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West Zack! Boom! Linden!
Hannover Aus den Stadtteilen West Zack! Boom! Linden!
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00:15 06.07.2013
Von Rüdiger Meise
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Linden

Viele Lindener kennen diesen Dialog:

„Ach, du kommst auch aus Hannover?“

„Du auch? Ich wohne in Linden!“

„Ich auch! Nähe Limmerstraße!

„Ich auch!“

Genauso erging es dem Schriftsteller Bernd Frenz und dem Zeichner Andreas Wehrheim, als sie sich zufällig auf dem Internationalen Comic-Salon in Erlangen kennenlernten. Die beiden verabredeten sich zum Telefonieren. Wenige Tage später liefen sie sich - wie das so ist in Linden - zufällig auf der Limmerstraße über den Weg. Ein paar Kaffees später war man sich einig: „Lass uns was zusammen machen.“

Als erste „Fingerübung“, so nennt es Frenz, veröffentlichten die beiden im Frühjahr in der Comic-Zeitschrift „Zack“ den zweiseitigen Comic „High Noon um Mitternacht“. Es geht um zwei Kumpels, die sich nach dem Besuch des Films „Django Unchained“ ein Duell mit Bierdosen liefern und anschließend tropfnass einsehen, dass man sich in Kinofilme nicht hineinsteigern sollte.

Die Idee kam Frenz und Wehrheim, nachdem sie gemeinsam einen „Django“-Film im Apollo-Kino gesehen hatten - „einen von den alten, mit Franco Nero als Django“, sagt Wehrheim. Konsequenterweise spielt der Comic auf der Limmerstraße vor dem Apollo-Kino, die Bierdosen sehen nach „Herri“ aus und - na ja - die Protagonisten haben gewisse Ähnlichkeit mit Frenz und Wehrheim.

High-Noon vorm "Apollo"-Kino: Der Stadtteil Linden ist bei Kulturschaffenden beliebter Schauplatz.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Künstler in ihren Werken ihr Wohnumfeld aufgreifen. Berühmte Beispiele sind Edward Hopper, dessen Gemälde „Nighthawks“ von einer Bar in der New Yorker Greenwich Avenue inspiriert war oder Thomas Mann, der in den „Buddenbrooks“ die Geschichte seiner Familie in Lübeck verarbeitete. Verwunderlich ist es also nicht, dass die Präsenz Lindens in Veröffentlichungen zunimmt, je mehr Kreative sich in dem Stadtteil ansiedeln. „Schließlich hat Linden ja als Schauplatz für Geschichten einiges zu bieten“, sagt Frenz. So hat er auch die Kneipe „... und der Böse Wolf“ in einem seiner Romane verarbeitet: In der Fantasy-Geschichte „Bannkrieger“ von 2011 gibt es eine Bar mit Namen „Wolfsgrube“, deren reales Vorbild unschwer zu erkennen ist. Spätestens beim Schild „Wer hier klaut, stirbt“ dürfte Einheimischen ein Licht aufgehen.

Viel Lindener Lokalkolorit bringen die Hörbuchmacher von „create fm“ in ihre Geschichten ein. Den Hörspielen „Zombies in Linden I und II“ ließen sie 2012 „Chiffre versenken mit Uwe - Ein Lindener Schützenbruder sucht die Liebe“ folgen und nun, ganz aktuell, „Erotisch in Linden - eine Anthologie prickelnder Kurzgeschichten“. Die handelnden Figuren der „Creater“ Oliver Rieche, Sascha Maaß und Jan Koppens wechseln, aber die Kulisse und der eigentliche Star der Hörspiele bleibt der Stadtteil zwischen Limmerstraße, Schwarzer Bär, Ahrbergviertel und Lindener Berg.

Das hat auch Nachteile, sagt Dietrich zu Klampen, dessen Verlag in Springe zahlreiche Bücher verlegt, die in Hannover spielen, beispielsweise „Lindentod“ von Hans-Jörg Hennecke. „Die Zielgruppe für solche Publikationen ist regional begrenzt“, sagt zu Klampen. „Hannover gilt bundesweit als unsexy, und Linden kennt man zu wenig - es ist einfach nicht Kreuzberg oder St. Pauli.“

Die Kunst, mit Lokalkolorit überregional Erfolg zu haben, liege darin, ein Thema oder eine Kulisse zu finden, die ein großes Publikum erreiche, sagt zu Klampen. „Wenn das gelingt, kann auch der Standort profitieren.“ So hätten die Eifel-Krimis um den Ermittler Siggi Baumeister nicht nur Autor Jacques Berndorf bekannt gemacht, sondern auch den Tourismus in der Eifel angekurbelt. Und Veit Heinichen sei es gelungen, mit seiner Krimireihe die italienische Stadt Triest ins Bewusstsein von Lesern in ganz Europa zu rücken. Einen anderen Ansatz haben Autoren, in deren Büchern weltbekannte Schauplätze die eigentliche Hauptrolle spielen - wie Venedig in den Krimis von Donna Leon.

Von diesem Luxus sind die Lindener Kreativen allerdings weit entfernt. „Ich glaube nicht, dass zum Beispiel die Leute in der Berliner ,Zack‘-Redaktion begriffen haben, dass unser High-Noon-Comic in Linden spielt - oder was Linden überhaupt ist“, sagt Frenz. „Unsere Geschichten müssen daher auch für Menschen funktionieren, die Linden nicht kennen.“ Momentan arbeiten die beiden an einem größeren Projekt, das ebenfalls im Stadtteil spielt. Mehr wird noch nicht verraten.

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