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„Fabian ... versohlt sie alle!“

Linden-Mitte „Fabian ... versohlt sie alle!“

Fabian Rommel hat in der Egestorffstraße einen etwas anderen Schuhmacherbetrieb eröffnet.

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Schuhmacher Fabian Rommel am 17.07.2014 in Hannover in seinem Geschaeft in der Egestorffstrasse.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Hannover. Es klingt, als könne es gefährlich werden, den Laden zu betreten. „Fabian ... versohlt sie alle!“ Der Spruch auf einem Schild vorm Schaufenster ist durchaus ernst gemeint. Allerdings würde Fabian Rommel natürlich nie auf die Idee kommen, seinen Kunden zu nahe zu treten. Es geht ihm ausschließlich um ihre Schuhe. Und die zu versohlen, ist sein Beruf.

In seinem Laden in der Egestorffstraße 12 widmet er sich aber nicht nur reparaturbedürftigen Pumps, Slippern oder Stiefeln. Rommel bringt auch lädierte Motorradjacken und -hosen oder andere Kleidungsstücke aus Leder wieder in Ordnung. Er verändert den Schnitt, wenn etwas nicht mehr oder noch nicht passt. Obendrein verkauft er selbst gefertigte Taschen, Portemonnaies und Gürtel aus seinem Lieblingsmaterial. Und wenn sich ein Kunde auf Wunsch Lederbekleidung schneidern lassen möchte, macht er das auch. Schließlich ist der Schuster von Haus aus Schneider.

Und er hat ein Faible für alle Dinge mit Geschichte. Das merken seine Kunden schnell, wenn sie den Laden betreten. Da steht zum Beispiel ein Berlin-Roller, Baujahr 1959, mitten auf dem Dielenboden. Einst gefertigt im Volkseigenen Betrieb Ludwigsfelde in der ehemaligen DDR, ist die türkis-weiße Variante der Vespa heute ein motorisiertes Unikat. „Der fährt noch perfekt“, sagt Rommel, der früher täglich mit dem betagten Roller unterwegs war. Nun steht er als Dekoration in den Geschäftsräumen, die der 48-Jährige vor sieben Monaten eröffnet hat. Etwas Öl tropft auf das Packpapier, das er untergelegt hat. Auch eine alte Nähmaschine aus dem 19. Jahrhundert, eine Registrierkasse aus den sechziger Jahren und eine Schuhpresse aus den Fünfzigern gehören zum sehenswerten Sammelsurium, das das Ladenlokal schmückt.

„Neues ist langweilig“, sagt Rommel der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn Fabian nennt. Er habe eben immer schon gern alte Gegenstände gesammelt - und repariert. „Ich bin ein Heilemacher“, lautet seine Selbstcharakterisierung. „Das war nie anders.“ Geradlinig ist Rommels Werdegang allerdings nicht verlaufen. Zunächst arbeitete er als Industrieschneider in einem Unternehmen für Berufsbekleidung. Dann wechselte er in den Betrieb eines Freundes, wo er das Schusterhandwerk erlernte. Den Wunsch, sich selbstständig zu machen, setzte er erst mit einem Schuh- und Schlüsseldienst in der Lister Meile um, dann mit einem eigenen Schusterladen an der Vahrenwalder Straße, wo er auch selbst gefertigte Lederwaren verkaufte. Doch weil das Geschäft an diesem Standort nicht so gut lief, nahm er eine Anstellung in einem Geschäft für Motorradbekleidung an, auch um seiner Familie mehr finanzielle Sicherheit bieten zu können.

Dort stand Rommel, der früher selbst häufig auf dem Motorrad saß, sieben Jahre lang als Verkäufer hinter dem Tresen - und konnte nichts mehr reparieren. „Eigentlich war das nicht das Richtige für mich“, sagt er rückblickend. Doch er lernte dabei viel über die spezielle Ausrüstung der Biker. Über die Haltbarkeit der Nähte, die Polsterungen und die besondere Qualität des Leders. Wissen, das er auch anwenden wollte.

„Als dann der Laden hier frei wurde, konnte ich nicht widerstehen“, sagt er. Rommel wagte ein weiteres Mal den Schritt in die Selbstständigkeit. Erstmals in seinem Lieblingsstadtteil: Der überzeugte Lindener („ich lebe hier seit ich 17 bin“) hat seinen Laden nun praktischerweise ganz in der Nähe des Hauses eröffnet, in dem er mit seiner Frau, der 18-jährigen Tochter und dem 16-jährigen Sohn wohnt.

In dem Geschäft in der Egestorffstraße vereint er nun alle seine bisherigen beruflichen Stationen. Mit dem Standort in Nachbarschaft zum Lindener Markt und zu den Läden am Pariser Platz ist er sehr zufrieden. Viele Kunden, sagt Rommel, hätten sein Geschäft beim Einkaufsbummel entdeckt. Er macht für sie auch ausgefallene Wünsche möglich. So wollte zum Beispiel ein etwas eigenwilliger Vertreter der Lindener Kulturszene eine Halterung aus Leder haben, mit der er ein Megaphon am Kopf befestigen kann. Auch wer seine arg beanspruchten Wanderschuhe nicht ausrangieren mag oder sich trotz vieler loser Nähte einfach nicht von Opas alter Tasche trennen kann, ist bei Rommel an der richtigen Adresse. Zu alt, um nicht mehr repariert werden zu können, kann für ihn kaum etwas sein. Schon gar nicht, wenn es aus Leder ist.

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