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Calenberger Neustadt

Ein Schmuckstück mit bewegter Geschichte


Hilflslazarett, Prüfungsamt der Universität, Landesversorgungsamt für Behinderte: Ein Haus in der Adolfstraße glänzt innen wie außen mit reizvoller Architektur - und mit den Bildern zweier Künstlerinnen.
Das Haus der Deutschen-Angestellten-Akademie in der Calenberger Neustadt besticht durch seine reizvolle Architektur.

Das Haus der Deutschen-Angestellten-Akademie in der Calenberger Neustadt besticht durch seine reizvolle Architektur.

© Valentin

Bunte, leicht abstrakte Impressionen aus Indien zeigt die Südstädter Künstlerin Barbara Jülfs derzeit in der Calenberger Neustadt, ebenso farbenfroh sind die „Träume“ der Malerin Irene Giese aus Linden. Bis zum 4. September stellen die beiden Künstlerinnen ihre Werke in der Adolfstraße 8 aus. Doch bei den Räumlichkeiten handelt es sich keineswegs um eine Kunstgalerie: Das markante Gebäude, das heute von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) genutzt wird, diente einst militärischen Zwecken. 150 Jahre ist es alt und präsentiert sich in seinem Inneren als ein architektonisches Juwel.

Im 19. Jahrhundert war Hannover mehrere Jahrzehnte Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen Königreichs. Der Ort beherbergte daher eine Garnison, die nahe dem größten Exerziergelände – dem Waterlooplatz – mit etlichen Einrichtungen vertreten war. An der heutigen Adolfstraße 8 wurde 1860 ein neues Gebäude für die Militär-Bekleidungskommission errichtet. Aus farblich abgesetztem Backstein schuf der renommierte hannoversche Architekt Hermann Hunaeus ein Bauwerk im damals typischen Rundbogenstil.

Uniformen und andere Ausrüstungsgegenstände für Soldaten wurden in dem Haus nicht lange gelagert. Gegenüber einem älteren Militärhospital gelegen, wurde es bereits nach einigen Jahren zum Hilfslazarett umgebaut. Nach der Annexion des Königreichs Hannover im Jahre 1866 kamen in dem Gebäude preußische Armeeangehörige unter. Noch bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus dann für den Sanitätsdienst genutzt.

Das Militärkrankenhaus fiel den Bomben zum Opfer; das ehemalige Hilfslazarett indes wurde nur wenig beschädigt. Etwa ab 1950 befand sich dort das Landesversorgungsamt für Behinderte, später auch das Prüfungsamt der Universität Hannover. Vom Land Niedersachsen erwarb es Mitte der neunziger Jahre die DAA, die Erwachsene in verschiedenen Berufszweigen fort- und weiterbildet.

Das denkmalgeschützte Gebäude hatte das Land zuvor von Grund auf renovieren lassen. Besuchern fällt vor allem das Treppenhaus auf, das in Gänze aus Holz besteht. Mit einem quadratischen Grundriss verbreitet es den Eindruck perfekter Symmetrie. Ringsum ziehen sich mehrere Galerien. Mit Schnitzereien verzierte Säulen und Wandkonsolen stützen die jeweils nächsthöhere Ebene; Treppengeländer in gedecktem Weiß und Graublau und ein weites Oberlicht verbreiten dezente Eleganz.

In der Bauhistorie der Stadt Hannover ist das Haus in der Adolfstraße 8 eines der wenigen komplett erhaltenen Zeugnisse aus der Zeit des Königreichs. Heinrich Meyer, Leiter der Deutschen Angestellten-Akademie, stellt es als Hausherr regelmäßig Künstlern zur Verfügung. Die Ausstellung „Farbinspiration“ mit 50 Bildern von Barbara Jülfs und Irene Giese kann jeweils montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr besichtigt werden.

Von Gerda Valentin

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