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West Nikola Huppertz beweist die Existenz des Weihnachtsmannes
Hannover Aus den Stadtteilen West Nikola Huppertz beweist die Existenz des Weihnachtsmannes
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12:24 22.12.2011
Von Rüdiger Meise
Schnurstracks und sockfuß: Nikola Huppertz in ihrer Wohnung in Linden-Mitte. Quelle: Meise
Linden-Mitte

Kilian marschiert schnurstracks und sockfuß auf den Küchenbalkon. „Den Weihnachtsmann gibt’s ja überhaupt nicht!“, brüllt er, so laut er kann. „Der ist ja nur Babykram!“

Unter diesem Absatz aus dem Buch von Nikola Huppertz ist Kilian gezeichnet, wie er seine desillusionierende Erkenntnis in die Welt schreit. Genauer: In den Hinterhof, in dem ein kahler Baum steht, und hinter einem erleuchteten Fenster schaut eine Katze betreten. Es sieht aus wie der Hinterhof am Lindener Markt, in den die 35-Jährige von ihrer Küche aus blickt.

Seit 2007 veröffentlicht die Mutter von der elfjährigen Magdalena und des siebenjährigen Ferdinand Kinderbücher. Jetzt ist ein neues Buch von ihr erschienen: „Kilian und der unglaublich-sagenhafte Es-gibt-den-Weihnachtsmann-Beweis“. Es geht um den kleinen Kilian, der sich auf Weihnachten freut, bis Pia von den Vorschulkindern ihm die schlechte Nachricht bringt, dass es eben keinen Weihnachtsmann gibt. Zum Glück gibt es aber in der Nachbarschaft die „WehGeh“ von Gert, Stine und Tobi, und die drei erklären Kilian, dass es den Weihnachtsmann sehr wohl gibt. Zum Beweis zeigen sie ihm die Homepage von Knecht Ruprecht im Internet.

„Die Seite gibt’s wirklich“, sagt Nikola Huppertz. Beim Surfen im Internet ist sie darauf gestoßen – und schnell war die Idee zum Weihnachtsbuch entstanden. Auf Erwachsene mag der Bezug des Weihnachtsmanns zur virtuellen Welt befremdlich wirken, gesteht sie – und ihre Wangen leuchten weihnachtlich rot. „Aber die Kinder bewegen sich mit großer Natürlichkeit in dieser Welt.“ Tatsächlich liegt der Gedanke nah, dass der Weihnachtsmann die gigantische logistische Herausforderung, alle Kinder der Welt in nur einer Nacht zu beschenken, nur mit Computer und Internet hinbekommt – und mithilfe der Zeitverschiebung. „Und endlich konnte ich mal eine WG in einem meiner Bücher unterbringen und eine Freundschaft der WG-Bewohner zu einem Kind.“ Das wollte sie schon immer mal, sagt sie.

Mit dem Schreiben hat Huppertz begonnen, als 2007 ihr zweites Kind – Ferdinand – in den Kindergarten kam. „Um ein Ventil für das Chaos des Lebens zu finden“, wie sie heute lachend sagt. Eine berufliche Perspektive in ihren ehemaligen Studienfächern Musik und Psychologie hat sie damals nicht gesehen – „aber ein Kinderbuch wollte ich schon immer schreiben“. Mit ihrem Debütroman „Karla, Sengül“, eine deutsch-türkische Freundschaftsgeschichte zweier Mädchen, gewann sie auf Anhieb einen Literaturwettbewerb. Seitdem veröffentlicht sie ein Buch nach dem anderen.

Das Spektrum reicht vom Bilderbuch für Leseanfänger bis zum 300-seitigen Jugendbuch. Der Anspruch der Autorin an ihre kleinen Leser ist allerdings immer gleich: hoch. „Egal in welchem Alter, die Kinder sollen sich beim Lesen ein bisschen recken müssen“, sagt sie. „Jedes Buch muss so gut sein, dass es nicht nach dem ersten Lesen ausgedient hat.“ Um diesen Anspruch zu erfüllen, arbeitet sie auch bei Kinderbüchern mit Metaphern, Sprachbildern, eigenen Wortschöpfungen und Lautmalerei. Auch längere Sätze müssen ihre kleinen Leser verdauen können. Ein Beispiel?

„Wer dafür ist, Finger hoch!“ ruft Lisann. Und diesmal klingt es  wie geschmolzene Bitterschokolade mit rotem Pfeffer.

Die Wangen von Nikola Huppertz beginnen wieder weihnachtlich zu leuchten, wenn sie sich über „so viel Müll“ aufregt, den es gerade für Erstleser auf dem Markt gebe. „Alle Altersgruppen haben gute Bücher verdient“, schimpft sie. Kinderliteratur sei eine Literaturgattung wie jede andere auch. Vielleicht liegt genau da das Geheimnis ihres Erfolges: Dass sie ihre Leser ernst nimmt, auch wenn sie klein sind.

Sie selbst denkt, dass sie den Erfolg vor allem ihrer Hartnäckigkeit verdankt. Die half ihr, anfangs mit Absagen fertig zu werden, und die lässt sie ständig an ihrem Stil feilen – ebenso wie an den Formulierungen ihrer Texte. „Gerade was beim Lesen beschwingte Leichtigkeit vermittelt, ist oft das Ergebnis von harter Arbeit und hoher Professionalität“, sagt sie. Unterhaltungsmüll verabscheut sie ebenso wie ihr Ehemann Thomas – ein Profi-Geiger. Deshalb gibt es in der Wohnung am Lindener Marktplatz auch keinen Fernseher.

Zwar wird Nikola Huppertz (bislang) nicht reich von den Tantiemen, Manuskriptvorschüssen und Honoraren für Lesungen – aber das alles hilft dabei, das Chaos des Lebens zu strukturieren und zu kanalisieren. Wenn beispielsweise ein ärgerlicher Nachbar klingelt, weil Sohn Ferdinand wieder einmal laut Schlagzeug übt, dann könnte diese Situation nicht nur kompliziert zu lösen sein, sondern gleichzeitig auch Inspiration für eine neue Geschichte bieten.

Das Buch „Kilian und der unglaublich-sagenhafte Es-gibt-den-Weihnachtsmann-Beweis“ für Kinder ab vier Jahren ist im Arena-Verlag erschienen und kostet 12,99 Euro. Es hat 32 Seiten, misst 28,6 mal 22,2 Zentimeter und wurde illustriert von Ina Hattenhauer.

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