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West Jüdische Gemeinde hat Platzprobleme
Hannover Aus den Stadtteilen West Jüdische Gemeinde hat Platzprobleme
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17:45 10.03.2011
In der Synagoge haben Frauen und Männer ihre eigenen Bereiche, die strikt voneinander getrennt sind. Quelle: Link
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Sie ist die einzige Gemeinde dieser Art in Deutschland und hat ihren Sitz in Ricklingen: die Jüdisch-bucharisch-sefardische Religionsgemeinschaft. Zwar gibt es in Deutschland rund 120 000 Juden, doch nur etwa 1200 von ihnen folgen der bucharisch-sefardische Tradition. Fast 300 Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft wohnen in der Stadt und der Region Hannover, und hier haben sie auch die erste deutsche Gemeinde gegründet. Noch hat die Gemeinschaft ihr Gemeindezentrum in der Göttinger Chaussee 43. Dort wird es jedoch allmählich zu eng, so dass sie schon nach einem neuen Standort sucht. Denn die bucharisch-sefardische Gemeinschaft wächst stetig. Seit der Eröffnung des Gemeindezentrums im November 2009 sind fast hundert neue Mitglieder hinzugekommen.

„Die Räume sind ein Provisorium ohne Zukunft“, sagt Gemeindesprecher Michael Krebs. „Ein guter jüdischer Tisch muss immer Platz für Gäste habe – dieser Platz fehlt uns hier.“ Aber nicht nur für den Empfang von Gästen sind die Räume eines ehemaligen asiatischen Restaurants zu klein. Auch für die vielen pädagogischen Angebote der Gemeinde und in der Synagoge fehlt der Platz.

Nur bis zu 30 Besucher können im Gebetsraum Platz nehmen, in dem mehrmals in der Woche Gottesdienste gehalten wird – dreimal allein am heiligen Schabbat, der von Freitagabend bis Sonnabendabend dauert. Nicht alle, die gern wollten, könnten daher an den Gottesdiensten teilnehmen, berichtet Krebs. Für größere Veranstaltungen müsse die Gemeinschaft andere Veranstaltungsräume mieten.

Etwa die Hälfte der Gemeindemitglieder ist jünger als 30 Jahre. Der große Anteil an jungen Leuten erleichtere die Integration, sagt der Gemeindesprecher. Auch knüpften sie leichter Kontakte. „Wir sind eine sehr pragmatische und offene Gemeinde“, betont Krebs. Dennoch seien Traditionen äußerst wichtig, wenn auch einige dem Wandel der Zeit unterlägen. So sei der Zwang, so früh wie möglich zu heiraten, inzwischen aufgegeben worden. Früher habe der Brauch dazu gedient, die Familie bereits in jungen Jahren zu vergrößern. Mit dem allgemein zu erwartenden höheren Lebensalter sei dieser aber überflüssig geworden.

Die religiösen Riten und auch die Sprachen der Vorväter will die Gemeinschaft indes erhalten. Lehrkräfte unterrichten im Gemeindezentrum Hebräisch, Aramäisch, Russisch und Persisch. Aber auch Englisch und Französisch stehen auf dem Lehrplan. „Sprachen sind der Schlüssel zur Welt“, meint Krebs. Dazu gehört für die Gemeinschaft auch Deutsch als Landessprache, denn Bildung und Integration genießen einen hohen Stellenwert unter den Juden. „Wir sind sehr stolz auf die Jugendlichen, die studieren“, betont die Geschäftsführerin der Gemeinde, Roza Boroukhova.

Sie ist gemeinsam mit ihrem Vater, dem Gemeindevorsteher Mikhail Davydov vor 17 Jahren nach Deutschland gekommen. Wie viele andere bucharisch-sefardische Juden haben sie nach dem Zerfall der Sowjetunion Mittelasien verlassen. Die meisten der weltweit rund 350 000 bucharischen Juden emigrierten aus Usbekistan und benachbarten Staaten in die USA und nach Israel. Etwa 200 Familien kamen in die Bundesrepublik, wo sie sich in Düsseldorf, Leipzig, Trier und vor allem in Hannover niederließen. In ganz Zentralasien, wo auch die namensgebende usbekische Stadt Buchara liegt, blieben etwa genauso viele zurück.

Die Gemeinde in Hannover steht in ständigem Kontakt zu anderen bucharischen Juden in der Welt. Gegenseitig informieren sie sich über das Leben in ihrer Gemeinschaft. Aber auch mit ihren Nachbarn in Hannover will die Gemeinde Kontakt halten. Für den kommenden Dienstag, 15. März, haben sie die evangelischen Gemeinden aus Mühlenberg, Ricklingen und Oberricklingen eingeladen. Wer an der Exkursion mit Vortrag über die Geschichte und Tradition der bucharischen Juden teilnehmen möchte, kann sich bei Angelika Walther vom Verein „Begegnung von Christen und Juden“ unter Telefon 1 24 14 93 anmelden. Die Teilnahme kostet 7,50 Euro, ermäßigt fünf Euro.

Christian Link

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