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Hannovers Hausfassaden werden bunter

Diskussion um starke Farben Hannovers Hausfassaden werden bunter

Zunehmend setzen Hauseigentümer beim Anstrich auf starke Farben. Das ist nicht jedermanns Geschmack, doch die Proteste halten sich in Grenzen.

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Intensives Gelb mit starkem Blau: Das Haus in der Minister-Stüve-Straße ist ein Hingucker.

Quelle: Rainer Surrey

Das frisch gestrichene Haus an der Lindener Kreuzung Minister-Stüve-Straße/Jacobstraße ist wirklich sehr gelb. Immer wieder bleiben Passanten stehen und staunen. Seit in der vergangenen Woche das Gerüst abgebaut wurde, sei die Farbgestaltung das Gesprächsthema schlechthin – nicht nur in der Straße, bestätigen Anwohner. „Ja, ich weiß“, sagt Hausbewohner Hans Blech. „Die von gegenüber regen sich ziemlich darüber auf.“ Er selber aber, der seit gut 50 Jahren in dem Haus wohnt, hat eine eindeutige Meinung: „Ich finde es sehr gut“, sagt Blech, „endlich nicht mehr grau in grau.“

Hannover wird farbenfroher. Immer mehr Hauseigentümer nutzen den ohnehin von Zeit zu Zeit fälligen Anstrich ihrer Immobilien, um kräftige Akzente zu setzen. So wie Ulrich Burghardt, einer der beiden Eigentümer des frisch gestrichenen Lindener Hauses. „Ich habe Lust auf Farbe“, sagt er. „Wir würden uns wünschen, wenn die Stadt insgesamt bunter würde.“ Die Farbkombination einer gelben Wischtechnik mit dem starken Blaukontrast hat er gewissermaßen von sich selbst kopiert. „Wir haben vor Jahren ein Hofgebäude in der Lister Meile auf diese Weise anstreichen lassen – und das hat eigentlich allen gefallen.“ Gemeinsam mit Ulrich Merkel besitzt Burghardt etliche Immobilien in der Stadt – und nach und nach sollen alle bunt werden. Das in der Limmerstraße 80 ist hellgrün, das in der Franz-Nause-Straße 14 hellblau: „Jedes Haus bekommt die Farbe, die es braucht“, sagt Burghardt. Für das gelbe Haus hat er noch weitere Pläne: An die Ecke könnte eine rosa blühende Magnolie gepflanzt werden, die Garagentore könnten in starkem Goldton lackiert, die Laibungen in Grünspantönen veredelt werden. Manch ein Nachbar könnte das als Gipfel der Geschmacklosigkeit begreifen. Burghardt sagt trocken: „Ich mag es bunt.“

Auseinandersetzungen um Farbgebung gibt es immer mal wieder. Im Zooviertel hatten Anwohner vor fünf Jahren mit Klagen gedroht, nachdem Architekt Ralf Del Bianco das Gebäude der ehemaligen HNO-Klinik zum Wohnhaus umgebaut und die Fassaden in kräftigem Orange hat streichen lassen. Nach dem ersten Protest schwächten die Eigentümer die Farbe noch mal etwas ab, und inzwischen hat sich die Situation offenbar auch entspannt. „Das ist zur Gewohnheit geworden“, sagte gestern etwa Nachbar Bojan Kvocka. Diskussionen um die Farbe gebe es schon lange nicht mehr.

Juristisch gibt es ohnehin kaum Chancen, gegen Farben vorzugehen, die als zu intensiv empfunden werden. Zwar kennt die Bauordnung ein Verunstaltungsgebot. Das aber greife nur, sagt Stadtsprecher Dennis Dix, wenn etwas so hässlich ist, dass „es unerträglich ist und nicht nur unschön“. Wann das wirklich der Fall sei, müssten aber Gerichte entscheiden.

Und so bleibt die Farbgebung an Hannovers Straßen letztlich Geschmackssache. „Ich hätte statt des Blau lieber rot genommen“, sagt etwa die neunjährige Leona aus dem gelbblauen Haus. Und die Betreiber des neuen Süßwarengeschäfts im Erdgeschoss sehen die Farbdebatte vor allem praktisch: „Die Signalfarbe macht viele Passanten auf unser Geschäft aufmerksam.“

Conrad von Meding

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