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Limmerstraße fehlt der Branchenmix

Linden-Nord Limmerstraße fehlt der Branchenmix

Auf der Einkaufsmeile in Linden-Nord machen sich zunehmend Leerstand und Billigläden breit. Viele Anlieger bemängeln außerdem den Zustand der Geschäfte und Häuser.

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Trotz vieler Probleme ist die Limmerstraße nach wie vor Nahversorger der Anlieger - eine Bummelmeile für Fußgänger ist sie jedoch immer weniger.

Quelle: Kunte

Der Fliederbusch wuchert üppig über den Zaun an der Ecke von Stärke- und Limmerstraße. Und er duftet. Eine alte Dame mit Einkaufstrolley bleibt stehen und genießt den süßen Hauch von Frühling. „Einfach schön”, seufzt sie. „Viel Schönes hat die Ecke hier ja sonst nicht mehr zu bieten.” Mit der Limmerstraße, fügt sie erklärend hinzu, gehe es bergab. Mit dieser Einschätzung ist sie offenbar nicht allein. „Ich arbeite seit 20 Jahren in der Gegend”, sagt Praxishelferin Manuela Klinge. „Aber seit geraumer Zeit kann man hier weder ordentlich einkaufen noch bummeln oder zu Mittag essen.” Malte Lautenbach vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen, das seit mehr als 30 Jahren in der wichtigsten Straße von Linden-Nord ansässig ist, stört sich vor allem an den vielen Billigläden, die in jüngster Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen: „Überall sieht man Ein-Euro-Läden.“ Auch die hätten ja ihre Berechtigung, aber es seien zu viele und „sie sehen auch nach außen hin einfach ramschig aus”.

Spaziert man vom Küchengarten Richtung Freizeitheim, wird deutlich, dass die Limmerstraße derzeit wenig mit einer Flaniermeile gemein hat. Ein paar ansprechende Szenecafés haben hier zwar eröffnet, dafür ist der Branchenmix im Einzelhandel aber recht einseitig. In den früheren Räumen von „Radgeber” und „Betten Schwab” stehen zwei frisch renovierte große Geschäfte leer, sie sind umringt von Ein-Euro-Läden, Imbissstuben, Telefonanbietern und Bäckereien mit englischen Namen und „To-Go-Produkten“. „Der ständige Wechsel der Läden macht der Straße zu schaffen”, sagt Malte Lautenbach. Nach ein paar Monaten zögen die meisten Händler bereits wieder aus.

Seine langjährige Mitarbeiterin Brigitte Wiechmann stört vor allem, dass die Häuser so ungepflegt aussehen: „Es scheint so, als kümmere sich niemand mehr um das Gemeinschaftseigentum, entsprechend sehen Fassaden und Treppenaufgänge aus.” So ist es auch beim ehemaligen Fahrradhändler Aschmann: Die Eigentümer sind verstorben, zwei Dreiräder stehen noch hinter den verschmutzten Scheiben, und das Haus verfällt.

„Es ist schon sehr traurig, wie sich die Straße entwickelt hat”, meint auch eine langjährige Mitarbeiterin von Becker und Flöge. Das Brillenfachgeschäft ist seit 1974 an der Limmerstraße beheimatet und setzt auf seine Stammkunden. „Arcor ist weg, die Boutique Mira Michi ist einem Outlet gewichen und auch der Geschirrladen ist verschwunden“, bedauert die Optikerin. Natürlich sei die Szene in Linden anders als in anderen Stadtteilen, hier müsse nicht alles picobello sein, aber die Entwicklung gebe ihr zu denken. „Vor allem die Verkehrsberuhigung bringt eher Nachteile”, sagt die Angestellte. Bahnen und Busse würden mindestens 40 Stundenkilometer schnell fahren, die Hinweisschilder für die Fußgängerzone seien vielfach verblichen, und auch die Autofahrer nähmen keinerlei Rücksicht. Ihr Urteil: „Das ist eine halbe Sache, mit der niemandem gedient ist.”

Damit spricht sie Harm Baxmann vom Verein Aktion Limmerstraße aus dem Herzen. Für ihn ist der Strukturwandel ein schleichender Prozess, der bereits mit dem Umbau der Straße zu einer „Art Fußgängerzone” vor rund zehn Jahren begonnen hat. Doch insgesamt sieht er die Lage nicht ganz so schwarz: „Die Emotionen hier in Linden kochen schnell hoch, aber dass die Straße wirklich so heruntergekommen ist, sehe ich nicht.” Leider gebe es für die Limmerstraße kein Center-Management, was bedeute, dass „die Händler machen, was sie wollen”. Aber auch Baxmann macht eine „bedenkliche Veränderung beim Branchenmix” aus: „Imbisse, Billigläden, Telefonshops und Bäcker – das reicht nicht.” Vieles sei derzeit ein bisschen lieblos auf der Limmerstraße, und alle würden darunter leiden. „Und am Sonntag ist hier nichts mehr los, das war früher anders”, ergänzt Baxmann.

