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Gruppe von Trinkern verärgert Anlieger

Linden Gruppe von Trinkern verärgert Anlieger

Pöbeleien, Lärm und viel Alkohol: Eine Gruppe von Trinkern auf der Limmerstraße in Linden-Nord sorgt für Unmut bei Händlern, Anliegern und Kunden.

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Händler rufen wegen der trinkfreudigen Truppe auf der Limmerstraße regelmäßig die Polizei.

Quelle: Bauch

Wenn die Sonne scheint, ist es am schlimmsten. Dann versammeln sich schon vor Geschäftsöffnung die ersten Männer und Frauen mit Bierflaschen an den beiden Bänken an der Limmerstraße in Höhe Küchengarten. Es wird getrunken, Musik gehört, laut diskutiert – und mit zunehmendem Alkoholkonsum im Laufe des Tages gepöbelt oder auch mal geprügelt. Ab mittags reichen die Bänke nicht mehr aus für die Gruppe, die dann auf gut und gerne zwei Dutzend Personen angewachsen ist: Die Menge breitet sich auf dem gesamten Fußweg vor den Geschäften aus. „In diesem Jahr ist es einfach besonders schlimm“, sagt Klaus Koring vom Rundfunkfachgeschäft Menzel, das unmittelbar hinter einer der Bänke liegt.

Seit Jahren schon würden die Sitzgelegenheiten regelmäßig als Treffpunkt für Trinker genutzt, allerdings seien diese bislang selten so ausfallend und massiv aufgetreten. „Die Kunden sind quasi gezwungen die Straßenseite zu wechseln, weil sie bei uns gar nicht mehr durchkommen. Das ist geschäftsschädigend“, klagt Koring. Vor allem für Familien mit Kindern sei die Situation zuweilen eine Zumutung. Im benachbarten Bistro lassen sich kam noch Familien blicken, wenn die Gruppe auf dem Gehweg lagere, so Koring.

Auch bei „Riva“ nebenan wird die Situation mit Sorge verfolgt. „Viele sind ja durchaus nett, aber manche werden richtig unangenehm“, sagt Mitarbeiterin Lionie Liem. „Den Kinderwagen lassen unsere Kunden jedenfalls nicht mehr so ohne Weiteres vor der Tür, wenn sie schnell etwas besorgen wollen.“ In diesem Jahr sei die Lage extrem. Im benachbarten Brillengeschäft von Rudolf Barton wurde in der vergangenen Woche sogar ein Angestellter mit einem Messer bedroht. „Er wollte einen pöbelnden Mann aus dem Laden schieben, da hat der dann sein Messer gezückt.“ Passiert sei nichts, aber die unangenehmen Vorfälle häuften sich. „Auch die Lautstärke geht uns manchmal auf die Nerven, bei offener Ladentür kann man hier nicht arbeiten“, sagt Barton.

Grundsätzlich hat er nichts dagegen, wenn die Bänke zum Treffpunkt für Menschen werden, die offensichtlich keinen geregelten Tagesablauf haben. „Das gehört auch zu Linden“, sagt Barton. Allerdings habe alles seine Grenzen. „Es werden immer mehr, die Kunden fühlen sich belästigt. Und bei Regenwetter belegt die Truppe sogar die Bänke an der Üstra-Haltestelle.“ Ältere Leute, für die Sitzgelegenheiten eigentlich gedacht seien, würden dann buchstäblich im Regen stehen.

Auch Familie Privatera vom Bistro Jacqueline ist von der trinkenden Gruppe zunehmend genervt. „Wir müssen hier jeden Tag erstmal Scherben und Dreck wegfegen, bevor wir öffnen können“, sagt Jacqueline Privatera. Und ihre Tochter Nadine ärgert es vor allem, dass die Männer in diesem Jahr zunehmend auch die Gäste an ihren Tischen belästigen. „Die schnorren, pöbeln oder gucken Frauen penetrant in den Ausschnitt.“ Derzeit werde drei- bis viermal pro Tag die Polizei gerufen, sagt die Juniorchefin. Doch sehr viel machen könnten die Beamten auch nicht. „Richtig kriminell ist hier ja keiner.“

Der Kontaktbeamte für Linden-Nord von der Polizeiinspektion West, Frank Häseler, kennt die Situation. „Ich gehe regelmäßig hier vorbei, spreche mit den Leuten und setze auf ihre Einsicht.“ Grundsätzlich sei das Sitzen und Trinken auf den Bänken ja nicht verboten. „Doch wenn das ausufert, sagen wir den Leuten schon, dass sie hier verschwinden müssen.“ Aber sie kommen wieder, regelmäßig. Schließlich können sich die Männer und Frauen rund um die Haltestelle Küchengarten auch gut mit flüssigem Nachschub versorgen. Ein Kiosk hat 24 Stunden geöffnet, der Rewe-Markt hat seine Öffnungszeiten auf 24 Uhr ausgeweitet. „In den Abendstunden haben wir aber unsere Sicherheitskräfte vor der Tür“, erklärt eine Rewe-Mitarbeiterin. Auch sie ruft regelmäßig die Polizei, manchmal erteilt sie auch Hausverbote. „Allerdings hilft das nur kurz.“

Nicht nur Geschäftsleute, auch Anwohner fühlen sich durch die Gruppe gestört. „Die machen Krach auf der Straße bis tief in die Nacht“, sagt ein Anwohner der Limmerstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Vermutlich sei das zwar mit der kühleren Jahreszeit vorbei, „aber es nervt uns schon seit Monaten.“ Auch im Bezirksrat Linden-Limmer haben Händler und Anwohner schon vorgesprochen. Viele hätten am liebsten, dass die Bänke verschwinden. „Aber das verlagert nur das Problem“, meint Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke. Sie plädiert für eine Betreuung von Platz und Gruppe durch Sozialarbeiter, wie es auf dem Schünemannplatz in Ricklingen seit fünf Jahren praktiziert wird (siehe Kasten). „Die Situation an der Limmerstraße ist sehr belastend, und wir werden uns bemühen, sie zum Wohle aller Beteiligten schnell zu entschärfen“, verspricht die Bezirksbürgermeisterin.

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