Was macht einen Stadtteil aus? Edda Rabe und Brigitte Hurtzig vom Quartiersmanagement Mühlenberg wollten es genauer wissen. Gemeinsam mit der Stadt und der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) gaben sie ein „Neighbourhood Branding“ für Mühlenberg in Auftrag. Dabei befragten Experten der Beratungsfirma „Holland Branding Group“ über Wochen hinweg Menschen, Vereine und Stadtteilakteure. Im Ergebnis bescheinigten sie dem geplanten Neubau der Integrierten Gesamtschule (IGS) eine wichtige Funktion: Dieser sei eine Chance, dem Stadtteil auf Dauer ein lebendiges Zentrum zu geben. Aber das müsse deutlich bei der Stadt eingefordert werden, sagte Koordinator Frank Bosboom.
„Der IGS-Neubau ist noch kein wirklich gemeinsames Projekt von Schule, Stadt und Bürgerschaft“, sagte Bosboom. „Die Bedeutung des Komplexes für den gesamten Stadtteil ist noch zu wenig berücksichtigt.“ Dabei schlägt das Herz Mühlenbergs eben am Marktplatz und der benachbarten IGS mit ihren sozialen und kulturellen Einrichtungen.
Das Quartiersmanagement hatte für die Untersuchung eine Lenkungsgruppe aus Vereinen, Lokalpolitikern, Stadtverwaltung und Wohnungsgesellschaften zusammengestellt, die mit den Beratern kooperierte. „Ich habe Mühlenberg als sehr offenen Stadtteil empfunden“, sagte Stadtplaner Thomas Göbel-Groß von der Lenkungsgruppe. Nicole Wilke, Leiterin des Familienzentrums St. Maximilian Kolbe, forderte: „Wir wollen, dass es auf dem Mühlenberg weiter viele Bildungsangebote gibt.“ „Ein Zentrum für Mühlenberg ist wichtig“, sagte SPD-Bezirksratsherr Jens Menge. Und der perfekte Ort für ein solches Zentrum mit Bildungs- und Freizeitangeboten sei die IGS. „Das ist der Stadtteilkern, der auch nach dem Umbau so bleiben muss.“
Mühlenberg – das seien im Grunde zwei Stadtteile, befand Bosboom: Einmal gebe es da das bürgerliche Mühlenberg mit einer lebendigen Vereinslandschaft sowie gediegenen Wohnungen und Häusern, wo die Menschen über Jahrzehnte bleiben. Diese zählten zu einer Art Pioniergeneration. „Es gibt sehr viel Stolz auf die Aufbaujahre“, sagte Bosboom. Und dann seien da die Quartiere am Canarisweg, wo soziales Engagement gefragt sei und die Wohnungsmieter häufig wechseln. Zwischen beiden Teilen sollte es mehr Brücken geben, schlug der Berater vor. „Nicht alles ist perfekt. Aber die meisten Menschen fühlen sich wohl und sind ihrem Stadtteil sehr verbunden“, sagte der Experte. Negative Aspekte würden eher von außen auf Mühlenberg projiziert. Die Erkenntnisse der Experten sollen nun in künftige Vorhaben einfließen.
Marcel Schwarzenberger
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