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Lindener Skater bringen Hilfe ins Rollen

Linden-Mitte Lindener Skater bringen Hilfe ins Rollen

Hilfe, die ankommt: Mitglieder des Vereins „2er Skateboarding“ aus Linden-Mitte bauen im indischen Bangalore einen frei nutzbaren Skateboardpark.

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Knapp einen Monat haben die Arbeiten auf der Baustelle des Skateparks in Indien gedauert.

Quelle: Gautham Nalasingu

Linden-Mitte. Glatte, spannende Flächen. Das braucht man, wenn man mit einem Skateboard richtig Spaß haben will und den Adrenalinspiegel in die Höhe zu treiben. Doch dieses Gefühl kennen nur die wenigsten in dem Viertel HSR Layout in Bangalore, Indien. Dort kämpft man mit ganz anderen Infrastruktur-Problemen als denen von Skatern, die gern eine Spielwiese für ihren Sport hätten. Bislang.

Als drei Mitglieder des Vereins „2er Skateboarding“, Robin Höning, Arne Hillerns und Yves Engelschmidt, im Februar vergangenen Jahres zu einem spontanen Urlaub in die drittgrößte Stadt Indiens flogen, hatten sie keine Vorstellung davon, wie sich Skater in der Stadt bewegen können. Sie bemerkten erst bei ihrer Suche nach einem schönen Park zum Skaten, wie verkommen manche Viertel waren. Marode Häuser, Schotterwege und Straßenkinder, die keine Spielmöglichkeiten haben, gehören dort zum Stadtbild.

Die drei Skater fanden aber einen Skaterpark in dem kleinen Stadtbezirk HSR Layout. Dort skatet schon seit einigen Jahren „Holystoked“, eine Gruppe von rund 15 Personen, die auch einen Onlineskateshop betreibt. Allerdings war der kleine Park nur mit einer Gebühr von umgerechnet 2,50 Euro zugänglich. „Das können sich die meisten Inder aber nicht leisten. Sie standen dann nur am Zaun und drückten sich traurig die Nasen platt“, sagt Daniel May, Mitgründer des Lindener Skateboardvereins. Für die deutschen Skater stand zu diesem Zeitpunkt fest: Hier muss sich etwas ändern.

Die drei Männer kamen von ihrem Urlaub zurück und begannen schnell, eine Hilfsaktion für Skater in Bangalore zu planen. Ziel war, den indischen Jugendlichen einen öffentlichen und kostenfreien Platz zum Skaten zu ermöglichen. Dafür sollte der vorhandene Skaterpark modernisiert und vergrößert werden.

Während des gesamten vergangenen Jahres sind die Lindener mit „Holystoked“ in Kontakt geblieben. Was fehlte, war ein Sponsor, der bei der Finanzierung des Projektes half. Doch die Suche dauerte nicht lange: Einer der 2er-Skater hatte einen Kontakt zum Handelsunternehmen Levi’s, das für seine Denim-Jeans weltweit bekannt ist. Im vergangenen Sommer besuchte der sogenannte „Action Sports Manager“ der Firma aus Belgien den „Builder’s Jam“ in Linden, um sich von den Fähigkeiten der hannoverschen Skater ein Bild zu machen - hier boten die 2er-Skater Rampen zum Selberbauen an und verdoppelten so ihren Park in Linden. Die leidenschaftlichen Skater haben den Mann mit ihren Ideen und ihrer Kompetenz überzeugen können. In den Wochen nach der Aktion arbeitete der Verein für Levi’s ein umfangreiches Marketing-Konzept aus. Das Unternehmen zeigte sich begeistert und förderte das Projekt mit rund 35000 Euro.

„Wir waren sehr aufgeregt und auch geschockt, dass alles so gut und schnell geklappt hat und dass wir das Projekt vor allem in so großem Ausmaß umsetzen konnten“, erzählt 2er-Skater Daniel May. Dass die Arbeiten schnell vorangingen, lag an den zahlreichen Helfern. Etwa 30 Menschen waren an der Hilfsaktion beteiligt. Neben den Skatern von „Holystoked“ waren zwölf Skater aus Deutschland nach Indien gereist. Darüber hinaus kamen fünf weitere Helfer aus Großbritannien und drei Amerikaner mit, die schon beim „Builder’s Jam“ dabei waren.

Knapp einen Monat haben die Arbeiten auf der Baustelle des Skateparks gedauert. Die gesamte Anlage ist nun 375 Quadratmeter groß und besteht aus einer glatten Betonoberfläche und mehreren selbstgebauten Rampen. Die Inder kauften einen sechs Meter langen Überseecontainer, der bereits vor Arbeitsbeginn in Bangalore ankam. Damit war die Basis für die Hilfsaktion geschaffen. Materialien und Werkzeuge ließen sich nämlich während der Bauphase gut darin verstauen. Inzwischen dient der Container als kleiner Skateladen. Auf dem Dach ist sogar Platz für eine Miniterrasse. Mitte April erreichten auch 150 Skateboards, die in Spendenaktionen zusammengekommen waren, per Seefracht Indien. Sie sind die erste Ware für den kleinen Skateladen von „Holystoked“. „Es ist aber alles sehr einfach gehalten. Man darf sich das nicht wie in Deutschland vorstellen“, sagt May.

Der 30-Jährige gehört zu den Mitgründern des Vereins „2er Skateboarding“, der sich im April 2009 gegründet hatte. Was mit einer kleinen Gruppe von Freunden begann, entwickelte sich schnell zu einem Verein mit nun mehr als 160 Mitgliedern. Seit einem Jahr betreiben die Skater auch die Rampenbaufirma „Yamato Living Ramps“ in Linden. So haben sie bereits einen Auftrag des Spielparks Tiefenriede umgesetzt. Ihr ganzes Engagement dreht sich darum, dass sich Freunde treffen und gemeinsam skaten. „Genau das wollten wir auch den Skatern in Indien ermöglichen“, so May.

Von Verena Gassmann

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