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West Junger Torwart will hoch hinaus
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10:11 19.07.2012
Von Rüdiger Meise
Große Sprünge: Marcelo will als Torwart hoch hinaus – und sagt heute schon Sätze wie Oliver Kahn. Quelle: Privat
Wettbergen

In zwei Jahren will er dabei sein. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien will Marcelo Salinas Paulino im Kader der chilenischen Nationalmannschaft stehen. Wie unzählige andere Talente auf diesem Planeten hat der Junge aus Wettbergen diesen Traum: Profifußball, Nationalmannschaft, WM, das große Geld. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem 17-jährigen Torwart aus Wettbergen und vielen anderen: Marcelo hat die Chance, Fußball-Profi zu werden.

Der bisherige U-17-Torwart des VfL Wolfsburg ist jüngst gemeinsam mit seinem Vater nach Santiago de Chile geflogen. Dort wird er in den kommenden Jahren versuchen, den Kasten des größten chilenischen Fußballclubs „CSD Colo-Colo“ sauber zu halten. „Die Entwicklungschancen für Marcelo sind in Chile besser als in Deutschland“, sagt Vater Juan. Dort spielt er bereits im Tor der U-20-Nationalmannschaft und trainiert mit dem A-Nationalteam - undenkbar in Deutschland. Aber nicht in Chile.

„Der Trainer hat mir gesagt, dass er mich in den kommenden zwei Jahren an die A-Mannschaft heranführen will“, sagt Marcelo. Nationaltrainer Claudio Borghi hält offenbar große Stücke auf ihn. Er lässt den Wettberger auch schon mal für die beiden Torwarte des A-Kaders vorführen, wie man eine Übung richtig macht. Und in der Qualifikation für die WM 2014 führt Chile zurzeit die Südamerika-Gruppe an - es sieht momentan ganz gut aus für Marcelo.

Seine Leistungen, sein Esprit, sein Erfolg und seine Perspektiven haben den 1,90 Meter großen Lockenkopf mit dem geschmeidigen Gang in Chile schon zu einer kleinen Berühmtheit gemacht. Nachdem er kürzlich zwei Monate mit dem Team von Colo-Colo und den chilenischen Nationalteams verbracht hatte, musste er seinen Facebook-Account im Internet löschen - so viele Freunde hatte er auf einmal. Und Freundinnen. „Models“ nennt Vater Juan die chilenischen Mädchen, die hoffen, sich mit ihrer Schönheit einen Fußballprofi angeln zu können. Sein Sohn lässt sich davon offenbar nicht beeindrucken. Klar hat er seit Jahren durchgängig Freundinnen. „Es ist wichtig, dass er nicht immer nur an Fußball denkt“, sagt Vater Juan. Aber Marcelo verlasse keine große Liebe in Wettbergen.

Marcelo ist - wie Olli Kahn sagen würde - „total fokussiert“ auf seine Profi-Karriere. „Tiefenentspannt“ - wie Jogi Löw sagen würde - sitzt er im Vereinsheim der TuS Wettbergen und gibt kurz vor seiner Abreise so etwas wie eine Mini-Pressekonferenz. Der Vorstand der TUS ist fast vollzählig erschienen, Vereinschef Gerd Hagemann ist mächtig stolz und sagt Sätze wie: „Marcelos Weg führt von Wettbergen aus in die Welt.“ Der Star des Tages lächelt selbstbewusst und wirkt dennoch „bescheiden geblieben“ - wie Oliver Bierhoff sagen würde.

Der 17-Jährige hat die Gesetze des Fußballgeschäfts verstanden und sich ihnen unterworfen. „Die Möglichkeiten sind groß, aber man muss bereit sein, vieles aufzugeben“, sagt er. Freundschaften zu pflegen sei schwer, feiern und ausgehen, wie seine Altersgenossen es tun, sei kaum möglich. Schließlich fuhr Marcelo jahrelang täglich nach der Schule zum Training nach Wolfsburg, erst abends um halb zehn kam er dazu, seine Hausaufgaben zu erledigen. Als die Belastung zu groß wurde, entschied Vater Juan, dass sein Sohn vom Gymnasium auf die KGS Hemmingen wechselt. Dort machte er jetzt seinen Realschulabschluss.

