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Davenstedt

Künstlerin gestaltet Trauerarbeit mit Angehörigen

Von Susanna Bauch

Künstlerin Regine Schulze gestaltet die Trauerarbeit gemeinsam mit Angehörigen von Verstorbenen – beim gemeinsamen Bemalen von Särgen oder Urnen. Ihr Anliegen ist es, die Zeit zwischen Tod und Bestattung ganz persönlich zu begleiten.
Loslassen: Die letzte Hülle kann ganz persönlich gestaltet werden.

Loslassen: Die letzte Hülle kann ganz persönlich gestaltet werden.

Das schöpferische Tun stärkt den ganzen Menschen. Das ist ein Motto von Künstlerin Regine Schulze, ein Motto, das sie mit Angehörigen von Verstorbenen umsetzt – beim gemeinsamen Bemalen von Särgen oder Urnen, in ihrem Atelier oder direkt beim Bestatter. Ihr Anliegen ist es, die Zeit zwischen Tod und Bestattung ganz persönlich zu begleiten. „Jeder Sarg, jede Urne ist ein Unikat, so wie Menschen einzigartig sind”, sagt die Künstlerin aus Davenstedt.

Ihre künstlerische Affinität zum Thema Sterben und Tod hat Schulze während ihrer ehrenamtlichen Arbeit im ambulanten Palliativdienst entdeckt. „Sterbehilfe und Begleitung sind enorm wichtig”, betont die 47-Jährige. Seit etlichen Jahren engagiert sie sich daher auch als Künstlerische Therapeutin im Klinikum Hildesheim in der Schmerzklinik. „Ich arbeite sehr gerne mit Angehörigen und Patienten. Diese Phase des Lebens birgt sehr viel Authentizität, da versteckt sich keiner mehr.”

Seit 1999 gibt es ihr Atelier Malort in Davenstedt. Zunächst hat sie ein Jahr in Linden-Nord künstlerisch gearbeitet, dann ist sie mit ihrem Mann und den drei Söhnen an den Geveker Kamp gezogen. Ihr kleines Atelier grenzt direkt an einen wunderschönen, üppig bewachsenen Garten, ein Ort zum Träumen. Mit der Kunst am Sarg aber ist Regine Schulze erst 2006 in Kontakt gekommen. Zum „Tag des Friedhofs” kam die Anfrage eines Bestatters, ob sie sich vorstellen könne, auch die letzte Ruhestätte Verstorbener zu gestalten. Sie konnte.

„Der Sarg ist die letzte Hülle des Menschen. Die muss individuell auch passen.” Über Bestattungsunternehmen bekommt sie seitdem ihre Aufträge, sie trifft sich mit Angehörigen und leistet Trauerarbeit mit Pinsel und Farbe. „Als ich meine erste Urne bemalt haben, hat die Tochter der Toten dabei zugesehen und gesagt, sie habe erst jetzt richtig Abstand zum Geschehen bekommen”, erzählt Schulze. Das sei ein großes Kompliment gewesen.

In einem anderen Fall hat sie einen Sarg himmelblau lasiert und zwei Enkelkinder hätten ihn dann gemeinsam mit der Mutter individuell gestaltet. „Zwischendurch haben die Kleinen dann im Garten gespielt, das war eine wunderschöne Atmosphäre.“ Und ein Gastwirt habe sich für seine Frau maritime Motive gewünscht, erzählt die Künstlerin. „Die beiden haben immer gemeinsamen ihren Urlaub am Meer verbracht, das sollte in ihrer letzten Ruhestätte verewigt werden.“

Immer öfter würden die Hinterbliebenen auch selbst Hand anlegen wollen an Särge oder Urnen. „Das ist dann oft wie eine Befreiung, eine besondere Art der Trauerarbeit”, sagt Schulze. Und zwar eine, die in einem zeitlich eng gesteckten Rahmen geleistet werden muss. „Denn mehr als ein paar Tage bleiben in der Regel nicht für den ganz persönlich gestalteten Sarg”, betont Regine Schulze.

Die 47-Jährige möchte aber auch die Räume mitkreieren, sowohl die, in denen gemalt wird als auch die der Trauerfeier. „Eine heilsame Atmosphäre ist ungemein wichtig dafür, das Werden, Sein und Vergehen wirklich zu begreifen.” Ihre Arbeit ist übrigens unabhängig davon, ob eine See-, Feuer- oder Erdbestattung geplant ist. Und die Kosten werden jeweils im Voraus persönlich abgesprochen. Regine Schulze ist unter Telefon (0511) 48 18 668 zu erreichen, weitere Informationen gibt es unter www.malort.de.

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