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West Linden-Nord sucht nach Lösung gegen Partylärm
Hannover Aus den Stadtteilen West Linden-Nord sucht nach Lösung gegen Partylärm
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00:16 12.02.2018
„Wir haben darum gebeten, auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen“, Hans-Michael Krüger, Faust-Geschäftsführer. Quelle: Foto: Behrens        
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Linden-Nord

Der Lärm von Partygängern in Linden-Nord ist zum Streitfall geworden. Nachbarn beschweren sich über die nächtliche Ruhestörung durch Feiernde vom Faust-Gelände oder Alkoholisierte auf der Limmerstraße. Um das Problem anzugehen, gab es im Bezirksrat Linden-Limmer jetzt eine Anhörung mit Anwohnern, Partymachern, Sozialarbeitern und der Polizei. Deutlich wurde: Keiner will die Partyfraktion aus Linden-Nord vertreiben, aber alle wünschen sich mehr Rücksichtnahme. Ziel ist es, mit der Stadt ein Konzept zu erarbeiten, wie dieser Spagat gelingen kann. Zugleich will die Verwaltung neue Ordnungshüter einsetzen, die sich stadtweit um mehr Sicherheit im öffentlichen Raum kümmern.

Das sagen die Nachbarn

 Vor allem Anwohner, die nahe des Faust-Geländes wohnen, fühlen sich gestört. „Ich schlafe direkt in der Einflugschneise, und der Lärm macht mich krank“, erregte sich eine Bewohnerin aus der Nedderfeldstraße. Auf der Dornröschenbrücke werde mit tragbaren Musikgeräten bis spät in die Nacht Krach gemacht, ergänzte eine andere Anwohnerin. „Das ist keine Banalität mehr.“ Ein weiterer Nachbar berichtete, er gehe selbst gern zu Faust und habe erfahren, dass Störenfriede, die man anspreche, durchaus verständig seien. „Das Problem ist aber: Es kommen jeden Abend neue.“

Die Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord (NIL) kämpft seit Jahren gegen den nächtlichen Partylärm, ist bei der Stadtverwaltung aber bisher weitgehend abgeblitzt. Im vergangenen September legte die NIL nach und verschickte eine 16 Punkte umfassende Liste an Stadt und Politiker mit sehr weitreichenden Forderungen. Dazu gehören etwa Platzverweise für Partygänger, die wiederholt auffällig werden, mehr Lärmschutzauflagen für Faust, ein Verbot von transportablen Musikanlagen und ein Ordnungsdienst, der im Sommer täglich von 16 bis 8 Uhr im Einsatz ist; zudem soll es nicht mehr als drei sommerliche Freiluftgroßveranstaltungen im Stadtteil geben. In der Anhörung trug NIL-Sprecher Björn Strauch die Forderungen allerdings nicht mehr vor, obwohl Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube ihn dazu aufforderte. Entsprechend sahen die Politiker an diesem Abend keinen Anlass, darüber zu diskutieren.

Das sagen Partymacher

 Faust-Geschäftsführer Hans-Michael Krüger zeigte Verständnis für die Beschwerden der Anwohner – man sei schon aufeinander zugegangen. So hat Faust auf seiner Internetseite einen Aufruf mit der Bitte veröffentlicht, auf Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Es gebe Überlegungen wie in Berlin einen „Fair-Kiez“ zu propagieren, wo mit Piktogrammen, Pantomimen und anderen informativ-spielerischen Mitteln auf das Problem hingewiesen werde. Denkbar sei, mit Kiosken und dem Rewe-Markt über Öffnungszeiten und den Alkoholverkauf zu diskutieren. Jürgen Grambeck vom Musikclub Béi Chéz Heinz erklärte, Partygäste würden von seinen Mitarbeitern zur Bahnstation begleitet, damit sie auf dem Heimweg nicht zu viel Krach machten. Außerdem gebe es in dem Club ein „Notruftelefon“, damit Anlieger auf Ruhestörungen hinweisen könnten.

Das sagen Sozialarbeiter

 Die Fachkräfte des Karl-Lemmermann-Hauses kümmern sich im Auftrag der Stadt vor allem um Obdachlose auf der Limmerstraße. Zu vielen bestehe guter Kontakt, berichtete Sozialarbeiterin Claudia Taube. Beschwerden von Passanten seien „relativ selten“. Mit den Partygängern in Kontakt zu treten, ist den Fachkräften schon deshalb nicht möglich, weil sie um 18 Uhr Feierabend haben.  

Das sagt die Polizei: Für die Einsatzkräfte sei die nächtliche Ruhestörung keine „Kernaufgabe“, erklärte Guido von Cyrson, Leiter der Polizeiinspektion West. Fälle von Vandalismus an Autos im Umfeld von Faust seien den Beamten ebenso bekannt wie Lärmbelästigungen. Dennoch machten solche Delikte nur einen kleinen Teil der Polizeiarbeit aus. Von Cyrson fasste die Sichtweise der Polizei zusammen: „Objektiv gibt es keine Problemlage, gleichwohl wissen wir, dass es diesen Stadtteil bewegt.“ 

Das sagen die Politiker

  Grünen-Fraktionschef Daniel Gardemin erklärte, möglichst bis zur Freiluftsaison müssten „Ideen entwickelt werden, die allen helfen“. Ein wichtiger Baustein könnten die neuen Ordnungskräfte sein, die die Stadt auf die Straßen schicken will, nach derzeitigem Stand aber nur bis 22 Uhr. Er forderte ein „Nacht-Konzept“, das darüber hinaus geht. Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube begrüßte die Vorschläge von Faust. SPD-Fraktionschef Eike Geffers sprach sich für „kleinräumige Lösungen“ aus. David Müller, Chef der Linken-Fraktion, plädierte dafür, lärmenden Studenten zu empfehlen, „etwas früher ins Bett zu gehen“.

Das sagt die Stadt

Im Sicherheitskonzept ist vorgesehen, ab März bis zum Sommer 50 Ordnungskräfte einzustellen, die täglich in ganz Hannover unterwegs sind. Wie viele zu welchen Zeiten in Linden eingesetzt werden, konnte Stadtsprecher Udo Möller auf Anfrage noch nicht beziffern. Schon jetzt sind nach seinen Worten von April bis September an Wochenenden und vor Feiertagen zwei Sicherheitskräfte von 20 bis 4 Uhr in der Limmerstraße im Einsatz. Grundsätzlich gehe es um eine „Abwägung zwischen den Wünschen der Anwohner und dem Leben in einer Großstadt.“ Und: „Fest steht, dass wir in Linden-Nord mehr tun als in Isernhagen-Süd.“

Von Juliane Kaune

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