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Calenberger Neustadt

Neues Beratungsbüro für Sinti und Roma

Von Veronika Thomas

In der Propstei St. Clemens hat eine Beratungsstelle für Sinti und Roma eröffnet. Angehörigen beider Volksgruppen, die als Migranten und Flüchtlinge in Hannover leben, bietet das Büro Deutschkurse und Rechtsberatung an.
Eröffnung des Beratungsbüro für Sinti und Roma im Saal des Tageshauses St. Clemens: Probst Martin Tenge mit den Initiatoren Dvedjet Berisa (re) und Regardo Rose (li).

Eröffnung des Beratungsbüro für Sinti und Roma im Saal des Tageshauses St. Clemens: Probst Martin Tenge mit den Initiatoren Dvedjet Berisa (re) und Regardo Rose (li).

© Insa Catherine Hagemann

Calenberger Neustadt. Sinti und Roma haben bundesweit erstmalig eine gemeinsame Anlaufstelle eröffnet: In den Räumen der Propstei St. Clemens, in denen viele Jahre die ökumenische Essensausgabe für Bedürftige ansässig war, haben die Vereine „Forum für Sinti und Roma“ und „Romane Aglonipe“ ein Beratungsbüro bezogen.

Hier gibt es künftig Hausausgabenhilfe, Bewerbungstraining, Hilfe bei Behördengängen, Rechtsberatung sowie Deutschkurse für Kinder und Erwachsene, die als Migranten und Flüchtlinge in Hannover leben. Das Büro soll sich darüber hinaus zu einem Treffpunkt und Kulturzentrum entwickeln, wünscht sich Djevdet Berisa von „Romane Aglonipe“. Die katholische Kirche stellt die Räume in der Anfangsphase mietfrei zur Verfügung.

Das gemeinsame Beratungsbüro ist vor allem einzigartig, weil Sinti und Roma zwar gemeinsame Wurzeln haben, die Geschichte beider Volksgruppen in den vergangenen 800 Jahren aber sehr unterschiedlich verlaufen ist: Während die in Deutschland lebenden Sinti im Allgemeinen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und römisch-katholischen Glaubens sind, leben viele Roma als Migranten mit einem prekären Aufenthaltsstatus in Deutschland oder anderen europäischen Staaten. Sie stammen großteils aus Osteuropa oder dem ehemaligen Jugoslawien und sind je nach Herkunftsland Christen oder Muslime.

Beide Vereine haben sich zum Ziel gesetzt, den von Abschiebung bedrohten Roma, die zum Teil schon Jahrzehnte in Deutschland leben, zu helfen. Der Rechtsanwalt Leonhard Oehle vom Forum für Sinti und Roma berichtete bei der Eröffnung des Beratungsbüros von seinem vergeblichen Bemühen, eine Entschädigung für Sinti und Roma zu erstreiten, die während des Nationalsozialismus als „Zigeuner“ verfolgt wurden und den Holocaust überlebt haben.

So hatte der Vater von Regardo Rose, einer der Initiatoren des Beratungsbüros, die Konzentrations- und Vernichtungslager Ausschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen durchlitten. Schweres Asthma, Herz- und Magen-Darm-Leiden waren die Folgen, an denen der Sinto ein Leben lang zu tragen hatte. Doch ein ärztliches Gutachten bescheinigte ihm voller Zynismus, dass die cholesterinarme Kost und die gute Luft in den idyllisch gelegenen Lagern unmöglich für seine Gesundheitsprobleme verantwortlich gemacht werden konnten. „Wenn schon keine Wiedergutmachung für die Opfer stattgefunden hat, dann sollen sie wenigstens die Kinder und Enkel bekommen“, forderte Oehle. Eine solche Wiedergutmachung könne Bildung sein, die Generationen von Sinti vorenthalten worden sei.

„Seit dem 12. Jahrhundert gehören Roma zur Gesellschaft in Europa“, stellte der Roma Djevdet Berisa klar, der im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen ist. Und mit Blick auf Deutschland fügte er hinzu: „Ich fühle mich als Bürger dieses Landes.“ Zum Abschluss der Feier bat Propst Martin Tenge um Gottes Segen.

Das Beratungsbüro für Sinti und Roma, Am Kanonenwall 15, ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet, Telefon 76 02 28 83, E-Mail: forum-fuer-sinti-und-roma@hotmail.com.

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