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Museum für Energiegeschichte(n)

120 Jahre Stromwerbung Museum für Energiegeschichte(n)

Der Strom kommt aus der Steckdose – zumindest wenn nichts wie vergangene Woche im Stadtgebiet dazwischenkommt. Was heute selbstverständlich ist, galt in der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts als purer Luxus. Elektrische Geräte zu besitzen, war teuer.

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Die stellvertretende Museumsleiterin Silvia Schmitz präsentiert eine Pappkameradin aus dem Energiemuseum.

Quelle: Link

Calenberger Neustadt. Aber auch gutbetuchte, moderne Frauen mussten zunächst überzeugt werden. Auf 120 Jahre Stromwerbung blickt eine kulturgeschichtliche Ausstellung unter dem Titel „Elektrisierend – Werbung für Strom 1890 – 2010“ zurück, die im Museum für Energiegeschichte(n) in der Calenberger Neustadt zu sehen ist. Gezeigt werden mehr als 200 Exponate, darunter wertvolle Leihgaben von Künstlern wie Peter Behrens oder Louis Oppenheim, Plakate, Postkarten und Werbefiguren in kuriosen Filmen.

Ziel der Werbung sei es zunächst gewesen, den Strom für die breite Masse interessant zu machen, sagt die stellvertretende Museumsleiterin Silvia Schmitz. Weil es bereits den Dieselmotor und die Gasleuchten gegeben habe, sei Strom von vielen Menschen zunächst als überflüssig empfunden worden. Für die Internationale Elektro-Technische Ausstellung in Frankfurt, die von Mai bis Oktober 1891 rund 1,2 Millionen Besucher anzog, wirbt ein Plakat mit der Göttin des Lichts. Stolz hält sie eine Glühbirne in die Höhe, um den Siegeszug der Elektrizität einzuläuten; zu ihren Füßen versucht sich der gefesselte Prometheus, Feuerbringer und Lehrmeister der Menschen, loszureißen. „Auf frühen Werbeplakaten wurde sehr oft auf metaphorische Weise die Kraft der Elektrizität gepriesen, die gebändigt werden muss“, sagt Schmitz. Zwischen 1910 und 1920 erreichte die Verherrlichung der Energie ihren Höhepunkt. Reklamekünstler wie Ludwig Hohlwein, der später auch Plakate für die Nationalsozialisten entwarf, feierten die Elektrizität mit heroischen Motiven. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Werbung politisch: „Deutsches elektrisches Licht ist billiger als amerikanisches Petroleum“, lautet eine Werbebotschaften.

Nach dem Ersten Weltkrieg stand zunächst wieder der Konsumgedanke im Vordergrund, und der Verkauf vieler neuer elektrischer Geräte wurde propagiert. Ab 1934 begannen die Nationalsozialisten die Stromwerbung für sich zu nutzen: Es galt, Ressourcen zu sparen, um Deutschland unabhängig von anderen Ländern zu machen. Energiesparen war auch in der Zeit des Wiederaufbaus ab 1945 das Motto der Werbung. Mit dem Beginn des Wirtschaftswunders verkehrte sich dieses Motto nahezu ins Gegenteil: Nun wurde eher zum maßlosen Stromverbrauch aufgefordert und jedes elektrische Gerät für den Haushalt beworben.

Erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren in Deutschland die meisten Haushalte mit Kühlschrank, Waschmaschine, Radio- und Fernsehgerät ausgestattet. Ab 1970 war die Grenze des Wachstums jedoch erreicht: „Die erste Ölkrise brachte die Menschen dazu, nachdenklicher mit dem Thema Energie umzugehen“, sagt Schmitz. Das zeigte sich auch in der Werbung: Umweltschutz wurde plötzlich zum bestimmenden Thema. Stromanbieter verschafften ihrem Produkt ein Image und versuchten den Strom möglichst sauber erscheinen zu lassen. Seitdem der Strommarkt 1999 liberalisiert wurde, liefern sich immer mehr Stromanbieter eine wahre Werbeschlacht um Stromkunden.

Die Schau war 2010 vom Umspannwerk Recklinghausen als Beitrag zur Kulturhauptstadt „Ruhr.2010“ zusammengestellt worden. Im Museum für Energiegeschichte(n) in der Humboldtstraße 32 ist bis zum 31. Oktober aus Platzmangel nur ein Teil ausgestellt. Im Begleitband „Hier wirkt Elektrizität“ mit mehr als 400 Abbildungen sind alle Exponate zu sehen. Das Buch kostet 29,90 Euro. Das Museum ist dienstags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Am ersten Freitag im Monat findet von 14.30 bis 16 Uhr eine Führung ohne Voranmeldung statt, weitere Termine können unter Telefon 1 23 11 63 49 41 oder per E-Mail an museum@energiegeschichte.de vereinbart werden.

Christian Link

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