Früher, das war vor der Umgestaltung. „So lange hier die Bahn überirdisch fährt, klappt das nicht mit der Fußgängerzone”, meint Baxmann. Auf dem Engelbosteler Damm sei das besser gelöst, „keine Gleise, breite Fußwege und schmale Straßen mit ausreichend Parkmöglichkeiten”. Dort hätten sich auch nicht wie auf der Limmerstraße die Fachgeschäfte verabschiedet, vielmehr sei mit neuen Läden neues Leben in die Nordstadt gezogen.

Baxmann ist aber dennoch zuversichtlich, dass sich die Lindener Einkaufsmeile wieder erholen wird: „Sie ist der Nahversorger der Anlieger, und das wird sie auch bleiben.” Ein Modell wie auf der Deisterstraße, wo Vermieter dem Ladenleerstand mit Gratis-Mietangeboten für Künstler und Designer begegnet sind, fürchtet er nicht. Schließlich gebe es mit kleinen, feinen Geschäften wie „Riva” , „Pfausch und Küppers” oder dem „Kaufhaus Feinbein” auch Ausnahmen. Und der Zusammenschluss der Aktion Limmerstraße mit den Aktionsgemeinschaften von Lindener Markt und Deisterstraße vor zwei Jahren wirke sich bei gemeinsamen Projekten bereits positiv aus. „Am 26. September werden wir zum ersten Mal zum verkaufsoffenen Sonntag in allen Teilen von Linden einladen”, sagt Baxmann. Und dann werde sich auch die Limmerstraße von ihrer Schokoladenseite zeigen.

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  • Limmerstraße ist autofrei - gut so! Schorse – 17.05.10 Die Limmerstraße ist von den Bewohnern Linden-Nords nach langen Diskussionen und nach Verwirklichung verschiedener Lösungen, Rücknahme verschiedener Lösungen und wieder in Kraft setzen ganz eindeutig in einem Bürgerentscheid zur autofreien Zone gewünscht worden.

    Dabei war allen in Linden Nord klar, dass es nicht darum ging eine Fußgängerzone wie beispielsweise in der Innenstadt zu schaffen. Radverkehr und ÖPNV-Verkehr waren von Anfang an gewünscht und wurden nicht umständehalber in Kauf genommen.

    Die in dem Artikel aufgebrachte Kritik verkennt völlig diese Lage!
    Die Limmerstraße ist autofrei und das ist gut so! Dass Autofahrer mitunter übersehen, dass sie nicht in die Limmerstraße einfahren dürfen, ist nicht so problematisch. Dass andere Autofahrer bewusst ignorieren, dass sie in der Limmerstraße nicht erwünscht sind, erfordert dagegen ein deutlich konsequenteres Vorgehen der Ordnungskräfte.

    Das in Frage stellen der autofreien Lösung für die Limmerstraße jedoch wirkt in diesem Zusammenhang kontraproduktiv.

    100.000 Besucher des autofreien Sonntags in der Innenstadt haben zudem gezeigt, dass der Wunsch nach autofrei über die Grenzen Linden-Nords hinaus großen Anklang findet.
  • @ DuDu Hans – 14.05.10 Fast alles angesprochene befindet sich schon auf der Limmerstraße, eine Bio-Bäckerei und nebenan eine Eisdiele/Café (beide auch mit veganem Angebot) ebenso wie ein Schreibwarenladen und ein Copy-Shop mit entsprechendem Angebot. Apotheken gibt es zwischen Küchengarten und Leinaustraße mindestens drei, einen Optiker auch.
    In den genannten Branchen ist also durchaus das Angebot vorhanden...
  • Vorschläge : Limmerstraße DuDu – 13.05.10 Weshalb können nicht buntgemischte kleine Läden,die auch etwas zum ansässigen Publikum passen, wie z.B. eine Saft- und Salatbar mit "Bio" Flair dort öffnen plus Second Hand Läden oder gar ein solches Kaufhaus, ein "Szene" Cafe wie Bagel Brothers/ Muffin Man,ein holländisches Cafehaus mit dunkelbraunen Dielen, McPaper,eine kreative Schmuckwerkstatt...

    Der Laden "Die Waschweiber" hat dort auch ein einmaliges interessantes Konzept (Waschsalon plus Cafe sowie Internet)präsentiert.
    Kleine Shops mit fiffigen Ideen, hier und da flankiert von 1,-EURO Läden, geben dem Ganzen einen besonderen Touch - warum nicht ?
    Auch Fachgeschäfte wie Optiker/ Apotheken/hätten bei entsprechender Auslastung dort ihren Platz.

