Ob der als lebenslustig bekannte Dichterfürst beim Straßenfest in der Goethestraße selbst auch Lose verkauft hätte, darf bezweifelt werden. Losverkäufer Wulf Karsten Plath, der am Sonnabend in das Kostüm des Literaten schlüpfte, ist sich aber sicher, dass Johann Wolfgang von Goethe die von den Kaufleuten der Straße organisierte Veranstaltung gefallen hätte. „Ein kulturelles Fest, das Menschen aus vielen Nationen zusammenbringt – dafür hätte er sich doch bestimmt eingesetzt“, sagte der als Goethe-Darsteller engagierte Langenhagener.
Zum ersten Mal überhaupt hatten die Geschäftstreibenden in der Goethestraße zu einem Fest geladen, das auf einer Fahrbahnseite zwischen Goethekreisel und Leibnizufer gefeiert wurde. Bis zum Abend blieb die Straße deshalb am Sonnabend stadtauswärts gesperrt. Hintergrund ist eine Initiative der Stadt Hannover, die die aus mehr als 14 verschiedenen Nationen, zumeist aus muslimischen Ländern stammenden Kaufleute motivieren soll, ihre Straße gemeinschaftlich voranzubringen. Namenspatron Goethe, auf dessen 261. Geburtstag die Veranstaltung gelegt war, soll dabei auch Symbolfigur sein. Der Dichter hatte sich zu seinen Lebzeiten sehr für das Zusammenkommen von Orient und Okzident interessiert, die Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ ist eine der umfangreichsten seines Schaffens.
Mit einem Kinder- und Bühnenprogramm, einem Basketballturnier mit Spielern der UBC Tigers und internationalen Ständen verlief der Nachmittag entsprechend bunt. Die Geschäftsinhaber Taner Yetim und Fahri Oezmen, die zusammen mit dem von der Stadt zur Förderung der Straße beauftragten Verein IntEx maßgeblich an der Organisation des Festes beteiligt waren, zeigten sich zufrieden. „Das ist ein sehr wichtiger Schritt für uns. Wir wollen, dass die Hannoveraner sehen, welches Potenzial in der Straße steckt“, sagte Unternehmensberater Yetim. Das Fest soll im kommenden Jahr wiederholt werden. Goethe würde sich freuen.