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Experten debattieren über Konzept der Gedenkstätte

Ahlem Experten debattieren über Konzept der Gedenkstätte

Die neu gestaltete Gedenkstätte Ahlem wird erst in gut zwei Jahren öffnen. Mit einer Tagung zur pädagogischen Arbeit an Gedenkstätten hat sie aber bereits jetzt bundesweit auf sich aufmerksam gemacht.

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In zwei Jahren soll die Gedenkstätte Ahlem – hier ein Computerbild der künftigen Gestaltung – neu eröffnen.

Ahlem.  Zwei Tage lang debattierten führende Experten auf dem Gebiet mit rund 180 Zeitzeugen, Wissenschaftlern, Studenten, Lehrern und Mitarbeitern an Gedenkstätten im Haus der Region.

„Wir wollten von Anfang an die neue Ausstellung und unser Pädagogikkonzept parallel entwickeln“, sagte Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem, die Schüler als wichtigste Zielgruppe nennt. Seit vier Jahren läuft die wissenschaftliche Arbeit dazu bereits. Die von der Klosterkammer finanzierte Tagung gab jetzt weitere Impulse.

Die Gedenkstätten, die an die Gräuel des Nationalsozialismus erinnern, stehen aktuell vor ähnlichen Problemen. Die Zeitzeugen, die durch ihr eigenes Schicksal Schülern diese Zeit näherbringen können, verschwinden nach und nach. Manche Einrichtungen arbeiten deshalb jetzt mit gefilmten Interviews. „Wir wollen aber nicht, dass die Zeitzeugen auf kurze Videoclips reduziert werden“, betonte Shaun Hermel aus dem Vorbereitungsteam der Gedenkstätte. Die Schüler sollten die einzelne Person und ihre Biografie kennenlernen. Aktuell verfügt die Gedenkstätte über 160 Filminterviews, etliche mit Menschen, die an der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule gelernt haben.

Denn dies ist eine Besonderheit Ahlems, wie viele Tagungsteilnehmer betonten: Die Gartenbauschule steht für einen Teil des jüdischen Lebens in Deutschland, bevor der nationalsozialistische Terror begann. Auch wenn Ahlem danach zur Sammelstelle für Deportationen, zu Gefängnis und Hinrichtungsstätte wurde, lässt sich hier besonders gut über jüdisches Leben vor und nach der Verfolgung berichten. Historiker Hans-Dieter Schmid von der Leibniz Universität empfahl dem Gedenkstättenteam dafür die vier jüdischen Gemeinden und drei Vereine der Sinti und Roma in der Stadt. „Die persönliche Begegnung ist sehr wichtig, denn die Unkenntnis ist verbreitet.“

Holger Urbarius von der Gedenkstätte Buchenwald berichtete während der Tagung von Besuchergruppen, die meist nicht mehr als zwei Stunden Zeit hätten. Stefanie Burmeister hat dazu ganz andere Vorstellungen. „Wir müssen natürlich anbieten, was Schulklassen realistisch wahrnehmen können. Aber ich denke eher an Projekttage oder Projektwochen, in denen die Schüler aktiv an einem Thema arbeiten.“ Prof. Norbert Frei von der Friedrich-Schiller-Universität Jena warnte davor, mit zu viel Ästhetik die Schrecken des historischen Ortes zu glätten. Auch das soll nun bedacht werden.

Für Schüler ist die Zeit des Nationalsozialismus inzwischen oft weit entrückt, noch mehr für Jugendliche, deren Familien mit einer ganz anderen Geschichte im Gepäck eingewandert sind. Prof. Peter Gautschi von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz riet, die typische Schülerfrage „Was hat das mit mir zu tun?“ offensiv in der Ausstellung aufzugreifen – und ein paar mögliche Antworten zur Diskussion gleich mit.

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