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West Auf den Geschmack gekommen
Hannover Aus den Stadtteilen West Auf den Geschmack gekommen
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02:15 12.01.2015
Nach dem Kochen wird das Ergebnis gemeinsam verspeist.
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Hannover

Linden-Mitte. Die weiße Tür am Ende eines nur schwach beleuchteten Ganges ist so unscheinbar wie das kleine Schild mit der Aufschrift „Ma petite Cuisine“. Eine zierliche junge Frau mit langen dunklen Haaren öffnet. „Willkommen“, sagt Saoussen Ben Ameur Villain mit einem gewinnenden Lächeln und weist in den dahinter liegenden Raum. Der Anblick überrascht: Loftartig hoch, mit großen Industrielampen und beherrscht von einem langen Eichentisch wirkt der Raum im Gründerzentrum an der Davenstedter Straße einladend und zum Essen und Feiern wie gemacht.

„Ich habe diesen Raum gesehen und dachte, das ist genau das Richtige“, erzählt die Tunesierin, die sich hier kürzlich mit ihrer Kochschule „Ma petite Cuisine“ selbstständig gemacht hat. Von „klein“ kann auch im Küchenbereich allerdings nicht die Rede sein. Auf der großen Kochinsel wird geschnippelt, gerührt, geknetet und gewürzt; ein Induktionsherd wartet darauf, die vorbereiteten Speisen zu braten oder zu backen. Die Kochinsel mit der mächtigen Steinplatte und den dreieinhalb Meter langen Tisch hat ein Tischler nach den Vorstellungen der 32-Jährigen angefertigt.

„Kochen ist meine große Leidenschaft“, bekennt die Verfahrenstechnikerin. Im südfranzösischen Montpellier hat sie einen Doktortitel erworben. Dort lernte sie auch ihren deutschen Mann kennen, mit dem sie vor drei Jahren nach Hannover zog. „Hier habe ich erst mal Deutsch gelernt und in Restaurants gejobbt“, berichtet sie. In Frankreich hatte sie oft Gäste in ihrer Studentenwohnung. „Bei mir gab es immer gutes Essen“, sagt Saoussen Villain. „Ich habe all mein Geld in Restaurants gelassen und dann versucht, die Gerichte zu Hause nachzukochen.“ Überall in Montpellier gebe es kleine Restaurants, in denen der Chef auch an den Tisch kommt und sich um seine Gäste kümmert. Das habe ihr immer gefallen.

Inzwischen ist auch ihr Gast für diesen Abend eingetrudelt. Rachel Morton möchte lernen, wie ihr Lieblingsaufstrich Hummus hergestellt wird. „Die Kichererbsen habe ich schon vorbereitet, sonst würde das jetzt zu lange dauern“, sagt Saoussen Villain und zeigt auf einen Topf, der auf dem Herd steht. Hummus ist eine syrische Spezialität, die vor allem im arabischen Raum weit verbreitet ist. Mit dem halben Kilo Kichererbsen wurden fünf Zehen Knoblauch und einige Lorbeerblätter gleich mitgekocht. „Jetzt kannst du das pürieren“, weist Saoussen Villain ihren Gast an. Hinzu kommen Salz, Zitronensaft, Sesampaste und Olivenöl. Die Menge kann variieren, je nachdem wie fest der Kichererbsenbrei werden soll. „Ich mag ihn am liebsten, wie heißt das - sämig?“, erläutert die Köchin und lacht. „Mein Deutsch ist noch nicht perfekt, aber ich lerne ganz viel von meinen Gästen.“

Die Liebe zum Kochen habe sie von ihrer Mutter, sagt die Jungunternehmerin: „Wir haben oft zusammen gekocht.“ Hummus herzustellen ist nur eine kleine Fingerübung für Saoussen Villain, der sie sich aber mit genauso viel Hingabe widmet wie der Vorbereitung eines großen Menüs mit vielen Hobbyköchen. Bei einer Feier mit zehn Personen zum Beispiel haben die Gäste das tunesische Brot selbst gebacken und beim Hauptgericht des Fünf-Gänge-Menüs zusammengearbeitet - einem mit Orangen, Knoblauch, Lorbeeren und Zimtstangen gefüllten Biohähnchen. Dazu gab es Kartoffelpüree, knackige Möhren und frittierten Kürbis. Für die Vegetarier waren mit Ziegenkäse und Mascarpone gefüllte Ravioli sowie grünes und rotes Pesto im Angebot. Zum Nachtisch hatte Saoussen Villain drei französische Desserts zur Auswahl, darunter karamellisierte Küchlein, „Cannelés Bordelais“.

„Meine Gäste können sich aussuchen, wie viel sie selbst kochen wollen, das besprechen wir vorher. Oft ist es so, dass sie am Anfang mithelfen, bei der Vorspeise oder auch beim Hauptgericht, dann aber gerne sitzen und feiern möchten“, erzählt die quirlige Tunesierin. „Dann mache ich alleine weiter.“ Praktisch, dass sich der Essbereich von „Ma petite Cuisine“ dort befindet, wo ein Weinhandel seine Vorräte lagert; so hat sie stets den richtigen Tropfen parat.

Für die Vorbereitungen benötigt sie oft mehr als einen Tag. „Ich kaufe nicht nur ein und bereite die Gerichte vor, sondern mache auch ein Rezeptbuch mit Menükarte für jede Veranstaltung“, erklärt sie. Für ihre Kreationen fährt Saoussen Villain quer durch die Stadt. Und am Sonnabend ist sie häufig ganz in der Nähe ihrer Kochschule anzutreffen: „Am liebsten kaufe ich auf dem Lindener Markt ein“, verrät sie. „Da gibt es eine tolle Auswahl.“

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