Im Volksmund heißen sie noch Elektrofahrräder, im Fachhandel längst Pedelecs oder E-Bikes – Fahrräder mit Elektromotor sind technisch gesehen zwar längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen, legen aber nur langsam den Nimbus des Seniorenfahrrads ab. Der Stadt-Anzeiger hat sich in verschiedenen Fahrradläden in den westlichen Stadtteilen umgehört, ob es tatsächlich einen neuen Trend gibt oder ob Elektroräder immer noch ein Mauerblümchendasein führen.
Grundsätzlich ist ein Pedelec – die Abkürzung steht für „Pedal Electric Cycle“ – ein Fahrrad, bei dem zur Verstärkung der eigenen Trittkraft ein Motor bis zu Tempo 25 zuschaltet werden kann. Bei höheren Geschwindigkeiten schaltet der Motor ab, hindert den Radler aber nicht daran, schneller in die Pedalen zu treten. E-Bikes dagegen können nur mit Motor angetrieben werden, geregelt wird dieser über einen Handgas-Drehgriff am Lenker. Für E-Bikes besteht deshalb eine Kennzeichen- und Versicherungspflicht, für Pedecles dagegen nicht. Weitere Spielarten sind Pedelecs mit Antritthilfe oder Sport-Pedelecs, die mit Unterstützung des Motors bis zu Tempo 45 schnell sind.
Dietrich Sudikatis vom Fahrradladen „Radgeber“ in der Wunstorfer Straße in Linden ist davon überzeugt, dass Pedelecs und E-Bikes in zehn Jahren zum Stadtbild gehören. „Die Nachfrage steigt eindeutig“, sagt er, „die Generation 50 plus interessiert sich schon länger dafür, und langsam kommen auch 45-Jährige auf den Geschmack.“ Sudikatis hat diverse Modelle im Programm. „Ab 2000 Euro wird es gut, ab 4000 Euro gibt es technische Perfektion“, sagt der Inhaber, der darin einen akzeptablen Ersatz für das Zweitauto sieht.
Auch Klaus-Dieter Riedel vom „Radcenter Ahlem“ in der Richard-Lattorf-Straße geht davon aus, dass es mit den Elektrorädern in Zukunft voran geht. Er hat derzeit zwei Pedelec-Modelle für 1400 und 1800 Euro im Angebot und ist mit der Technik zufrieden. Interessenten seien meist ältere Leute. „Man muss abwarten, wie Jugendliche auf E-Mountainbikes reagieren“, sagt er.
Verhaltener beurteilt Matthias Wullert vom Geschäft „Calenberger Radkultur“ in der Mittelstraße den Markt. „Ich bin skeptisch beim Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt er. „Viele Hersteller achten auf Schick, sparen aber bei der Technik und an der Grundausstattung.“ Die Nachfrage ist bei ihm gering, wie er sagt. In Kooperation mit einem Orthopädiegeschäft wolle er jetzt aber ein Pedelec mit tiefem Einstieg anbieten.
Alexander Jonischkies von „Laufrad Hannover“ in der Göttinger Chaussee in Oberricklingen hat bislang keine Drahtesel mit Motor in seinem Laden. „Die Räder wiegen um die 30 Kilo, hier gibt es aber vor allem Mietwohnungen, wo man sie in den Keller tragen müsste“, sagt er. „Wir müssen gucken, wo wir die Kunden herkriegen, hier im Stadtteil jedenfalls nicht.“ Auch Rainer Schmidt von Salge-Fahrrad in der Göttinger Chaussee beurteilt den Markt kritisch. „Im Daueralltagsbetrieb gibt es ernste Probleme beispielsweise mit der Steckverbindung des Akkus“, berichtet er. Außerdem seien die von den Herstellern bis zu 100 Kilometer angegebenen Reichweiten „utopisch“.
In Connis Radshop in der Königsworther Straße in der Calenberger Neustadt sucht man Pedelecs oder E-Bikes ebenfalls vergeblich. „Finde ich überflüssig“, sagt Inhaber Jens Möbius. „Ich habe wunderbare, neun Kilo leichte Trekkingräder, die fahren auch wie von allein.“
Ganz anders Jürgen Willmann von Keha Sport in der Goseriede in der Innenstadt. Er setzt seit zweieinhalb Jahren auf einen Deutschen Hersteller mit einem Qualitäts-Akku, der vom Tiefeinsteiger bis zum schicken Herrenrad viele Modelle in den Preisklassen zwischen 1500 und 3000 Euro produziert. „Hier wird alles komplett in einer Hand hergestellt.“ Der Geschäftsinhaber warnt jedoch vor Billigprodukten: „Hier kommen immer wieder Leute rein, die Pedelecs für 700 Euro gekauft haben. Es ist hanebüchen, was es mit diesen Produkten für Probleme gibt.“
Von Karin Vera Schmidt
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Kommentare
@ HAZ A.J. – 10.08.10
Danke.@ HAZ Alexander Jonischkies – 10.08.10
Könnten Sie mal bitte meinen Namen richtig schreiben?nur mit Führerschein RAdler – 01.08.10
Ich bin der Meinung, dass niemand diese Räder ohne einen Führerschein im öffentlichen straßenverkehr bewegen sollte.Senioren auf Elektrofahrrädern Radfahrer – 01.08.10
Leider verleiten diese Elektrofahrräder insbesondere Senioren dazu, sich zu überschätzen und/oder Verkehrsregeln zu missachten, da sie einfach zu schnell sind.Gestern für ein älterer Herr mitten auf der rechten Fahrspur mit ca. 40 km/h um seiner Frau zu folgen. Ich kam von hinten mit ca. 50 km/h und wollte überholen, da zog er plötzlich auf die Straßenmitte um die Kurve zu schneiden. Gerade konnte ich noch ausweichen und ihn rechts am Straßenrand überholen. Er schimpfte laut, hatte wohl nicht damit gerechnet, dass noch jemand schneller ist als er. Er fuhr wahrscheinlich wie jemand auf der Autobahn, immer schön links und schnellere aufhalten...
Zukunft .. – 29.07.10
die Elektroräder werden, wie die Hybridautos, solange schlecht gemacht, bis die Händler merken das sie den Trend wieder einmal verschlafen haben.@ HAZ ... – 29.07.10
Alexander Jonischkies von „Laufrad Hannover“ in der Göttinger Chaussee...muss es heissen. Kann da jemand seine eigenen Notizen nicht lesen?Für Bewegungsmuffel RAdler – 29.07.10
Radfahren ist medizinisch gesehen nur gesund, wenn der Fahrer seine Körperkraft zur Fortbewegung einsetzt - mit Elektromotor freuen sich die Bewegungsmuffel, aber gesund ist etwas Anderes...