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Haus ist seit zwei Jahren eingerüstet

Linden-Mitte Haus ist seit zwei Jahren eingerüstet

Seit nun schon zwei Jahren ist das Haus am Schwarzen Bären Nummer 7 ein unübersehbares Problem. Seinerzeit hatte die Stadt es mit einer großflächigen Plane einrüsten lassen, weil faustgroße Steinbrocken von der Fassade auf den Gehweg gestürzt waren.

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Seit Anfang dieser Woche ist die Plane vorläufig weg – doch das Gerüst wird nicht etwa beseitigt, sondern lediglich durch ein anderes ersetzt.

Quelle: Thomas

Hannover. Inzwischen sind die Gewerbetreibenden im Erdgeschoss mit ihrer Geduld am Ende - ihre Zahlungen an den Vermieter haben sie bereits reduziert. Dieser wiederum droht mit Räumungsklagen. Und am Montag kam nun noch zusätzliche Verwirrung auf: Der Hausbesitzer habe überraschend angekündigt, das Gerüst zu beseitigen, hieß es. Das erwies sich als Fehlinformation: Es wird nur durch ein anderes Gestänge ersetzt.

„Das Gerüst ist geschäftsschädigend“, meint Kadir Elveren, Inhaber der Burgerbar Ohnesorg. „Die Stadt muss endlich dafür sorgen, dass es wegkommt.“ Die Situation ist verfahren. Die Stadtverwaltung, zuständig für die öffentliche Sicherheit, ließ nach dem Steinschlag im März 2013 die Fassade einrüsten, weil der Hausbesitzer nicht erreichbar war. Es sei „Gefahr im Verzug“. Seitdem stellte die Baubehörde dem Eigentümer die Kosten für das Gerüst samt Fangnetzen in Rechnung. Unterdessen sei dieser mehrfach aufgefordert worden, die nötigen Sanierungsmaßnahmen für das denkmalgeschützte Haus umzusetzen, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Zwingen könne man den Privatmann nicht: „Das ist eine komplizierte Rechtslage.“ Das Gerüst solle verhindern, dass erneut Steine aus der Fassade brechen.

Dass es seit zwei Jahren steht, sei „eine Verkettung unglücklicher Umstände“, erklärt Hauseigentümer Günter Greiser auf Anfrage des Stadt-Anzeigers. Die Stadt habe ihn vor vollendete Tatsachen gestellt und einen Gerüstbauer gewählt, der ihm zu teuer sei. Die Kosten seien „aus dem Ruder gelaufen“. Offenbar deshalb will er das Gerüst nun abbauen und von einer Firma neu errichten lassen, die kostengünstiger arbeitet. Der für kommende Woche geplante Ab- und Wiederaufbau gehe auf die Initiative des Eigentümers zurück, bestätigt Demos. An der Sachlage ändere sich nichts: Erst wenn die von den Behörden geforderten Sanierungen ausgeführt worden seien, könne der Schutzaufbau endgültig beseitigt werden. Die Situation vor Ort werde auch künftig regelmäßig kontrolliert.

Ohnesorg-Chef Elveren kritisiert die Stadt. „Die sitzt doch am längeren Hebel“, sagt er. Für den Gastronomen bedeutet das Gerüst hohe wirtschaftliche Verluste. Kurz nachdem er das Lokal im Februar 2013 eröffnet hatte, verschwand der Betrieb hinter der Plane. „Die Kunden wussten gar nicht, dass es uns hier gibt“, klagt Elveren, der auch das beliebte Mio Mio in der Deisterstraße betreibt. „Ohne das Gerüst könnte ich 70 Prozent mehr Umsatz machen. Schon im dritten Jahr kann ich kein richtiges Sommergeschäft anbieten.“ Am liebsten würde er das Ohnesorg aufgeben. „Aber ich muss bleiben, ich habe so viel Geld hier reingesteckt.“

Auch im Inneren des Hauses ist viel im Argen. „Wir hatten schon mehrere Wasserschäden. Der Vermieter zieht sich aus der Verantwortung“, sagt Philip Hoeksma von der Bar Bronco’s. Von Aufgeben ist bei ihm keine Rede. „Das Bronco’s gibt es hier seit elf Jahren, für viele Lindener ist es das zweite Wohnzimmer.“ Trotz des Gerüstes sind die Gäste der kultigen Bar treu geblieben. Auch Hoeksma ist zermürbt von der Situation in dem Haus. Vor allem das undichte Dach macht ihm zu schaffen. Vor zwei Jahren sei das Wasser durch die Hauswand so weit in den Sanitärbereich der Bar eingedrungen, dass eine umfassende Sanierung nötig wurde, berichtet er. Auch im vergangenen Jahr habe es zwei Wasserschäden gegeben. Mittlerweile habe er einen fünfstelligen Betrag investiert, um die Schäden zu beheben. Hinzu komme, dass die Stadtwerke bereits zweimal die Wasserversorgung abgestellt hätten, weil der Hausbesitzer Rechnungen nicht beglichen habe. „Im Januar hatten wir übers Wochenende kein Wasser - eine Katastrophe.“ Stadtwerke-Sprecher Carlo Kallen bestätigt den Fall. „Wenn Zahlungen nicht pünktlich eingehen, haben wir keine andere Wahl“, sagt er.

Die Bewohner der fünf Wohnungen, die noch vermietet sind, scheinen sich indes zum Großteil mit der Situation arrangiert zu haben. Sie verweisen auf die zentrale Lage und die günstigen Mieten von zum Teil nur 3 Euro pro Quadratmeter. Eine Mieterin etwa sieht in dem undichten Dach kein großes Problem: „Wenn es zu stark regnet, stellen wir eben Eimer auf dem Dachboden auf.“

Hoeksma und Elveren haben Anwälte eingeschaltet. Auch der Hauseigentümer droht mit rechtlichen Schritten. Er bereite Räumungsklagen gegen die Gewerbetreibenden vor, die ihre Mietzahlungen gekürzt haben, sagt Greiser. Nach seiner Darstellung haben sich Rückstände im hohen fünfstelligen Bereich angesammelt. Er brauche Geld, um die Sanierung in Angriff nehmen zu können. Für die Reparatur der Gauben im oberen Fassadenbereich habe er jüngst bereits einen Auftrag an eine Baufirma erteilt. Wann die von der Stadt angemahnte Sanierung der Fassade und des Daches beginnen soll, lässt der Eigentümer noch offen.

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