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Passanten in Linden beschweren sich über Suchtkranke

Methadon-Praxis Passanten in Linden beschweren sich über Suchtkranke

Seit einigen Monaten klagen Passanten und Anwohner der Methadon-Praxis in Linden-Süd über aggressives Verhalten der Patienten. Die Stadt will mit dem Arzt nach Lösungen suchen.

Linden-Süd. Lange Zeit war es ruhig um die Methadon-Praxis in Linden-Süd. Seit einigen Monaten aber rumort es rund um das Haus in der Deisterstraße 19, in dem Suchtkranke während ihres Heroinentzugs mit dem synthetischen Ersatzstoff Methadon versorgt werden. Nachbarn und Passanten hätten sich mehrfach bei Bezirksratsmitgliedern über das geballte Auftreten der Patienten beschwert, berichtet Uwe Horstmann, SPD-Fraktionschef im Bezirksrat Linden-Limmer. Da werde sehr viel Alkohol getrunken und gepöbelt. Auch Hannovers Drogenbeauftragter blickt mit Sorge auf den Missstand in der Deisterstraße. „Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst“, sagt Alfred Lessing.

In einer Anfrage an die Stadtverwaltung hatte die SPD-Fraktion die Klagen der Anwohner geschildert. Demnach treten Suchtkranke häufig geballt neben dem Penny-Markt in der Deisterstraße auf, der knapp 200 Meter von der Methadon-Praxis entfernt liegt. Auch in der nahegelegenen Auestraße seien viele der Patienten anzutreffen. Die Stadt wies in ihrer Antwort darauf hin, dass es bereits im Mai „erste Abstimmungsgespräche“ zwischen Stadtbezirksmanger, Vertretern der Polizei und dem Drogenbeauftragten gegeben habe. Ergebnis: Der Arzt der Methadon-Ausgabestelle, Konrad Cimander, soll noch einmal auf seine Verantwortung gegenüber den Patienten hingewiesen werden. Und Streetworker aus den Drogenhilfeeinrichtungen sollen auf die Suchtkranken einwirken, die im Umfeld der Praxis unangenehm auffallen.

„Gute Worte bringen aber offenbar wenig“, urteilt Hannovers Drogenbeauftragter, nachdem er mit den Streetworkern über deren Erfahrungen mit der auffälligen Gruppe gesprochen hat. Am vergangenen Montag hatte Lessing sich selbst ein Bild von der Situation gemacht hat. „Trunk und Streit“, fasst er seinen Eindruck zusammen. Als er an der Auestraße war, hatten sich gerade zwei geprügelt und die Polizei rückte an.

Die Geschehnisse rund um die Methadon-Praxis bereiten dem Drogenbeauftragten auch deshalb Sorgen, weil damit die Akzeptanz bei den Einwohnern des Viertels schwindet. „Die Patienten tun sich selbst keinen Gefallen damit, wenn sie aggressiv auftreten“, sagt Lessing. In der Verantwortung sieht der Drogenbeauftragte aber vor allem den Mediziner: „In erster Linie ist Herr Cimander für seine Patienten verantwortlich.“ Dieser müsse dafür sorgen, dass seine Patienten in einem Umfeld von einem Kilometer nicht auffällig werden. Alfred Lessing weiß aber auch um die Schwierigkeiten, die Ärzte der Methadon-Praxen haben. Immer weniger wollen Suchtkranke versorgen, in den verbliebenen Methadon-Ausgabestellen drängen sich die Patienten. „Die Praxen werden voller und voller“, sagt Lessing.

Das bestätigt Konrad Cimander, der seit 19 Jahren an sieben Tage in der Woche Methadon an Menschen ausgibt, die abhängig von Heroin sind oder waren. Ursprünglich habe er in der Deisterstraße gemeinsam mit zwei angestellten Kollegen 150 Patienten versorgt, sagt der weit über Hannovers Grenzen hinaus bekannte Suchtexperte. Seit gut einem Jahr seien es zwischen 180 und 200, behandeln dürfe er sogar 300 Drogenkranke. „Eine solche Größenordnung ist aber sowohl für meine Praxis als auch für Linden-Süd nicht mehr zu vertreten.“

Cimander will nicht ausschließen, dass einige seiner Patienten im Umkreis der Praxis aggressiv auftreten. „Viele sind nicht konfliktfähig“, sagt er. Zu der auffälligen Gruppe gehörten aber ebenso Alkoholkranke wie auch Drogenabhängige, die nicht am Methadon-Programm teilnehmen und nicht behandelt werden wollen. Er selbst weise seine Patienten regelmäßig darauf hin, dass die Praxis infrage gestellt und die Methadon-Versorgung gefährdet werden könnte, wenn sie zu Beschwerden Anlass geben, versichert Cimander. „Ich habe ihnen mehrfach gesagt: Ihr müsst euch benehmen.“

Der Suchtexperte betont aber auch, dass die Versorgung mit Methadon dort geschehen muss, wo die Patienten sind. Und viele von ihnen wohnten nun einmal in Linden oder kämen aus dem benachbarten Ricklingen. Zwischen 600 und 1000 Menschen in diesem Gebiet sind nach Schätzungen des Arztes abhängig von Heroin. Noch in dieser Woche will Konrad Cimander sich mit Hannovers Sozialdezernenten Thomas Walter und dem Drogenbeauftragten Alfred Lessing treffen. „Dann wollen wir in Ruhe darüber sprechen, was man machen kann“, sagt er.

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