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West Johanneshof feiert Jubiläum
Hannover Aus den Stadtteilen West Johanneshof feiert Jubiläum
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10:15 09.08.2012
Hausleiterin Silke Krüning-Sell und ihr Ehemann Uwe im Garten des Johanneshofs in Wettbergen. Quelle: Link
Wettbergen

Allein zu leben ist unter behinderten Menschen weit verbreitet. Doch der Johanneshof in Wettbergen entwirft seit 20 Jahren ein Gegenmodell. Zurzeit haben 20 Behinderte im Alter von 18 bis 55 Jahren in dem Fachwerkbau ein Zuhause gefunden. Hier leben sie in Gemeinschaft und erhalten Hilfe von Mitbewohnern und Sozialarbeitern, ohne dabei auf eine eigene Wohnung verzichten zu müssen.

„Wenn man allein wohnt, steht man auch mit seinen Problemen allein da“, sagt Mitarbeiter Uwe Sell. Durch gegenseitige Unterstützung können sich die Hausbewohner im Johanneshof dabei helfen, ihr Handicap zu überwinden - egal ob es geistig, seelisch oder körperlich ist. Ziel der Einrichtung sei es, mit möglichst wenig Betreuung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Der Johanneshof ist ein Mehrfamilienhaus mit einem Büro, in dem Sozialarbeiter sind, die den Mietern helfen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen“, beschreibt Sell den Aufbau der Einrichtung. Dass Vermieter und sozialer Dienstleister identisch sind, ist in der Stadt Hannover einzigartig. Zu etwas ganz Besonderem macht den Johanneshof jedoch die offene Atmosphäre. Die 18 Wohneinheiten sind zwar Privatsache, aber in den Gemeinschaftsbereichen gibt es ein reges soziales Miteinander. „Zwanglose Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sind im Johanneshof an der Tagesordnung“, sagt Sell.

Im Sommer ist vor allem der Außenbereich ein beliebter Treffpunkt. Beim wöchentlichen Grillen kommen auf der Terrasse bis zu 40 Menschen zusammen, weshalb sich der Johanneshof zum 20. Geburtstag ein Sonnensegel wünscht. „Wenn bei so vielen Menschen auch noch Sonnenschirme stehen, ist es unmöglich, dort mit dem Rollstuhl durchzukommen“, sagt Hausleiterin Silke Krüning-Sell. Unter anderem soll der Erlös der Jubiläumsfeiern dazu beitragen, den Sonnenschutz zu bezahlen.

Ende Juni wurde der 20. Geburtstag des Johanneshofs zweimal gefeiert: Zum Tag der offenen Tür mit Festgottesdienst kamen rund 400 Besucher auf das Gelände, und zu einem Fest für die Freunde und Unterstützer der Einrichtung waren 85 Gäste eingeladen. Weitere Veranstaltungen sind im Jubiläumsjahr nicht geplant.

Bevor der Johanneshof vor 20 Jahren zu einer sozialen Einrichtung wurde, stand das Gebäude lange Zeit leer. In den späten 1980er Jahren war der denkmalgeschützte Bauernhof aus dem Jahr 1797 schließlich vollkommen verfallen. Der Verein Freundeskreis für Behinderte und Nichtbehinderte aus Wettbergen kam jedoch auf die Idee, die Ruine in eine Einrichtung zur Behindertenbetreuung umzubauen. Dazu fand er mit der Pestalozzi-Stiftung aus Burgwedel und dem Annastift Hannover noch zwei weitere Gesellschafter und gründete die gemeinnützige Gesellschaft „Johanneshof Wettbergen“. 1990 wurde das Gebäude gekauft, ein Jahr später der Grundstein gelegt, und im Juni 1992 zogen die ersten Bewohner in das barrierefreie Fachwerkhaus ein.

2010 wurde das Haus erstmals umgebaut, weil Nachbesserungen beim Brandschutz erforderlich waren. Im vergangenen Jahr baute der Johanneshof eine ehemalige Remise zu zwei weiteren Wohnungen um. Einer der beiden Mieter ist ein Rollstuhlfahrer, der vorher im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in der List gewohnt hat - ohne Aufzug.

Seit seinem Bestehen ist der Johanneshof bei den Behinderten wegen seines Konzepts sehr beliebt. „Es gibt einen großen Andrang auf das Haus. Die Zimmer sind immer voll belegt“, sagt Krüning-Sell, die die Einrichtung seit 20 Jahren leitet. Es gebe noch viele Interessenten, aber mit dem Umbau der Remise ist der Ausbau des Johanneshofs abgeschlossen. Sowohl räumlich als auch personell seien die Grenzen der Belastbarkeit erreicht.

An jedem ersten Dienstag im Monat bietet der Johanneshof ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich über das Haus zu informieren. Dafür ist eine telefonische Voranmeldung unter der Nummer 4340134 erforderlich.

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