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Räuber und Gendarm 2.0

Linden-Mitte Räuber und Gendarm 2.0

In einer alten Fabrikhalle an der Davenstedter Straße treten Jugendliche mit Laserpistolen gegeneinander an - zum Spaß. Das Mindestalter der Teilnehmer ist zwölf Jahre, auch Schulklassen mit ihren Lehrern tummeln sich im Lasertag-Parcours.

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In einer alten Fabrikhalle an der Davenstedter Straße treten Jugendliche mit Laserpistolen gegeneinander an - zum Spaß

Quelle: Mario Moers

Linden-Mitte. Das alte Fabrikgelände an der Davenstedter Straße wirkt ein wenig duster. Der große, marode Parkplatz vor dem Backsteinbau könnte als Filmkulisse für einen Krimi oder Actionfilm dienen. Tatsächlich befand sich bis vor einigen Monaten noch ein Boxstudio in dem Gebäude. Als die Halle dann leer stand, gab es dort manchmal Partys und Kunstausstellungen im besonderen Ambiente. Doch seit Juni ist das zweite Stockwerk zum beliebten Treffpunkt für Kinder, Jugendliche, Studenten und Funsport-Freunde geworden: Täglich treten hier bis zu 200 Besucher in einer Lasertag-Spielhalle gegeneinander an.

Lasertag gibt es in den USA bereits seit den achtziger Jahren. Bei dem Spiel „schießen“ die Teilnehmer mit pistolenähnlichen Infrarotsignalgebern aufeinander. Die „Munition“ besteht jedoch nur aus Licht - man zielt auf Sensoren, die an speziellen Westen der Spieler befestigt sind. Hierzulande war Lasertag bisher kaum bekannt, doch durch die US-Erfolgsserie „How I met your mother“ kam der Funsport auch nach Deutschland. In der Sitcom duelliert sich der erwachsene Hauptdarsteller Barney Stinson in mehreren Episoden beim Lasertag mit Kindern.

An diesem Nachmittag wuseln vor allem Schülergruppen aufgeregt in der Halle in Linden umher. Mit 7 Euro pro Spiel ist Lasertag ein erschwinglicher Freizeitspaß. Wer nicht reserviert hat, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Das Spielprinzip ist einfach: Zwei Teams treten in der 420 Quadratmeter großen Halle gegeneinander an. Sie tragen Westen mit grün oder rot leuchtenden Lichtsensoren. Diese Sensoren visieren die Spieler mit einem Lichtsignalgeber an. Phaser, wie die Geräte in Anlehnung an die Energiewaffen vom Raumschiff Enterprise genannt werden, und Weste sind drahtlos mit einem Computer verbunden. Der Rechner zählt die Treffer. Beide Teams starten in verschiedenen Ecken. Hinter Stellwänden aus Holz können sie sich verstecken oder auf die Lauer legen.

Lasertag boomt

An diesem Tag tritt eine Gruppe Gymnasiasten vom Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium gegen Freunde von einem Lehrter Gymnasium an. Alle Teilnehmer sind zwischen 14 und 16 Jahre alt - das Mindestalter für Lasertag liegt bei zwölf Jahren. „Wir haben davon gehört, weil die Parallelklasse mit ihrem Lehrer hier war“, berichtet Schülerin Marnie. „Die haben gesagt, das ist voll cool“, ergänzt ihr Kumpel Kaan. Dann geht es auch schon los. Schwarzlicht in der Halle lässt die Lichtstrahlen sichtbar werden. Die Ränder der Stellwände fluoreszieren rot im Speziallicht - damit die Spieler nicht ständig gegen die Wände laufen. Rote und grüne Punkte huschen durch die Arena, Lichtstrahlen zucken umher. Wer unbedacht aus der Deckung hervorlugt, wird schnell getroffen. Ein Vibrieren des Phasers zeigt das an. Für fünf Sekunden wird das Gerät danach automatisch außer Betrieb genommen. Der erfolgreiche Schütze bekommt Punkte gutgeschrieben. Den Schülern macht das Spiel sichtlich Spaß - auch wenn sie am Ende, nach 20 Minuten, klitschnass geschwitzt sind.

