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West Musiker Richard Howell besucht Grundschule
Hannover Aus den Stadtteilen West Musiker Richard Howell besucht Grundschule
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11:31 21.11.2012
Richard Howell: Lange Rasta-Zöpfe, ein altes Saxophon und sechzig gebannt lauschende Kinder. Quelle: Sonja Steiner
Ahlem

Er hat mit Carlos Santana und Etta James auf der Bühne gestanden und sein Handwerk bei „Earth, Wind and Fire“ gelernt. An diesem Vormittag steht der Jazzmusiker Richard Howell vor Kindern der Grundschule Ahlem. Eltern und der Förderverein der Schule haben den Saxophonisten, der seit Jahren auch durch Deutschlands Schulen tourt, zu einem Jazzworkshop im Rahmen des Musik- und Englischunterrichts eingeladen - und so ist auch die Umgangssprache an diesem Morgen Englisch.

Lange Rasta-Zöpfe, ein altes Saxophon und sechzig gebannt lauschende Kinder: Richard Howell hat den Bogen raus, wie aus trockenem Unterricht ein Show-Erlebnis wird. In der Ahlemer Grundschule zeigt der aus San Francisco angereiste Jazzmusiker Kindern der vierten Klasse, was echter Rhythmus ist: „I love music, I love music“ singt er mit lauter Stimme und ein vielstimmiger Chor wiederholt die kleine Melodie des Jazz-Standards „I got Rhythm“ von Gershwin. „My name is Richard Howell“ stellt er sich anschließend vor: „My name is Richard Howell“ wiederholen die Viertklässler brav. „Oh no“, ruft Howell und verzieht sein Gesicht zu einem verzweifelten Grinsen. Die Stimmung in dem Saal der Ahlemer Grundschule ist nach den ersten Minuten schon so ausgelassen wie bei einem echten Konzert.

„Ich finde es wichtig, die Kinder immer wieder zu loben, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie wertgeschätzt werden“, erzählt der Vater von vier Kindern hinterher. So werden an diesem Vormittag aus den beiden gleichnamigen Mädchen Lionie und Lionie die „Lionie Singers“, aus Susanna der „Engel der Klasse“, aus Bart ein Prinz, vor dem sich Richard Howell verneigt. Jedes Kind, das er nach vorne holt, wird begeistert gefeiert: „Du bist wunderbar“ zum einen, zum anderen: „Du bist fantastisch“ und das dritte ist „cool, wow“.

Einfache Mittel, große Wirkung: die Kinder probieren mit Finger-Zimbeln, Schellen oder Klanghölzern wie sich echter Rhythmus anfühlt, während Richard Howell die ersten Takte des Scott-Joplin- Gassenhauers „The Entertainer“ auf dem Saxophon spielt. „Was ist Dynamik?“, fragt er anschließend in die Runde. Keiner der Kinder weiß es. „Laut und leise, das üben wir jetzt mal“ und legt die Finger an die Lippen, beginnt dann leise sein „I love music“ zu singen, aus sechzig Kehlen kommt ein leises Echo zurück. Die Lautstärke steigert sich, sechzig Jungen und Mädchen singen mit. Je lauter, desto fröhlicher.

„So jetzt bauen wir die Golden Gate Bridge“, ruft er, bückt sich und klebt mit Kreppband eine Linie auf den Boden, auf der anschließend Kinder zu geklatschtem Rhythmus vor- und rückwärts balancieren. Es folgt eine Melodie aus Nigeria. „Dieser Gesang ist über 600 Jahre alt“, erzählt Howell den Kindern. Eine einfache Melodie, die die Kinder gleich mitsingen können. Wie alles an diesem Vormittag eigentlich ja nur Spaß ist, das Lernen gar nicht weh tut, weil es nebenbei passiert. „Zum Abschluss gibt es ein Geschenk an die Lehrer. Es heißt: Stille“, sagt Howell, lächelt verschwörerisch und legt wieder den Finger an die Lippen: „Wir sind jetzt ganz, ganz leise“. Dann streckt er seine Hände aus und strahlt. Kein Mucks ist zu hören. „Danke, Kinder, ihr wart fantastisch“, ruft er in den anschließenden Applaus hinein.

„Die Kinder sind sonst nicht so ruhig“, berichtet Christina Teichert, Fachleiterin für Musik hinterher und lacht. Was vor allem daran liegt, dass Howell keine Langeweile aufkommen lässt. „Seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik und seine Dynamik faszinieren die Kinder. Ich finde es toll, wie er sich mit einfachen Vokabeln ausdrückt, die die Kinder verstehen.“ Auch sei es etwas Besonderes für die Kinder, jemanden kennenzulernen, der Englisch als Muttersprache spricht.

„Ich habe in meinem Leben um die 200 000 Schüler unterrichtet. Und ich stehe noch manchmal vor Kindern, die zum ersten Mal einen Afro-Amerikaner sehen“, ergänzt Howell. „Und einige sind dann ganz skeptisch und schüchtern am Anfang. Aber am Ende sind wir immer die besten Freunde“.

Howell, der mit Carlos Santana auf der Bühne steht und sein Handwerk bei der Funkgruppe „Earth, Wind and Fire“ lernte, mag es, zu unterrichten. „Ich möchte das, was ich bekommen habe in meinem Leben, weitergeben. Ich glaube an die Liebe zwischen Menschen und Musik kann diese Liebe vermitteln, Menschen zusammen bringen.“

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