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Von Rittersleuten und Schlossherren

Linden Von Rittersleuten und Schlossherren

Über Jahrhunderte hatte die Adelsfamilie von Alten enormen Einfluss auf Linden. Dabei prägte das Schloss der Adelsfamilie das Stadtbild von Linden über viele Jahre. Eine Zeitreise.

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Das Schloss der Familie von Alten um 1910.

Quelle: Picasa

Linden. Linden gilt heute als ein besonders bunter und kreativer Stadtteil. Mit der Welt des Adels kommt man hier nur selten in Kontakt, und bei dem Namen von Alten denken viele Bewohner als erstes an den schönen Park. Früher stand dort das Schloss, das der Wohnsitz der Familie von Alten war. Als Adelige übten sie über viele Jahrhunderte auf Linden großen Einfluss aus. Ihre Geschichte hat Erfolge und Einbußen zu verzeichnen, und sie führt in den Anfängen weit zurück bis ins Mittelalter.

Familiengeschichte beginnt im Mittelalter

Die Urahnen der Familie von Alten waren sächsischen Edelinge, also germanisch-stämmigen Adelige, die vor mehr als 1.000 Jahren in Ahlten östlich von Anderten lebten. Davon leitete sich später der Familienname ab. Die Ehre als Stammvater des Adelsgeschlechts hat Eberhard I., der von 1183 ein Gefolgsmann des Bischofs von Hildesheim war. Seine Söhne Dietrich und Eberhard II. von Alten traten in die Dienste der Grafen von Roden und wurden auf der Burg Lauenrode eingesetzt, die sich auf einer Leineinsel vor dem hohen Ufer bei Hannover befand. Zusammen mit anderen jungen Adeligen hielten die Brüder dort Wacht, verteidigten die Anlage gegen Feinde und waren damit Ritter. Als Lohn gelangte die Familie von Alten zu etlichen Ländereien im Umland. Dazu gehörte dann auch Linden nebst seinem Steinbruch, von dem die Familie von Alten im 14. Jahrhundert reichlich Baumaterial für das heranwachsende Hannover lieferten.

Etwa 300 Jahre später lebten Angehörige des Adelsgeschlechts westlich der Leine in der gut befestigten Calenberger Neustadt. Von dort verwalteten sie ihr Land in Linden, dessen Bauern ihnen zu Abgaben und Diensten verpflichtet waren. Einen tiefen Einschnitt brachte 1688 der frühe Tod des Georg Caspar von Alten. Sein Sohn und Erbe war jedoch gerade mal ein Jahr alt. Den Besitz in Linden veräußerte seine Witwe daraufhin an den Oberhofmarschall Franz Ernst von Platen, dem kurz darauf der Aufstieg zum Grafen gelang. Mit Blumenornamenten, Teichen und kostbaren Obstpflanzungen ließ er in Linden einen barocken Garten à la Herrenhausen anlegen. Am Ende einer Allee erhob sich seit 1702 das Schloss.

Rückkauf im Jahr 1816

Die Familie von Alten hatte sich das Recht auf einen Rückkauf ausbedungen. Doch aus der Angelegenheit erwuchs ein über viele Jahrzehnte währender Prozess. Erst 1816 erlangten die von Alten ihr Lindener Gut zurück. Zu verdanken war dies dem als äußerst sparsam geltenden Carl Edmund Georg von Alten aus Polle an der Weser, der für seine Anverwandten 100.000 Taler zusammentrug.

Der Barockgarten wurde nach und nach zu einem Landschaftspark umgestaltet. Von 1845 an wohnte die Familie in dem Schloss. Nebenan befand sich der Gutshof mit seinen Wirtschaftsgebäuden. Auch die von Alten hatten sich damals mit der Ablösung der teils aus dem Mittelalter stammenden Grundrechte zu befassen. Zugleich hielt in Linden die Industrie ihren Einzug. Eine Menge Land verkaufte Victor von Alten für die Maschinenfabrik von Georg Egestorff, der späteren Hanomag. Der Sohn Karl von Alten indes erwarb gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwei Güter in Wettbergen und Ricklingen.

Als Adelige fühlten sich die von Alten weiterhin ihren jeweiligen Landesherren und ihrer Heimat verpflichtet. So stellte die Familie das Grundstück für den Bau der Michaliskirche zur Verfügung. „Viele von Altens waren Offiziere und genossen so auch im ‚einfachen Volk‘ ihr Ansehen“, berichtet Jobst von Alten, heute Senior und damit Oberhaupt des Familienverbandes.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg pflegten die Bewohner des Lindener Schlosses ein reges, gesellschaftliches Leben. Unter anderem war der frühere Oberfeldmarschall Paul von Hindenburg zu Gast, bevor er 1925 Reichspräsident in Berlin wurde.

Einfacher Lebensstil

Ansonsten ging es in dem Haus nicht übertrieben vornehm zu. „Dort wurde Platt gesprochen, und zu den Lindenern stand man in gegenseitiger Hochachtung“, erzählt Jobst von Alten. Der 84-jährige, der auf dem Rittergut Dunau bei Lathwehren lebt, hat das Schloss noch aus eigener Anschauung kennengelernt: „Zu der Familie in Linden hatten wir enge Kontakte. Durch das Treppenhaus tobten immer viele Kinder, und über drei Geschosse hinweg sind wir das lange Geländer hinabgerutscht“, erinnert sich Jobst von Alten.

Bedeutende Schicksalsschläge für die Familie

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fand das Schlossleben ein abruptes Ende. Nach einem Luftangriff im Februar 1945 waren die Bomber bereits auf dem Rückflug, als Senior Georg von Alten hinausging, um nach dem Rechten zu sehen. Aufgeregt lief ihm der Gärtner entgegen. „Schorse, din Schlott brennt“, rief er. Lindens einziges Schloss war aus Holz gebaut und brannte bis auf das steinerne Kellergeschoss vollständig ab.

Ein weiterer Schicksalsschlag kam 1947, denn auf dem Gutsbetrieb verunglückte Carl von Alten tödlich mit dem Trecker. Auch weil die Landwirtschaft in der verstädterten Umgebung immer weniger Chancen hatte, verlegte die Familie von Alten ihren Wohnsitz danach in den Vorharz. Den Schlossgarten in Linden trat sie nach langen Verhandlungen 1961 an die Stadt Hannover ab. Dort entstand schließlich der beliebte Park, in dem die historischen Torhäuser und eine Esplanade weiter erhalten sind.

Als Lindener Nachfahr starb 2007 der 61-jährige Georg von Alten. Viele andere aus dem weit verzweigten Familienverband leben heute im Umland von Hannover und an anderen Orten. Einige verschlug es sogar bis nach Milwaukee in den USA. „Untereinander sind wir längst nicht mehr direkt verwandt“, sagt der Senior Jobst von Alten. „Doch gemeinsam fühlen wir uns weiter wie eine große Familie“.

Gerda Valentin

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