Linden-Mitte. Kleine Kundenwünsche kann Tine Albe sofort erfüllen. Die 47-jährige Schmuckdesignerin arbeitet seit wenigen Tagen in einer kleinen Werkstatt-Ecke im Gründerinnen-Projekt „durchbruch“ in der Stephanusstraße in Linden-Mitte. Vier Wochen lang testet sie, wie es sich anfühlt, einen eigenen Laden zu haben.
Ursprünglich war das von der Stadt und der EU geförderte Projekt „Unternehmerin auf Probe“ nur bis Ende 2011 bewilligt. Nun bietet die Wirtschaftsentwicklungsinitiative „hannoverimpuls“ kreativen Frauen, die sich mit ihren eigenen Entwürfen und Produkten selbstständig machen möchten, auch 2012 die Gelegenheit, bis zu acht Wochen lang ihre Produkte und Dienstleistungen unter realistischen Marktbedingungen zu verkaufen. So lernen potenzielle Gründerinnen die Gesetze und Erfordernisse des Marktes kennen. In dieser Woche starten fünf Frauen in den Räumen von „durchbruch“ – unterstützt mit Dekoration, Werbemitteln, Beratung und Workshops.
Zum Sortiment von „durchbruch“ gehören unter anderem selbst entworfene Taschen, Kleidung, Wohnaccessoires, Puppen, Schmuck, Liköre oder Keramik – je nachdem, welche Gründerinnen gerade ihre Produkte im Laden ausstellen. So ist der Laden für die Kunden quasi eine Wundertüte mit ständig wechselndem Sortiment – ein Konzept, das in Linden durchaus ankommt.
„Mit rund 30 Kunden am Tag ist der Laden im vergangenen Jahr noch besser angenommen worden, als wir uns erhofft hatten“, stellt Projektleiterin Daniela Barrera fest. Durchschnittlich drei Produkte würden pro Tag verkauft. Beim Stadtteilfest „Himmlisches Vergnügen“ hätten sich sogar 300 Besucher im Geschäft umgeschaut. „Viele unserer Absolventinnen würden den Laden am liebsten gleich übernehmen“, sagt Barrera. Seit der Gründung von „durchbruch“ im März 2011 haben 41 Frauen die Möglichkeit des sogenannten „Shop-in-Shop“-Systems genutzt. Die EU fördert die Initiative 2012 mit 70 000 Euro, „hannoverimpuls“ gibt 15 000 Euro und auch die Stadt leistet mit 12 000 Euro ihren Beitrag – schließlich profitiere Hannover ganz direkt, sagt Barrera. So leiste der Laden einen Beitrag zur Vielfalt des Einzelhandels im Stadtteil und generiere neue Geschäftsideen. Sieben Absolventinnen des Programms gründeten beispielsweise im Herbst gemeinsam die „Recyclingnähwerkstatt“ in Vinnhorst und verkaufen nun Designermode, die aus alten Stoffresten hergestellt ist.
So weit ist Tine Albe noch nicht. Die 47-Jährige hofft, am Ende ihres vierwöchigen Kurses eine Partnerin gefunden zu haben, mit der sie ein gemeinsames Geschäft eröffnen kann.
Voraussetzung für die Teilnahme an dem Projekt ist eine Bewerbung mit Fotos des Warenangebots, das selbst hergestellt oder selbst entworfen sein muss. Bewerben können sich alle Frauen, die noch nicht hauptberuflich ein Geschäft gegründet haben, es sei denn, sie beziehen Leistungen der Agentur für Arbeit. Informationen erhalten sie bei Gründerinnen-Consult Hannover unter der Telefonnummer 30 09 42 79 oder auf der Internetseite www.gruenderinnenconsult.de.
Rüdiger Meise