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West Ein altes Quartier wird wieder lebendig
Hannover Aus den Stadtteilen West Ein altes Quartier wird wieder lebendig
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09:39 05.12.2014
Dieses Bild von Lindener Heizkraftwerk und Spinnereibrücke stammt aus dem Jahr 1962. Fertiggestellt wird das Kraftwerk 1963. Quelle: Archiv
Linden

Ein mächtiges Fass transportiert die Spedition Paul Gruner. Zwei Mädchen sind mit weißen Kleidern herausgeputzt, der Pferdewagen samt Fass ist mit einer Girlande geschmückt. Der Anlass ist nicht mehr bekannt, aber vielleicht gab es bei dem Spediteur anno 1909 ein Jubiläum zu feiern? Die Straßenszene aus der Kaplanstraße ziert das Deckblatt des neuen Buches von Torsten Bachmann. Bereits vor zwei Jahren hatte der Journalist seine erste Publikation über Linden veröffentlich. „Linden. Eine fotografische Zeitreise“ heißt nun sein zweiter Band. Der Titel hält, was er verspricht: Mehr als 150 Aufnahmen und Postkartenmotive zeigt das historische Bilderbuch, das eine Zeitspanne von 1885 bis in die 1970er Jahre umfasst.

Die einzelnen Fotos werden jeweils nur knapp erläutert. Im Vordergrund stehen die Bilder, die den Betrachter geradezu in die Vergangenheit hineinziehen. Zunächst fällt auf, dass in Linden viel gearbeitet wurde. Schon früh morgens gießen Straßenbauer in der Nieschlagstraße den Beton aus, auf dem als Nächstes eine Asphaltdecke aufgetragen wird, und in der Wäscherei Lessmann in der Hengstmannstraße werden akkurat die frisch gewaschenen Bettlaken zusammengelegt. Von einer regen Geschäftswelt zeugen derweil die vielen Läden in der Deisterstraße, das Kaufhaus Eduard Wolff am Schwarzen Bären oder ein typischer Kolonialwarenhandel.

Natürlich wird auch gerne gefeiert - und 1898 war sogar Kaiser Wilhelm II. da, dem man am Schwarzen Bären eine Ehrenpforte errichtete. Ab 1914 hinterlässt auch in Linden der Erste Weltkrieg seine Spuren. Bei der Hannoverschen Waggonfabrik (HAWA) in Ricklingen - damals ein Stadtteil von Linden - werden Militärflugzeuge gebaut. Selbst für Kinder gibt es anfangs kleine Soldatenuniformen zum Spielen. 2500 Männer aus Linden sterben schließlich auf den Schlachtfeldern, wie Bachmann schreibt. Der Zweite Weltkrieg hinterlässt in Linden zahlreiche Zerstörungen. Der Schwarze Bär zum Beispiel verliert in weiten Teilen sein ursprüngliches Gesicht. Doch beim Wiederaufbau heben Arbeiter 1949 an der Falkenstraße die Grube für ein neues Geschäftshaus aus.

Bis 1963 wächst am Küchengarten das Heizkraftwerk heran, das mit seinen drei markanten Schornsteinen längst zu einem Wahrzeichen von Linden geworden ist. Noch im Rohbau ragen 1974 die Türme des Ihme-Zentrums in den Himmel. Um die gleiche Zeit beginnt schrittweise die Sanierung in Linden-Süd und Linden-Nord, für die etliche Altbauten weichen müssen.

Zahlreiche Straßen und Plätze, die letzten Bauernhäuser oder auch das Kinderschützenfest in der nicht mehr existierenden Fannystraße werden mit den Fotografien wieder lebendig. Mittendrin allerdings ereignet sich ein Zeitsprung: Auch das ehemals „rote“ Linden dürfte ab 1933 nicht frei von Hakenkreuzfahnen und Nazi-Aufmärschen gewesen sein - die jedoch in dem reich bebilderten Band schlicht nicht vorkommen.

„Linden. Eine fotografische Zeitreise“ ist für 19,99 Euro im Buchhandel erhältlich. Der Autor Torsten Bachmann stellt sein Buch am Freitag, 26. September, ab 19 Uhr im Lindener Rathaus, Lindener Marktplatz 1, Seminarraum 2.32 (2. Etage) vor. Veranstalter sind die Initiative „Lebensraum Linden“ und die Stadtteilbibliothek. Der Eintritt ist frei.

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