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West Lindener wehren sich gegen das „Limmern“
Hannover Aus den Stadtteilen West Lindener wehren sich gegen das „Limmern“
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06:15 07.07.2012
Von Rüdiger Meise
„Limmern“ auf der Limmerstrasse. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Linden-Nord

„Früher war die Straße schön belebt, heute ist es unerträglich“, beschwerten sich Bürger in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Linden-Limmer.

Dass das Trinken und Feiern auf der Limmerstraße in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat, ist unumstritten. An manchen Straßenkreuzungen finden die Anwohner lediglich in kalten und nassen Nächten noch geruhsamen Schlaf. „In warmen Nächten, wenn man nur bei offenem Fenster schlafen kann, lärmen unten die Betrunkenen“, sagt ein Anlieger. Der Polizei ist das Problem bekannt – sie unterscheidet drei Arten von Feiernden.

Limmernde: Gemeint sind meist junge Leute, die aus Linden und teilweise aus anderen Stadtteilen in die Limmerstraße kommen, um zu „limmern“, wie man im Stadtteil sagt. Sie stehen oder sitzen in kleinen Gruppen zusammen, trinken mitgebrachten Alkohol und plaudern – wobei oft der Grad der Trunkenheit die Lautstärke bestimmt. „Viele lassen ihre Flaschen absichtlich liegen und begreifen das als milde Gabe für die Flaschensammler“, hat Bezirksbürgermeister Rainer Grube beobachtet.

Partyhopper: Dazu zählen junge Leute, die auf dem Weg zu Veranstaltungen sind – zum Beispiel in das Veranstaltungszentrum „Faust“ oder in den Klub „Béi Chéz Heinz“ – und die zuvor oder danach auf der Limmerstraße verweilen und dort Alkohol zum „Vorglühen“ kaufen. „Wir haben die Probleme mit der Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord (NiL) diskutiert“, sagt Antje Richter, Geschäftsführerin der Faust-Gastronomie. Mit Aufrufen und Aufklebern bittet das Veranstaltungszentrum seine Gäste, auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen.Nach manchen Partys patrouilliert der „Faust“-Sicherheitsdienst durch die umliegenden Straßen und ermahnt die Gäste zur Ruhe, erklärt Richter: „Und wegen des Lärms auf offener Straße veranstalten wir zudem seit Anfang 2011 keine Abi-Partys mehr.“

Trinker: Das sind Obdachlose, Alkoholkranke und Punks, die nahezu täglich an bestimmten Punkten anzutreffen sind - beispielsweise vor dem Rewe-Markt in der Nähe des Küchengartens oder dem Edeka-Markt an der Pfarrlandstraße.

„Wir zeigen gerade in den Sommermonaten verstärkt Präsenz auf der Limmerstraße, kontrollieren und erteilen – wo es nötig ist – Platzverweise“, sagt Polizeisprecher Thorsten Schiewe. Ein Kontaktbeamter riet den Limmerstraßen-Anwohnern Christian und Anne Assel, bei anhaltendem Lärm immer wieder die Polizei anzurufen und auch Nachbarn zum Anrufen aufzufordern. Bürgern zufolge ist es bereits zu Zwischenfällen gekommen: Trinker drohten Bewohnern der Straße, die sich beschwert hatten, Gewalt an, und Bewohner schütteten aus ihren Fenstern Wasser auf Lärmende.

Die Fraktionen des Bezirksrats wussten in der jüngsten Sitzung keinen Rat. „Rechtlich ist da nicht viel zu machen“, sagte Dirk Machentanz von den Linken. SPD-Fraktionschef Eike Geffers forderte, dass der Entsorger aha an warmen Tagen wenigstens häufiger den Müll abfährt.

Harm Baxmann, Vorsitzender der Aktion Limmerstraße, wies darauf hin, dass von der lautstarken Belebung der Straße nicht einmal die hiesigen Geschäftsleute profitieren: „Die Feiernden sind sehr preisbewusst und kaufen ihre Getränke in der Regel nicht an den Kiosken, sondern in den Supermärkten.“ Der Rewe-Markt vor Ort hat sich offenbar auf diese Zielgruppe eingestellt: Dort kann man gekühltes Bier kaufen und Spirituosen sind leicht zugänglich an der Kasse aufgebaut - wie in anderen Märkten Süßigkeiten.

Antje Richter von der „Faust“ sieht das Problem als Ausdruck einer generellen Änderung des Ausgehverhaltens: „Es gibt heute ein großes Bedürfnis nach Feiern, Begegnung und Gastronomie im Freien.“ Beispiele seien Public Viewing bei Fußballspielen und die Außengastronomie: „Vor zehn Jahren waren Betriebe mit Tischen vor der Tür eine Seltenheit - heute wird das vom Wirt erwartet.“

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