    DuDu
  • Auflistung Branchenmix Achim Brandau – 13.05.10 Für aller Kritiker der Limmerstraße habe ich mal eine Liste der verschiedenen Geschäfte zusammengestellt. Viele andere Stadtteile wären sehr froh so eine Vielfalt zu haben.

    Die Liste findert sich auf "Linden entdecken"
  • Limmerstraße in früheren Zustand versetzen Hermann555 – 13.05.10 Kenne die Limmerstraße noch aus den achtziger, neunziger Jahren, also vor Einrichtung als "Fußgängerzone". Damals gab es einen sehr guten Branchenmix. Habe gern dort eingekauft, da man praktisch alles bekommen hat. Als Autokunde ist mir das dort einfach zu anstrengend geworden. Vielleicht sollte die Straße wieder in den früheren Zustand versetzt werden. Wäre zumindest mal eine Überlegung wert. Eine Fußgängerzone klappt nicht überall.
  • Limmer Strasse wv. Ihme-Zentrum DerKritiker – 13.05.10 Die Limmer Str. hat genug Probleme. Wenn - wie geplant - eine Shopping-Mall im Ihme-Zentrum gebaut wird, würde das quasi den Todesstoß für die Limmer Str. bedeuten und den ganzen Stadtteil mit runterreißen.

    Lieber eine Bauruine namens "Ihme-Zentrum" und dafür wieder eine halbwegs intakte Limmer Str.
  • Flair in Limmerstraße Stöckener – 13.05.10 Nachdem ich heute, als ich in der Gegend unterwegs war, mal so ca. 50€ (und das als Hartz IV) in dieser Straße gelassen habe, kann ich nur Positives sagen. Klar wäre es noch schöner, wenn die Leerstände durch Geschäfte aufgefüllt würden, wie sie man überhaupt zwischen "Schwarzer Bär" und Küchengarten trifft - Unikate in verschiedenster Sicht.
    Das kennzeichnet das genze Stadtviertel, in dem ich gerne bummle, mir einfach auch durch Schaufensterauslagen Anregungen mit nach Hause nehme.

    Die Öffis finde ich gut eingebunden (auch mit den witzigen Haltestellengestaltungen - ok., Küchengarten hat noch freie Gestaltungspotentiale), als anderer Stadtteiler kann man dann seine Einkäufe bequemer transportieren, als wenn man sie ewig weit schleppen müsste, denn Autos sind ja tabu - und das ist gut so.

    Weiter und noch besser so.
  • Heinrich Shared space – 12.05.10 Ich glaube das nennt man "shared space", das wollen doch die Linken und die CDU für die Sallstr.
  • Touristenmeile... Carsten – 12.05.10 Das ist der angesprochene E-Damm auch nicht. Aber eine würdiges Zentrum des Stadtteils. Und genau das ist die Limmerstraße nicht (mehr).

    Endlich spricht mal jemand an, was ansonsten in dieser abstrusen Niederflur-Situation untergeht: nicht eventuelle Hochbahnsteige sind das Problem, sondern der exzessive ÖPNV-Durchsatz an sich. Diese sogenannte Fußgängerzone ist doch nichts halbes und nichts ganzes. Entweder, man macht das ganze wieder zur normalen Straße, oder man verordnet auch Bussen und Bahnen einen Umweg. Zum Beispiel über Fössestraße und Kötnerholzweg.
  • Limmerstraße Herta – 12.05.10 Die Limmerstraße ist anliegerfreundlich und keine Touristenmeile, das ist ganz gut so.
  • Wettbüro-Meile Fährmann – 12.05.10 Die Limmerstrasse ist keine richtige Fussgängerzone, BMWs dürfen dort fahren. Sie ist auch nicht klar als solche zu erkennen.

    Mir persönlich ist jeder Leerstand lieber als ein Geschäftsraum der mit einem Wettbüro bestückt ist, denn den Leuten die manchmal davor stehen darf man ja bekanntlich nicht ins Gesicht gucken. Ich weiss nicht warum das so ist, aber es ist anscheinend lebensgefährlich.

    Bis auf diese Punkte fühle ich mich in Linden immer noch wohl.
  • Lindenwatch Kuddel – 12.05.10 Man muss sich nur die Webseite der Aktion Limmerstraße ansehen. Zitat aus dem Artikel: bisschen lieblos und nix los!

    (Link wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen: www.haz.de/nutzungsbedingungen)
  • Komisch Lindener Buttjer – 12.05.10 Saat die Limmerstraaasse ne Fußgängerzooone iss, gaaaat es baagab. Iss da aaan Zusammenhang?
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HAZ-Redakteur/in Susanna Bauch

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