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Jürgen Rynio erzählt aus seinem Leben

Linden-Nord Jürgen Rynio erzählt aus seinem Leben

Der ehemalige Torwart von Hannover 96 berichtet auf Einladung des Kommunalen Seniorenservice im Ihmezentrum über Spiele mit vielen Gegentoren und zahlreiche Abstiege aus der höchsten Spielklasse.

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Bilder eines Fußballerlebens: Jürgen Rynio bei seinem Vortrag im Ihme-Zentrum.

Quelle: Mario Moers

Hannover. Wenn es einen Fußballgott gibt, hat er es nicht gut gemeint mit Jürgen Rynio. „Rekordabsteiger“ nennt sich der 65-jährige Isernhagener selbst: Niemand ist häufiger mit einem Verein aus der ersten Fußball-Bundesliga abgestiegen als der Torwart, der auch bei Hannover 96 spielte. In den Jahren von 1979 bis 1986 war er bei den „Roten“. Dort stand der oft vom Fußballgott Verlassene bei den höchsten Niederlagen der Mannschaft im Tor und kassierte bei dem 0:7 von 96 gegen Stuttgart im Jahr 1986 gleich drei Elfmetertore in einem Spiel. All das hat Rynio aber offenkundig gut verarbeitet: Als Gast der Reihe „Hannover damals – Zeitzeugen erinnern sich“ hat er jetzt auf Einladung des Kommunalen Seniorenservice im Ihme-Zentrum aus seiner Sportlerkarriere erzählt.

„Ich habe an dem Tag gar nicht so schlecht gespielt“, sagt Rynio etwa über ein in die Negativbilanz der Liga eingegangenes Fußballspiel des Jahres 1971. Er hütete damals das Tor der Dortmunder Borussia – und fing sich elf Treffer ein. Es war die dritthöchste Niederlage in der Geschichte der Bundesliga. An solche Tiefschläge musste Rynio sich gewöhnen. Insgesamt stieg er fünfmal aus der höchsten Spielklasse ab – zuletzt als 96-Torwart in der unrühmlichen Saison 1986, in der die „Roten“ Tabellenletzter wurden.

Das „Aufstiegswunder 1985“

Mit Hannover verbindet ihn dennoch ein besonderes Band. Vor allem an das „Aufstiegswunder“ 1985 erinnert er sich gern. Damals gelang 96 nach vielen Jahren Zweitklassigkeit unter Trainer Werner Biskup der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse. „Der hatte es einfach drauf, die Mannschaft zu motivieren“, erinnert sich Rynio. Zu 96 geht er heute nur noch selten, etwa wenn Klubchef Martin Kind zum jährlichen Ehemaligentreffen einlädt.

Aufgewachsen ist Rynio in einfachen Nachkriegsverhältnissen als Sohn eines Gelsenkirchener Bergmanns. Als Kind hatte er sich bereits Fußbälle aus Wolle und Blechdosen gebastelt. In den sechziger Jahren galt er im Ruhrgebiet als großes Torwarttalent, 1969 wäre seine Karriere beinahe durch einen Auftritt in der Nationalmannschaft gekrönt worden. „Los, lass den rein. Es steht doch schon 10:0“, soll Stürmer Helmut Haller zu Bundestrainer Helmut Schön gesagt haben beim 12:0-Sieg über Zypern. Aber wie so oft in seinem Fußballerleben hatte Rynio Pech. Schön ließ ihn auf der Bank sitzen.

Erinnerungen an alte Zeiten

Ende der achtziger Jahre war für ihn Schluss mit der Fußballkarriere. Heute betreibt Rynio in Bergen ein Wohn- und Pflegeheim für Senioren und Menschen mit Behinderung. In seinem Büro soll ihn heute nur noch wenig an die alte Zeit erinnern. Ab und zu kitzelt es Rynio aber noch: „Wenn ich Langeweile habe, dann gucke ich im Internet die alten Spiele“, sagt er.

Bis Weihnachten will der frühere Torwart nun auch seine lange angekündigte Autobiografie fertiggestellt haben. Geschichten hat der Rekordabsteiger jedenfalls genügend auf Lager. In der Biografie wird etwa zu lesen sein, wie er plötzlich zum Trainer wurde, weil Biskup sich in der Halbzeit im Stadion verlaufen hatte. Auch von einer feucht-fröhlichen Begegnung mit Sänger Udo Jürgens will Rynio erzählen – oder davon, dass er einst mit Dete Kuhlmann, dem Mitschöpfer der Stadionhymne „Alte Liebe“, ein 96-Lied auf Schallplatte aufgenommen hat, sie aber nirgends mehr finden kann.

Mario Moers

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