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West Ein schönes Bild von Linden-City
Hannover Aus den Stadtteilen West Ein schönes Bild von Linden-City
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09:47 05.12.2014
Von Michael Zgoll
Vor der Graffiti-Malaktion sah das Haus am Allerweg eher trostlos aus. Quelle: Michael Zgoll
Linden-Süd

Das Viertel zwischen Lindener Berg und Ihme hat einen neuen Hingucker - ein haushohes Graffito. Am viel befahrenen Allerweg, unmittelbar neben der Erlöserkirche, drängt eine Stadtteil-Silhouette in den Blick, die eine Mischung aus Lindener Wirklichkeit und urbaner Fantasiewelt darstellt. Über dem Häusermeer klönt ein Pärchen, das aus dem Quartier stammen könnte - eine junge Spanierin vielleicht und ein Lindener Butjer Geschaffen haben das Kunstwerk die Graffitikünstler Jascha Müller und Jonas Wömpner, unterstützt von 20 Jugendlichen aus dem Viertel. Auftraggeber war die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH), die das Projekt mithilfe von Quartiersmanager Carsten Tech auf den Weg gebracht hat. Der GBH gehört auch das Haus an der Ecke von Ricklinger Straße und Allerweg, das nun vor Lebensfreude sprüht.

Das Viertel zwischen Lindener Berg und Ihme hat einen neuen Hingucker - ein haushohes Graffito.

Der Bunker auf dem Deisterkreisel ist schnell auszumachen in dem von Gelb dominierten Wandgemälde, auch der Schornstein der früheren Ahrberg-Wurstfabrik, ein Hanomag-Industriebau und der Kiosk „Charlotteneck“ haben ihren Wiedererkennungswert. Dass der Schriftzug „Rademacher“ auf ein früheres Lindener Fahrradgeschäft verweist, werden aber nur wenige Bildbetrachter wissen, und Hochbahn, Hochhäuser und Glaskuppel haben sich der 35-jährige Diplomdesigner Müller und der 29 Jahre alte Fotograf Wömpner schlichtweg ausgedacht.

Der verschnörkelte Schriftzug „Peace, love, unity“ (Friede, Liebe, Einigkeit), erzählt Wömpner, solle ein Motto für das Zusammenleben in Linden-Süd sein - ein Zusammenleben, das für die zwei Hip-Hop-Fans großen Reiz hat. Zur Sprühflasche griffen sie übrigens auch schon in der Limmerstraße 98: Dort bauten sie die Farbbeutel-Kleckse aus Anti-Gentrifizierungs-Protesten in ein haushohes Kapuzenpulli-Porträt ein.

Der Startschuss für das Allerweg-Projekt fiel Mitte Juli bei einem Stadtteilfest, das den Jugend- und Kinderkultursommer in Linden-Süd eröffnete. 20 Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren, die meisten von ihnen ohne jegliche Erfahrung im Sprühen von Fassadengemälden, fanden sich schließlich zu einem sechstägigen Workshop zusammen. Sie durften erste Konturen vorzeichnen, Farbflächen ausfüllen und ihre Namen auf die Hauswand sprayen. Die Feinarbeit und den gefährlichen Malerjob auf der hochgeschraubten Scherenbühne übernahmen die beiden Profis von „Streetartshit“. Unter den 50 Namen auf der Fassade sind auch etliche von jungen Leuten zu finden, die die Künstler bei der Arbeit beobachteten und mit ihnen ins Gespräch kamen.

„Wir wollten den Jugendlichen etwas Schönes schenken und unsere Zuneigung zum Stadtteil demonstrieren“, schildert Müller seine Gefühlslage bei dem Projekt. Quartiersmanager Tech lobt das Ergebnis: „Wir haben es geschafft, Beteiligung und künstlerischen Anspruch unter einen Hut zu bringen.“ Dass das Graffito generationenübergreifend auf Wohlwollen stößt, beweisen die Reaktionen von Passanten. Auch betagte Lindener zollen dem Werk von Kindern und Künstlern Anerkennung, auch sie freuen sich, dass eine ehemals graue Wand am Allerweg nun ein wunderschönes Bild von Linden-City zeigt.

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