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West Lindener lassen sich für Hauswand von Kurt Schwitters inspirieren
Hannover Aus den Stadtteilen West Lindener lassen sich für Hauswand von Kurt Schwitters inspirieren
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12:05 18.06.2011
Ein buntes Durcheinander, magisch zusammengehalten: Das Wandbild in Linden. Quelle: Martin Steiner
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Linden

Lindener sind ein eigenartiges Stadtteilvolk: Sie können tagelang über den Lärm auf der Limmerstraße streiten und über die politische Aussagekraft einer Hausbesetzung. Aber manchmal, wenn es um den Stadtteil selbst geht, können sie wunderbar zusammenhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist das derzeit entstehende Wandbild an der Velberstraße.

Im Zuge einer Haussanierung kam Bewohner Michael Scheller auf die Idee, die karge Fassade für ein Wandbild zu nutzen. Und weil man für ein großes Wandbild eine große Inspiration braucht, beschloss Scheller zusammen mit seinem Vermieter sowie befreundeten Künstlern, dem größten Künstler Hannovers ein Denkmal zu setzen: Kurt Schwitters. „Wir haben uns Merz-Bilder und Collagen angeschaut und uns davon inspirieren lassen“, sagt Scheller. Teile des „Undbild“ flossen in die Entwürfe ein, genauso wie Zitate von Schwitters. Das Wandbild soll insgesamt noch größer als das Bild in der Stärkestraße werden, an dem auch schon Teile des neuen Künstlerkollektivs namens „Strebt Vorwärts“ gearbeitet haben.

Ein schwebender Knopf, ein Auge, ein Zebra, kleine Wolken, Schnecken und Streetart-Motive: Künstler in Linden nutzen eine Fassade in der Velberstraße für ein Wandbild - und lassen sich dabei von Kurt Schwitters inspirieren.

Seit einer Woche setzen die Künstler nun ihre Entwürfe an der Hauswand um. Im abstrakten Bild fließen kleine Details und große Farbflächen ineinander. Der Betrachter entdeckt einen schwebenden Knopf, ein Auge, einen Schirm, ein Zebra, kleine Wolken. Spiralen umschwirren verfremdete Gesichter mit langen Nasen, Schnecken und Streetart-Motive, die man aus Linden kennt. Das Bild wirkt wie ein Ideenkosmos, ein buntes Durcheinander, das auf magische Weise zusammengehalten wird, ein Sinnbild für den Stadtteil.

Am Wandbild malen und sprayen derzeit fast jeden Tag insgesamt neun Künstler. Immer dabei: eine Spendendose, denn die Farben und Arbeitsstunden zahlt den Künstlern kein städtisches Amt und keine Kulturstiftung. Die Initiative hat mithilfe des Onlinejournals www.linden-entdecken.de selbst Sponsoren wie das Antiquariat Wilder, die Sonar Plexus Hörbar und den High Five Skateshop für sich begeistern können. „Manchmal bringen uns Nachbarn aber auch einfach Kuchen oder Bier vorbei“, erzählt Scheller. „Wir wollen Linden verschönern, und es ist toll, dass viele Lindener uns dabei unterstützen“, sagt der 29-Jährige.

Scheller geht es aber nicht nur um die Kunst. Jedes Wandbild schrecke auch Graffitisprayer ab, die Respekt vor so einer Arbeit haben. Und so kann er sich vorstellen, mit dem Kollektiv weitere Wände in Linden zu gestalten. Aber zunächst steht am Freitag, 1. Juli, die Vernissage an. Dann soll das Baugerüst abgebaut sein, und Besucher sollen ab 15 Uhr die Schwitters-Hommage bei Livemusik und Bier feiern. Man kann aber auch einfach so vorbeischauen. Oder sich im Netz die Arbeit unter www. strebtvorwaerts.tumblr.com ansehen.

Jan Sedelies

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