Das Holzgerüst ist drei Meter hoch, mit einer Plane bedeckt und steht direkt am Gartenzaun von Nicola Herhaus und Jens Friebe in Limmer in der Dieselstraße. Ihr Haus liegt neben dem Stichkanal Linden, der gemeinsam mit der Schleuse Limmer in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll. Künftig sollen auch sogenannte “Übergroße Motorschiffe“ den Lindener Hafen erreichen. Diese Schiffe sind 135 Meter lang und damit zu groß für die alte Schleuse.
Das Holzgerüst am Gartenzaun markiert den wahrscheinlichen neuen Verlauf von Kanalufer und Spundwand, wie ihn die von der Stadt favorisierte „Ausbauvariante 4“ vorsieht. Bis auf wenige Meter könnte je nach Ausbauvariante das neue Kanalufer an die Reihenhäuser Dieselstraße 13 bis 23 heranreichen, die erst 2000 errichtet worden sind.
Würden die Häuser von einer nahen Spundwand verdunkelt, wären sie kaum noch etwas wert, fürchten die Bewohner. Aber ganz gleich, welche Ausbauvariante auch immer verwirklicht werde, für die Anwohner seien sie alle eine „Katastrophe“, sagt Anwohnerin Nicola Herhaus. Im November hatte die Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) zwar mitgeteilt, dass entgegen früherer Pläne keine Häuser abgerissen werden müssen – abgesehen von einem Anbau. „Aber deshalb atmen wir hier keineswegs auf“, sagt Herhaus. „Falls die Spundwand hierhin käme, säßen wir auf Gedeih und Verderb auf unseren Grundstücken fest“, meint Ursula Schröder. Ralf Schöning, Sprecher der Bürgerinitiative „Limmer für immer“, und seine Nachbarn sind sich nicht einmal sicher, ob nicht doch ein Abriss ihrer Häuser die bessere Alternative wäre. Dann könnten sie vielleicht mit einer Entschädigung rechnen und wegziehen, spekuliert Schöning. „Aber eine Zusage der Stadt, dass wir Geld erhalten würden, gibt es nicht“, kritisiert Nicola Herhaus.
Ihre Sorgen hat die Bürgerinitiative nun in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Stephan Weil verfasst. „Verantwortungslos“ gingen Politik und Stadtverwaltung mit ihnen um, schreiben die Anwohner darin. Zudem sammelte die Bürgerinitiative bislang rund 1000 Unterschriften für ein ergebnisoffenes Fachgutachten zum Kanalausbau.
Der Rat der Stadt wird frühestens Anfang 2009 über das rund 200 Millionen Euro teure Bauprojekt der WSD abstimmen. Die Ungewissheit darüber, was in den nächsten Jahren geschehen wird, verbittert die Bewohner. „Das ist für uns die Hölle“, klagt Nicola Herhaus.
Rund zwei Jahre dauert das Planfeststellungsverfahren, das endgültige Details festlegt. „Wie nah rückt das Kanalufer heran? Wenn die Straße dafür weichen muss, wie kommen wir zu den Grundstücken? Bleiben unsere Gärten? All das sind Fragen, die uns bewegen“, sagt Schöning. Die Dieselstraße liegt zwischen Kanal und Reihenhäusern, eine andere Zufahrtmöglichkeit gibt es nicht. Vier bis sechs Jahre veranschlagt die WSD für die Bauzeit. Den Familien graut es vor der Baustelle mit dem Lärm und dem Dreck direkt vor ihrer Haustür.
von Marcel Schwarzenberger
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