Lasertag boomt. Die „Arena“ genannte Halle in Hannover ist bereits der 13. Standort, den die Frankfurter LaserTag GmbH in den vergangenen drei Jahren eröffnet hat. Alle drei Monate, so der Geschäftsplan, soll eine neue Halle hinzukommen. Dabei ist das Spiel durchaus umstritten, weil es auf den ersten Blick an Paintball oder Airsoft erinnert, bei denen Spieler mit Gelatine- oder Plastikkugeln beschossen werden. Lasertag wirkt dagegen eher harmlos. Trotzdem beobachtet das Jugendamt Hannover den Trend aufmerksam. „Es wird auf Menschen geschossen, das sollten vor allem Eltern berücksichtigen“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Die Jugendschützer in Hannover raten Eltern und Lehrern, das Mindestalter von zwölf Jahren einzuhalten.

Gesundheitlich ist das Spiel nach Angaben des Veranstalters unbedenklich. „Es gibt absolut keine Risiken“, versichert Gerrit Tillner, Geschäftsführer der Arena in Linden. Der Laser der Stufe 1 sei getestet und zugelassen; es bestehe keine Gefahr für die Augen. Markiert werde mit Infrarotlicht, das dem einer Fernbedienung vergleichbar sei. Der Nebel in der Halle kommt aus einer Nebelmaschine, wie es sie auch in Diskotheken gibt, und basiert auf Wasser. Das Bauamt überprüft regelmäßig die Sicherheitsvorkehrungen in dem Hallengebäude, das früher als Fitnessstudio genutzt wurde. „Wir befinden uns mit dem Betreiber im Gespräch“, sagt Kalmus.

Niemandem werde körperlich wehgetan

In mehreren Städten sind die Jugendbehörden dazu übergegangen, die Lasertag-Hallen selbst zu besuchen, um sich ein Bild von dem Spiel zu machen und Empfehlungen zu erarbeiten. In Frankfurt bot das dortige Amt einen Workshop für Pädagogen an. „Lasertag - ein ‚Funsport’ zum Totschießen pädagogisch betrachtet“, lautete der Titel, der ausdrückt, dass die Jugendschützer sich offenbar noch keine eindeutige Bewertung zu eigen gemacht haben.

Geschäftsführer Tillner betont den spielerischen Aspekt: „Wir bezeichnen es als Räuber und Gendarm Spiel 2.0“, sagt er. Es gehört zur Firmenphilosophie - und zur PR-Strategie -, Anlehnungen an kriegerische Handlungen und Szenarien zu vermeiden. „Wir lassen niemanden spielen, der in Tarnkleidung kommt“, versichert Tillner. Er spricht auch nicht davon, dass die Phaser „schießen“, sie würden nur „markieren“. Die pädagogische Unbedenklichkeit sei durch ein Gutachten bestätigt worden. Dieses hat die Firma allerdings selbst in Auftrag gegeben. Das Spielprinzip fördere das Teamplay - meinen zumindest die Veranstalter. Weil die Spieler im Dunkeln schwer zu identifizieren seien, würden Aggressionen gegen Einzelne vermieden. Und weil man nicht ausscheiden könne, bestehe kein Anlass, sich als Verlierer zu fühlen. Niemandem werde körperlich wehgetan, sagt Tillner. Er selbst komme aus der alternativen Lindener Szene: „Ich bin ganz klar Pazifist.“

Die Lasertag-Arena, Davenstedter Straße 123, erreicht man gut mit der Stadtbahnlinie 9, Haltestelle „Lindener Hafen“. Geöffnet ist täglich von 10 bis 24 Uhr. Um Anmeldung unter Telefon 33 09 00 88. wird gebeten.

Mario Moers

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