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Falkenstraße entwickelt sich zur Feinkostmeile

Hannover-Linden Falkenstraße entwickelt sich zur Feinkostmeile

Drei Läden in der Falkenstraße in Hannover-Linden bieten Feinkost feil - nur EHEC stört die Harmonie.

Falkenstraße, Hannover 52.367012 9.717015
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Gute Nachbarschaft: Bayram Tayar (links) verkauft Gemüse, Saeid Tousi Spezialitäten.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Es gab da diesen Moment im März, an den erinnert sich Saeid Tousi sehr genau. Vier Monate war es her, seitdem er seinen Laden „Paniz – Feinkost und Café“ in der Falkenstraße aufgemacht hatte. Tousi stand vor seinem Geschäft und beobachtete die Bauarbeiten am Laden nebenan. Die Arbeiter brachten ein Schild an: „Feinkostladen“. Und Tousis Miene verdunkelte sich. Ein paar Meter weiter Richtung Schwarzer Bär gibt es seit Jahren „Da Giorgio – italienische Feinkost“. Drei Feinkostgeschäfte auf hundert Meter. Nicht nur Tousi fragte sich damals: Geht das gut?

Nun sitzen er und Bayram Tayar, Betreiber des Geschäfts nebenan, am Holztisch vor „Paniz“ und trinken Kaffee. Tousi wirkt zufrieden. „Tatsächlich ergänzen sich unsere Sortimente“, sagt der gebürtige Iraner. Tayar betreibt eher einen klassisch türkischen Lebensmittelmarkt. „Viel Gemüse – keine Feinkost“, ätzt Tousi kurz in Richtung Tayar. Der sagt etwas kleinlaut, dass er eigentlich „Türkische Lebensmittel“ an seinen Laden schreiben wollte, dann aber fand, „Feinkost“ höre sich besser an. „Jeden Morgen fahre ich zum Großmarkt und hole frische Ware“, sagt Tayar. Oft bestelle Tousi etwas bei ihm, das bringe er dann mit. Tousi nickt. „Vor allem Salat und Gemüse. Aber das geht gerade nicht so gut – wegen EHEC“, sagt er.

Den Iraner lässt der EHEC-Erreger ziemlich kalt. Die Auslagen seines Geschäfts sind voll mit Wurst-, Käse- und Schinkenspezialitäten aus allen Teilen Italiens. Jeden Mittag gibt es ein anderes Gericht, und mit seiner individuell zusammengestellten Pizza hat Tousi kürzlich den ersten Platz in einem Lindener Pizzatest belegt. Er ist nicht auf den Verkauf von Gemüse und Salat angewiesen. Sein türkischer Nachbar schon. Als die Sprache auf EHEC kommt, sieht Bayram Tayar plötzlich sehr müde aus. In den letzten Märztagen hat er seinen Laden eröffnet. „Die ersten Wochen lief es gut, aber seit EHEC verkaufe ich kaum noch etwas“, sagt er.

Um halb sechs steht er auf jeden Morgen, fährt zum Großmarkt, um acht Uhr öffnet er seinen Laden, um 20 Uhr schließt er ab. Mitarbeiter hat er keine. Er hofft auf bessere Zeiten, wenn die EHEC-Angst verflogen ist.

Für Tousi sind die besseren Zeiten bereits angebrochen, sagt er. Seine Eltern sind aus dem Iran geflohen, als er ein Kind war, mit 14 Jahren ist er aus den USA nach Deutschland gekommen, hat Koch gelernt und in diversen Restaurants in Hannover gearbeitet, dann ein kleines Feinkostgeschäft in der Königstraße betrieben. Zuletzt versuchte er, in Teheran einen Lebensmittelimport aufzubauen – und scheiterte. In Linden, wo er seit Jahren wohnt, habe er nun einen Standort gefunden, an dem sein Geschäftskonzept funktioniert: „Beste Qualität zu moderaten Preisen“. Dass er als Iraner vor allem italienische Feinkost anbietet, sei kein Problem, sagt er. Schließlich gab es nebenan am Lindener Marktplatz lange das Geschäft „DeRömer – italienische Frischfeinkost“. Der Betreiber stammte mitnichten aus Rom, sondern war Türke. Und hieß Ömer.

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