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West Neue Ideen hinter alter Fassade
Hannover Aus den Stadtteilen West Neue Ideen hinter alter Fassade
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14:00 22.01.2014
Neben Großmietern hat sich vor allem die Kreativbranche auf dem Hanomag-Areal niedergelassen. Quelle: Schwarzenberger
Linden-Süd

Im Neoskop-Quartier werden Gegensätze zelebriert: Das ultramoderne Unternehmen hat sich in einem der ältesten Industriegebäude Lindens eingerichtet. Die denkmalgeschützte ehemaligen Fabrikhalle nahe dem Deisterkreisel erinnert an New Yorker Fabriklofts, sagt Philipp Wanning. Genau das haben er und sein Geschäftsführerkollege Björn Pitzschke auch gewollt. Deshalb, und des vielen Platzes wegen, zog Neoskop mit seinen knapp 25 Mitarbeitern im vorigen Herbst auf das Gelände. Die Hanomag bietet heute neben den großen Einzelhandelsansiedlungen vor allem vielen Kreativfirmen ein neues Zuhause.

2010 hoben Wanning und Pitzschke das Unternehmen aus der Taufe und bieten seither auf das Internet und mobile Dienstleistungen zugeschnittene Kommunikationskonzepte an. Das junge Unternehmen wuchs schnell und zog immer wieder um. Mit fünf Leuten startete Neoskop auf dem Expo-Gelände, mit etwa 20 Mitarbeitern residierte die Firma später am Hauptbahnhof. Auch das Citybüro wurde zu eng, und Björn Pitzschke, ein Lindener, knüpfte Kontakte zur Dibag Industriebau AG, die das Hanomaggelände seit 1991 mit neuem Leben füllt (siehe Extratext).

An der noch neuen Adresse Hanomaghof will Neoskop in Ruhe weiterwachsen. Dafür hat sich das Unternehmen seinen Teil des Gebäudes nach eigenen Wünschen eingerichtet. Mit einer großen Freitreppe, auf der beraten und gemeinsam diskutiert wird, mit einer Galerie und Büros, die vorerst noch an kreative Freiberufler untervermietet sind, bis Neoskop groß genug ist, den Platz selbst zu beanspruchen.

Ein paar Schritte weiter geht es um Mode. Die Brüder Moritz und Mathias Menzel entwickeln und verkaufen Kopfbedeckungen. Seit 2011 schreiben sie mit dem eigenen Label „bommelME“ von Linden aus eine kleine Erfolgsgeschichte. Das Konzept: Die Brüder haben sich ein einfaches Knopfsystem ausgedacht, mit dem Mützen und austauschbare Bommel schnell miteinander verbunden werden können. Im eigenen Onlineshop können die Kunden bunte Mützen und Bommel miteinander kombinieren und bestellen. Die ersten Pakete packten sie noch in einer Lindener Wohnung. „Wir lassen in Polen und Deutschland produzieren“, sagt der Betriebswirtschaftler Mathias Menzel. Sein Bruder Moritz ist als Mediengestalter für Design und Werbung verantwortlich. Im Frühjahr 2012 zogen sie auf das Hanomaggelände um und zählten damals zu den ersten Mietern des frisch gegründeten Kreativzentrums „Halle 96“ von Hannoverimpuls.

Hannoversimpuls unterstützt junge Firmen

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hannoverimpuls, die der Stadt und der Region Hannover gehört, unterstützt unter anderem junge Firmen und bietet ihnen Büros zu vergünstigten Mieten und unterschiedlichen Laufzeiten an. Das Kreativzentrum auf dem Hanomaggelände ist ein Mix aus einem Neubau und einem Stück der alten Industriehalle mit der Nummer 96 im Norden des Areals. „Wir wollten einen neuen Standort für Kreativfirmen“, sagt Geschäftsführer Ralf Meyer.

Mit der Dibag begann Meyer auf der Münchener Immobilienmesse Expo Real im Jahr 2010 mit den Verhandlungen; keine zwei Jahre später war das Zentrum fertig. Künstler, Designer, Architekten, Fotografen, Modefirmen wie jene der Menzelbrüder – etwas mehr als 30 Firmen sitzen derzeit in „Halle 96“. Junge Start-ups sind darunter, die sich dort im Markt etablieren sollen. Und dann meist nach neuen Räumen suchen. Aber auch gestandene Firmen finden dort Platz. Und Einrichtungen wie das Musikzentrum Hannover und das Kreativnetzwerk „kre-h-tiv“.

Nur wenige Büros und ein Werkstattatelier seien noch frei, berichtet „Halle 96“-Leiterin Marion Grönig. In einem der Ateliers eröffnete Catharina Siemer im September eine neue Galerie für zeitgenössische Kunst. Sie wünsche sich noch mehr Laufkundschaft, sagt die Grafikerin, die Werke junger Künstler präsentiert.

Dass Besucher aufs Gelände strömen, dafür sorgen seit Jahren etliche Großmieter. Die Polizeidirektion Hannover entschied sich in den Neunzigern als Erste für einen Neuanfang auf einem Teil der Industriebrache. Nach dem Einzug der Polizei kam 1999 der Obi-Baumarkt; später die Telekom mit hunderten Arbeitsplätzen und einem Neubau. Auch die Energiefirma Windwärts und die Steuerfachschule Dr. Endriss siedelten sich auf der Brache an. Die sogenannte U-Boot-Halle ist komplett vermietet. Dort sitzen neben Zweirad-Stadler auch die Möbelfilialisten RS- und Yellow-Möbel, der Raumausstatter Hammer, eine Rewe-Filiale und der Golfausstatter „Golf House“.

Hier ist noch Platz für Ansiedlungen

Rund 70 000 Quadratmeter Gebäudeflächen hatte die Dibag AG zu vermarkten. Einige Etagen in den fertig sanierten Gebäuden im Norden sind noch frei. Am Deisterkreisel ist ein Gebäudeteil noch entkernt. „Dafür prüfen wir noch verschiedene Konzepte“, sagt Niko Seifert vom Projektentwicklungsteam der Dibag. Loftwohnungen wie jene, die es an der Hanomagstraße bereits in einer alten Fabrikhalle gibt, oder Loftbüros könnten dort entstehen. Ein Café oder Bistro werde es dort entgegen früheren Überlegungen aber nicht geben. Zur Versorgung gebe es Angebote im Ahrbergviertel sowie im Rewe-Markt und bei Obi. Auch der Ernst-Winter-Saal, die Betriebskantine der Telekom, stehe anderen Nutzern offen. Das Architekturbüro agsta entwickelt noch zwei Vorhaben für verschiedene Bauherrengruppen. Eine Gruppe modernisiert die ehemalige Direktorenvilla und richtet dort Büros ein. Mit potenziellen Mietern werde noch verhandelt, sagt Architekt Dirk Petersen. Eine zweite Gruppe plant einen Neubau gleich neben der Villa. Elf Eigentumswohnungen sollen dort auf sechs Etagen entstehen. Ganz im Süden des Geländes, neben der U-Boot-Halle, plant das Düsseldorfer Unternehmen Mr. Wash den Neubau einer Tankstelle und einer Autowaschanlage. Der Bau sollte bereits im vorigen Jahr beginnen, verzögerte sich wegen Planänderungen. „Wir erwarten die Baugenehmigung in den nächsten Wochen“, sagt Firmenvorstand Richard Enning. Voraussichtlich im April soll es losgehen.

Marcel Schwarzenberger

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