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West Die 255-Euro-Weltreise
Hannover Aus den Stadtteilen West Die 255-Euro-Weltreise
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00:15 31.10.2013
Von Sonja Fröhlich
Impressionen einer Reise: Zwei Kolumbianer sind spichwörtlich übern Berg Quelle: Fabian Sixtus Körner
Hannover

Da reist er zweieinhalb Jahre um die Welt, legt Zehntausende Kilometer in Flugzeugen, Zügen, Bussen, Booten und Rikschas durch alle Zeitzonen zurück. Aber die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit in Deutschland bringt den Zeitplan von Fabian Sixtus Körner dann doch durcheinander. „Irgendwie hat sich meine Uhr nicht automatisch umgestellt. Da musste ich den Zug eine Stunde später aus Berlin nehmen“, sagt er. Nun muss sich der 32-Jährige beeilen. In einer halben Stunde beginnt die Eröffnung seiner Ausstellung in der Kaffeebar „Rossi“ in Limmer – aber es hängen noch längst nicht alle Bilder an den Wänden.

Die Ausstellung „Stories of a Journeyman“ ist bis 21. Dezember in der Kaffeebar Rossi, Weidestraße 6, zu sehen.

Körners Bilder erzählen Geschichten vom Fernweh. Naturschauspiele, kulturelle und szenische Exotik, Surferidylle, Fischfang, scheinbar endlose Weiten, Millionenmetropolen, so etwas. Eigentlich dokumentieren die Fotografien Körners eigene Geschichte. Die beginnt im Januar 2010. Der gebürtige Essener packt einen 60-Liter-Rucksack und geht auf die Walz, so wie es auch Zimmerleute tun. Körner hat Ähnliches vor, nur eben als Innenarchitekt, Grafikdesigner und Fotograf, Berufe, die er gelernt oder studiert hat. Er will bis auf die Antarktis alle Kontinente bereisen – und für Kost und Logis arbeiten. Auf dem Konto hat er 255 Euro, auf dem Rücken sein Büro und das Nötigste: Klamotten zum Wechseln für eine Woche, Hemd und Krawatte, einen Laptop, eine digitale und eine analoge Kamera, Objektive, Stativ, etliche Kabel und Aufladegeräte.Körner will ein modernes Walztagebuch im Internet führen. Er trägt einen Vollbart und nennt sich „Journeyman“.

Ohne feste Zusage beginnt er seinen Trip in Schanghai („Kommen Sie vorbei, dann sehen wir weiter“). Drei Monate arbeitet er dort für das Architekturbüro Chipperfield und hilft, Balkone zu restaurieren. Seine erste Station sorgt aber auch für Ernüchterung: In Schanghai bricht der härteste Winter seit Jahren aus, mit Grippe steht der Deutsche in 30 Metern Höhe auf beängstigend biegsamen Bambusgerüsten und wohnt zusammen mit anderen Deutschen in einer Pension.

Im malaysischen Kuala Lumpur erfüllt sich sein Wunsch. Er wohnt bei seinem Arbeitgeber, so wie es auf einer Walz üblich ist. Der Chef organisiert die jährliche „Design Week“. Körner soll als internationaler Repräsentant die Hände von Ministern und anderen hochrangigen Politikern schütteln. Schnell spricht sich das dort herum. Zweimal kommt er wieder, arbeitet als Ko-Kurator eines Fotofestivals, dann sitzt er in der Jury eines Modelwettbewerbs. „Plötzlich hatte ich dort so eine Art Starstatus. Ich habe mich selbst gewundert.“

Andere Jobs findet er dank aufwendiger Internetrecherche und der Hilfe von Reisebekanntschaften. Dabei kann er all seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Er wird in die Freihandelszone von Alexandria geschmuggelt, um ein neues Corporate Design für eine der führenden Werften im Mittelmeerraum zu entwickeln, im äthiopischen Addis Abeba veranstaltet er mit einigen der besten afrikanischen Fotografen das größte Fotofestival des Kontinents. Er gründet eine Organisation zur Unterstützung junger, indischer Fotografen in Bangalore, er fotografiert Modekollektionen und produziert einen Song für ein Musiklabel in Brisbane. Er assistiert einem Beauty- und Fashionfotografen in San Francisco, ist Videojournalist auf Kuba und dreht eine Kurzdokumentation über Hahnenkämpfe in der Dominikanischen Republik. Seinen spannendsten Job aber findet er im Süden Indiens, dort entwickelt er einen vertikalen Garten für ein Gebäude aus Supermarktregalen. 18 Jobs und 60 Orte zählt er am Ende der Reise. „Als Deutscher ist man ein angesehener Arbeiter – man kommt überall durch“, resümiert er.

Nur selten hat er Geld damit verdient. Auf Kuba angekommen, reicht das nur noch für ein Ticket in die Dominikanische Republik, um auch die Grenze zu Lateinamerika zu überschreiten. Das wird zum Glücksfall für ihn: Er wohnt bei einer früheren Klassenkameradin, die er zwei Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatte – und bleibt länger. Ein „außerplanmäßiger Zwischenstopp“, sagt er und lächelt beglückt. Heute sind sie ein Paar und leben in Berlin. Dies sei aber nur die Basis für weitere Reisen. „Ich werde nie sesshaft. Ich bin so der Fernweh-Typ“, erklärt Körner. Aber zunächst einmal steht eine Lesereise durch Deutschland an. Denn sein Selbstvermarktungstrip spricht auch Verlage an. Der Ullstein Verlag veröffentlicht nun am 11. November seine Dokumentation. Der Titel stand schnell fest: „Journeyman“.

Die Ausstellung „Stories of a Journeyman“ ist bis 21. Dezember in der Kaffeebar Rossi, Weidestraße 6, zu sehen. Einen Reisebericht gibt es dort am 20. Dezember um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro.

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