Außer Deutsch spricht Marcelo fließend Chilenisch und Spanisch, und sein neuer Verein in Santiago besteht auf einem Englischkursus. „Damit ich auch in die englische Liga verkauft werden kann“, erklärt der Junge. Je mehr Qualifikationen ein Spieler hat, desto höher ist sein Preis. „Schließlich bin ich das Kapital meines neuen Vereins.“

Zu seinem alten Verein - der TUS Wettbergen - war Marcelo im Jahr 2004 gekommen. Damals wechselte er von der Hannover-96-Jugend zur TuS, um Spielpraxis zu bekommen. „Bei 96 gewannen wir immer 16:0, und ich bekam als Torwart nie etwas zu tun“, sagt er. Aber Spielpraxis sei gerade für Jugendliche das Allerwichtigste. „Können allein genügt nicht, du musst es auch im Spiel anwenden können, unter Druck“, sagt Marcelo. Auch so ein Satz, der von Oliver Kahn stammen könnte.

Im Jahr 2008 wurden die Fußballschuhe, die Wettbergen anbieten konnte, doch ein bisschen zu klein für das Torwarttalent. Zu diesem Zeitpunkt hatte Marcelo bereits fünf „Bundesligacamps“ für Torwarte gewonnen und an Jugendakademien von FC Porto, Benfica und Sporting Lissabon teilgenommen. Jetzt wechselte er nach Wolfsburg. „Aber ich werde der TuS immer dankbar sein für die Ausbildung und die Förderung“, sagt er artig. „Ebenso wie Deutschland“, ergänzt Vater Juan. „Denn die deutsche Mentalität, Disziplin und Zielstrebigkeit ist unschätzbar viel Wert.“ Der Vater, ein Schmuckverkäufer mit chilenischen Wurzeln, denkt ebenfalls längst in internationalen Dimensionen.

Vater Juan ist überzeugt, dass Colo-Colo, „das südamerikanische Bayern München“, wie er sagt, der richtige Verein für seinen Sohn ist. „Dort spielt Marcelo in der Profiliga und trainiert mit dem A-Nationalteam.“ Außerdem habe die südamerikanische Torwartschule Zukunft. „Das Mitspielen des Keepers, wie es zurzeit in Europa gefordert wird, ist in Südamerika seit Langem eine Selbstverständlichkeit“, erklärt Vater Juan. „Denken Sie an René Higuita“. Na gut. Da denken wir vor allem an die Szene, in der der exzentrische kolumbianische Nationaltorwart bei der WM 1990 ein Dribbling gegen Kameruns Roger Milla verlor und das Ausscheiden seines Teams besiegelte. Jetzt denken wir lieber an Marcelo.

Die Pläne des 17-Jährigen sehen so aus: Bei Colo-Colo in Chile will er sich durchsetzen, und dann möglichst schnell nach Spanien wechseln. Der CF Villarreal hat sich eine Kaufoption auf ihn gesichert. „Das ist normal“, sagt Marcelo. Seine Mitspieler im chilenischen U-20-Nationalteam tragen ähnliche Optionen von Manchester United oder Chelsea mit sich herum.

Im kommenden Jahr stehen die Südamerikameisterschaft und die Weltmeisterschaft der U-20-Teams an und 2014 die WM in Brasilien. Nationalkeeper mit 19 Jahren? „Vielleicht darf ich als dritter Torwart mit“, meint Marcelo.

Vater Juan wird dafür sorgen, dass er seine Ziele nicht aus den Augen verliert - trotz der Schönheit der chilenischen „Models“. Beide wohnen zurzeit in Santiago bei der Großmutter, bald will Juan eine Wohnung für sich und seinen Sohn mieten. „In der Nähe des Stadions.“

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