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West „Ein aktiver Teil der Stadtkultur“
Hannover Aus den Stadtteilen West „Ein aktiver Teil der Stadtkultur“
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02:15 15.07.2015
Tag der offenen Container: Das "Platzprojekt" an der Fössestraße lädt Besucher zum Kennenlernen ein. Quelle: Hagemann
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Linden-Mitte

Kreativität braucht Räume. Einen brachliegenden Parkplatz etwa, abgelegen am Lindener Hafen. Seit einem Jahr entwickelt sich in der Fössestraße eine bunte Containersiedlung zur Keimzelle der hiesigen Kreativindustrie. 50 Euro kostet ein Stellplatz im Monat, die ausrangierten Überseecontainer lassen sich für ein paar Hundert Euro im Internet besorgen. 
19 Projekte, Vereinsräume, Werkstätten und Ateliers haben sich bereits auf der Brache angesiedelt. „Die Nachfrage ist riesig, offensichtlich hat so etwas in Hannover gefehlt“, sagt Bianca Thoma, eine der ehrenamtlichen Organisatorinnen.

Das Epizentrum der jungen, hiesigen Kreativszene lädt zum Tag der Offenen Tür: Beim "Platzprojekt" in Linden-Mitte bilden Künstler und Lebenskünstler, Designer, Musiker, Gärtner sowie Gastronomen eine kreative Gemeinschaft.

Unlängst ist man auch im Rathaus auf die jungen Macher im Industriegebiet aufmerksam geworden, die mit wenig Mitteln viel Raum für innovative Unternehmungen schaffen. Vor Kurzem hatte Personaldezernent Harald Härke, der als künftiger Kulturdezernent im Gespräch ist, das Gelände bereits gemeinsam mit Oberbürgermeister Stefan Schostok besichtigt. „Das Platzprojekt ist zu einem aktiven Teil der Stadtkultur geworden“, sagte Härke begeistert. Um dem Projekt langfristige Sicherheit zu verschaffen, erwägt die Verwaltung sogar den Erwerb des Geländes, sollte das Grundstück irgendwann zum Verkauf stehen. Derzeit pachtet ein gemeinnütziger Trägerverein die Brache von der Metro AG, die angrenzend einen Supermarkt betreibt. Der Kauf sei eine Option, sagte Härke am Wochenende auf dem Sommerfest des Containerprojekts. Dort nahm er teil an einer Diskussionsrunde zum Thema „Die Neuerfindung von Räumen als innovatives Modell zur wirtschaftlichen und kulturellen Stadtentwicklung“.

Auf ausrangierten Sofas, Euro-Paletten oder einfach auf dem Asphalt hockend, verfolgten zahlreiche Besucher die Gesprächsrunden. „Jugend braucht Räume, und die Stadt hat keine Räume“, brachte der Architekt und Stadtplaner Klaus Habermann-Nieße einen Grund für das Interesse der Stadt an dem Pionier-Projekt auf den Punkt. „Die meisten hier sind Anfang 20, fertig mit dem Studium und wollen etwas ausprobieren“, beschrieb Robin Höning, einer der Projekt-Erfinder, die typischen Containernutzer. In einem hat eine junge Kostümdesignerin eine „Kleiderbibliothek“ eingerichtet. Für ein paar Euro können bei ihr originelle Secondhand-Klamotten geliehen werden. Ein anderer Mieter plant gerade ein Nachhaltigkeits-Hotel. Der Clou: Jeder Gast zahlt nur den Übernachtungspreis, den er für angemessen hält oder sich leisten kann. Auf dem Platz gibt es außerdem Bierbrauer, eine Montessori-Kinderbetreuung sowie junge Modedesigner und Fahrradbauer.

Für einen „Open Space“-Kultur- und Konzertcontainer hat sich eine Gruppe junger Kulturschaffender gerade 25.000 Euro Startkapital aus dem städtischen Innovationsfonds für Kunst und Kultur der Stadt gesichert. Der Bund fördert das gesamte Platzprojekt im Rahmen des Förderprogramms „Jugend.Stadt.Labor“ mit 120.000 Euro. Das Geld fließt überwiegend in den Aufbau der groben Infrastruktur. Noch gibt es weder fließend Wasser, Internet oder einen Stromanschluss auf dem Parkplatz. „Wichtig ist, dass alle Unternehmungen einen forschenden Ansatz haben“, erklärt Platz-Organisatorin Bianca Thomas die Kriterien, nach denen neue Container dazukommen können.

„Weil es so gut ist, muss man gucken, wie sich das Ganze verstetigt“, versprach Stadtvertreter Härke auch in Zukunft Unterstützung. Dabei gehe es nicht darum, dass die Verwaltung sich das selbst verwaltete Projekt einverleibt, sondern um eine fruchtbare Kooperation. „So etwas braucht Luft zum Atmen“, so Härke.     

Von Mario Moers

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