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West Ehemaliges Gasthaus "Linde" wird Wohnraum
Hannover Aus den Stadtteilen West Ehemaliges Gasthaus "Linde" wird Wohnraum
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12:11 01.07.2011
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Davenstedt

Es gibt sonst nicht mehr viel, was an die ältere Geschichte Davenstedts erinnert. Viele Häuser sind modernen Nachfolgern gewichen. So mancher Davenstedter befürchtet nun einen radikalen Umbau des Bleidissel-Ensembles oder auch den Wegzug einer der letzten alteingesessenen Eigentümerfamilien. Beides, versichert Miteigentümerin Jutta Bleidissel, werde nicht passieren. Veränderungen aber gibt es durchaus.

Zwei Häuser gehören zum Anwesen. Das ältere Fachwerkhaus, in dem lange Zeit das Gasthaus „Linde“ beheimatet war, gehört Jutta Bleidissel und ihrer Tochter Julia. Das Gebäude wird modernisiert und bekommt von innen eine neue Wärmedämmung. Die Fassade ist vor Jahren bereits saniert worden. „Daran wird sich nicht viel ändern“, sagt Architekt Helmut Wein. Das dazugehörende Backsteinhaus mit Tanzsaal, das die Wirtsleute 1898 errichtet hatten, hat jedoch das Interesse etlicher Passanten geweckt. Viele hätten gefragt, ob in dem Haus womöglich Wohnungen zu mieten seien, erzählt Jutta Bleidissel. „Aber das ist nicht der Fall“, betont sie. Eine junge Badenstedter Familie habe das Haus erworben. „Und die wird auch selbst darin wohnen“.

Leichtfertig haben sich die Bleidissels nicht von einem Teil ihres Anwesens getrennt. Doch die alte Substanz muss gepflegt werden; das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Als vor einigen Jahren Jutta Bleidissels Ehemann Jürgen starb, musste eine Entscheidung her. „Wir haben uns gefragt: Was tun wir mit den Häusern?“, sagt sie. Lange suchten sie nach einem Käufer. Es sollte jemand sein, der auch Herzblut hineinsteckt. Mit der Teilung des Grundstücks, einer behutsamen Modernisierung und dem Verbleib von Familienmitgliedern auf dem historischen Anwesen sei eine ideale Lösung gefunden. Jutta Bleidissel selbst wohnt inzwischen in Badenstedt.

Die umfangreichsten Veränderungen gibt es im Backsteinhaus. Ehemalige Klubräume und der Tanzsaal müssen familiengerecht umgebaut werden. Der Tanzboden hatte schon vor gut 70 Jahren seine Bedeutung als Vergnügungsstätte verloren. „Während des Krieges kam niemand mehr, die Heizkosten waren zu hoch – es lohnte sich nicht mehr“, sagt Bleidissel. In den vergangenen Jahrzehnten diente der hohe Raum als Lager, zuletzt für eine Möbelfirma. Erinnerungen an den alten Glanz gibt es noch. Ein filigranes Stahlgerüst mit Blumendekor gibt dem Dach festen Halt. „Dieses Stahlgebinde muss erhalten bleiben“, sagt Architekt Wein. Die Wände schmücken angedeutete Pfeiler mit reich verzierten Kapitellen. Noch laufen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz über die Schieferplatten an der Außenfassade. Die sind zwar alt, aber nicht historisch bedeutend. „Wir wollen sie weghaben“, sagt Wein. Das würde die Wärmedämmung für das Haus erleichtern.

Die „Linde“ war gemeinsam mit dem benachbarten Gasthaus Giesecke einst das Zentrum des öffentlichen Lebens in Davenstedt. Das Giesecke-Haus gibt es schon lange nicht mehr; die „Linde“ stellte vor gut 15 Jahren den Kneipenbetrieb ein. Über dem Eingang prangt aber noch immer der Name der Eigentümer: Bleidießel. So schrieben die Wirtsleute ihren Namen, als sie 1843 ihr erstes Bier zapften. Irgendwann, genau weiß es auch Hobbyhistorikerin Bleidissel nicht, vertat sich ein schusseliger Standesbeamter in der Schreibweise. Der daraus entstandene neue Name blieb der Familie fortan erhalten. Wie das Fachwerkhaus, in dem Jutta Bleidissel als junges Mädchen am Tresen aushalf – und in dem Ortsgeschichte geschrieben wurde. Dort wurde die Ortsfeuerwehr gegründet; tagte die Freie Turnerschaft Davenstedt, die heute TuS Davenstedt heißt, und sort hatten die Schützen für einige Zeit einen provisorischen Schießstand.

Marcel Schwarzenberger

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