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„Ein Hut ist die Krone der Kleidung“

Linden-Mitte „Ein Hut ist die Krone der Kleidung“

Hutmacherin Astrid Ries verkauft am Lindener Marktplatz selbstgefertigte Kreationen - und hat für ihr Geschäftsmodell schon einen Preis erhalten.

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Hat viel zu tun: Die Hutmacherin Astrid Ries.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Hallo, Frau Ries! Haben Sie gerade viel zu tun?

Na, sicher. Im Sommer wollen die Leute etwas auf dem Kopf haben. Einmal, weil sie es einfach schön finden. Außerdem suchen immer mehr Kunden, gerade auch in der Urlaubszeit, ganz gezielt nach einem Sonnenschutz - das Thema Hautkrebs ist nicht zu unterschätzen. Und dann gibt es in den Sommermonaten ja immer viele Hochzeiten, auch da sind Hüte gefragt.

Wer trägt denn Hut?

Inzwischen auch immer mehr Männer. Das sind etwa die Hälfte meiner Kunden. Die mögen vor allem Porkpies und Trilbys, das sind Hüte mit kurzer Krempe. Aber auch der klassische Panamahut oder Kappen verkaufen sich gut.

Und die Frauen?

Da ist alles dabei. Ob schlicht, elegant, sportlich oder extravagant - je nach Geschmack. Natürlich spielt auch immer eine Rolle, für welchen Anlass der Hut gedacht ist.

Bei Ihnen bekommen die Kunden keine Hüte von der Stange. Einen Großteil der schönen Exemplare hier fertigen Sie in der eigenen Werkstatt an. Wie macht man denn einen Hut?

Das kommt auf das Material an. Hüte aus Stoff schneidert man nach bestimmten Entwürfen wie andere Kleidungsstücke auch. Beim klassischen Hutmachen gibt es immer einen sogenannten Rohling, meist aus Stroh für Sommerhüte und aus Filz für die Winterware. Der Rohling wird befeuchtet, über einen Holzkopf gezogen und in die gewünschte Form gebracht, dabei hilft ein Bügeleisen. Danach wird der Hut mit einer Appretur versteift, die Krempe bleibt flexibel. Am Schluss geht es ans Verzieren, da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Borten, Federn, Schleier, Strass oder Bast - alles eignet sich dafür.

Das sieht man, wenn man sich in Ihrem Laden umsieht. Wie lange arbeiten Sie überhaupt an einem Hut?

Das kommt auf den gewünschten Aufwand an. Es gibt Hüte, die sind nach drei Stunden fertig, andere nach 13 Stunden.

Und das hat dann seinen Preis ...

Wer bei mir einen selbst gemachten Hut kaufen will, muss in etwa mit 130 bis 400 Euro kalkulieren.

Wie viele Hüte stellen Sie im Jahr eigentlich her?

Das habe ich noch nie gezählt. Ich schätze mal, dass ich aktuell hier im Laden und im Lager so zwischen 1500 und 2000 Stück vorrätig habe. Da ist dann alles mit drin, auch die zugekauften Hüte, die meist für die Männer gedacht sind. Das sind aber nicht irgendwelche Importe aus Billiglohnländern. Ich achte auch bei dieser Ware sehr auf Qualität - und darauf, dass die Arbeitsbedingungen und die Ökobilanz bei der Produktion stimmen.

Warum wollten Sie eigentlich Hutmacherin werden - oder Modistin, wie es ja korrekt heißt?

Das Handwerkliche hat mir schon immer gelegen. Erst hatte ich überlegt, Schneiderin zu werden. Aber die Sache mit den Hüten fand ich spannender. Man hat immer ein Objekt vor sich, das man ganz individuell gestalten kann. Jeder fertige Hut ist ein Einzelstück.

Auch Modistinnen sind ja seltene Exemplare.

In den fünfziger und sechziger Jahren gab es in Hannover bestimmt noch 30 oder 40 Hutläden, oft mit angeschlossenen Ateliers. Inzwischen bin ich in der Stadt meines Wissens die Einzige, die ein eigenes Atelier betreibt und zudem Hüte von anderen Herstellern verkauft.

Lässt sich von den Hüten leben?

Meine Auftragsbücher sind voll. Ich beschäftige zwei Auszubildende und nach Bedarf eine Kollegin, die mithilft. Generell ist der Hut seit etwa zehn Jahren immer mehr im Kommen. Man sieht ihn längst nicht mehr nur beim Renntag auf der Neuen Bult, sondern überall im Stadtbild. Die Zeiten, als Hüte ausschließlich ein Erkennungsmerkmal älterer Damen und Herren waren, sind längst vorbei.

Was ist der besondere Reiz am Hut?

Ein Hut ist die Krone der Kleidung. Es gibt kaum ein Kleidungsstück, mit dem man sich so schnell verändern kann. Auf einen Hut wird man angesprochen, man bekommt Komplimente. Eine Kundin erzählte mir, dass ihr immer die Tür aufgehalten wird, wenn sie Hut trägt. Andrerseits kann man sich auch total lächerlich machen, wenn das Modell nicht zu einem passt.

Wie findet man denn den typgerechten Hut?

Mein Credo ist: Wer einen Hut aufsetzt, muss von ganz innen heraus „Ja“ dazu sagen. Es bringt nichts, wenn der Hut jemandem gut steht, er oder sie sich damit aber trotzdem nicht wohlfühlt. Manche Leute müssen sich auch erst mal überwinden, sich etwas auf den Kopf zu setzen. Aber vielen gefällt es dann.

Und was machen Sie, wenn eine Kundin oder ein Kunde mit seiner Wahl komplett daneben liegt?

Da ist schon etwas psychologisches Geschick erforderlich. Es geht darum, bei der Beratung offen und ehrlich zu sein - und das in angemessene Worte zu verpacken. Ganz wichtig ist auch: Die Leute müssen das Gefühl haben, dass sie aus dem Laden wieder rausgehen können, ohne etwas gekauft zu haben.

Wie viele Hüte haben Sie denn in Ihrem Kleiderschrank?

Mein persönliches Repertoire ist vergleichsweise bescheiden. Es sind jeweils vier Exemplare für Sommer und Winter. Ich trage auch längst nicht jeden Tag Hut.

Zur Person

Astrid Ries (53) ist seit 24 Jahren als Modistin selbstständig. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst bei Hut Ruhe in der Lister Meile. Den ersten eigenen Laden eröffnete sie 1990 in der Limmerstraße, acht Jahre später zog sie dann an den Lindener Markt um. Ihr heutiges Geschäft „Hut up“ liegt ebenfalls am Marktplatz, allerdings nun auf der dem Rathaus gegenüberliegenden Seite. Seit 2008 bietet Astrid Ries dort ihre eigenen Hutkreationen und zugekaufte Ware an. Vor zwei Jahren wurde die verheiratete Mutter einer 18-jährigen Tochter mit dem „Stadt-Hannover-Preis – Frauen machen Standort“ für ein vorbildliches Geschäftskonzept ausgezeichnet.

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