und weist auf ein etwa 30 Zentimeter großes, quadratisches Objekt, das in einem anderen Fenster hängt.

Objekte aus Treibholz

Schulze malt schon seit ihrer Jugend. „Eigentlich schon mein ganzes Leben lang“, präzisiert sie. „Dabei brauche ich das Zarte, Sanfte, Leichte, aber auch das Archaische. Es sind die Energieräume der Landschaften, die mich anziehen“, erklärt sie und fügt hinzu: „Die Kunst der Natur ist immer eine große Inspiration für mich.“ Ein Beispiel dafür ist das Objekt, das hinter ihr auf einer Anrichte steht. „Das ist ursprünglich Treibholz einer Korkeiche, das ich in Frankreich gefunden habe. Ich habe es mit dem Beil herausgearbeitet und dann wieder in die Rinde hineingesetzt. Wenn ich abends auf dem Sofa sitze und es leuchtet in der Abendsonne, sieht es ein bisschen wie eine kleine Nofretete aus“, meint die Künstlerin.

Schulze liebt es zu reisen. Zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls Künstler ist, bringt sie unter anderem aus ihrem Lieblingsland Frankreich Fundstücke mit, die sie dann in ihrem Atelier zu Hause bearbeitet. Daneben gibt es aber auch ihre Arbeit als Sozialpädagogin und Kunsttherapeutin. Seit vielen Jahren ist die Künstlerin auch im sozio-kulturellen und gesundheitlichen Zusammenhang tätig.

Im Malort entstehen Bilder ohne Vorgaben

Darüber hinaus gibt es noch den Malort. „Der Malort ist aus der Begegnung mit Arno Stern entstanden“, erklärt Schulze, als sie den Raum aufschließt. Es ist ein kleines Zimmer, dessen Wände davon zeugen, dass hier viele große und kleine Menschen Farbe auf Papier aufgetragen haben und dabei auch die Ränder übermalten. So entstand im Lauf der Jahre ein ganz eigenes geometrisches Muster in allen erdenklichen Farben. „Ich habe bei Arno Stern gelernt, und er war sogar zweimal als Gast hier“, erzählt Schulze. Der inzwischen 93-jährige Künstler etablierte vor mehr als 60 Jahren den ersten Malort in Paris. Dorthin kommen Menschen jeden Alters, um unkommentiert und frei malen zu können.

Stern hat zudem auf seinen zahlreichen Reisen herausgefunden, dass Kinder weltweit dieselben Gebilde malen und daraus eine eigene Wissenschaft, die sogenannte Ausdruckssemiologie, geschaffen. „Hier wird nicht gewertet, nicht beurteilt, sondern jeder malt aus sich heraus“, erklärt Schulze, die mit diesem Konzept auch auf die Palliativstationen von Krankenhäusern geht. „Ich bringe auf einem Teewagen alles mit, was man zum Malen braucht. Es sind ganz besonders eindrückliche Begegnungen“, berichtet sie und wirft einen letzten Blick auf den Malort, bevor es zurück in ihre helle Wohnung geht – zu den pastellfarbenen Aquarellen, die in der Wintersonne leuchten.

Die aktuelle Ausstellung „Bis jetzt – Werke + Wirken“ von Regine Schulze im Kulturtreff Plantage, Plantagenstraße 22, mit Werken aus Malerei, Bildhauerei und Objektkunst läuft noch bis Mittwoch, 7. März. Am Sonnabend, 24. Februar, öffnet die Künstlerin von 15 bis 18 Uhr ihr Atelier am Geveker Kamp 40 in Davenstedt. Dort gibt es auch die Gelegenheit, den Malort kennenzulernen. Weitere Informationen unter www.regineschulze.de und www.malort.de.

Von Sonja Steiner

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