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West Ricklingen debattiert über Sicherheitskonzept
Hannover Aus den Stadtteilen West Ricklingen debattiert über Sicherheitskonzept
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00:30 20.05.2018
Ansprechpartner vor Ort: Die ehrenamtlichen Platzhelfer Omar Bouguelil (v. li.), Michael Zobel und Rigobert Gruber des Karl-Lemmermann-Hauses schalten sich bei Konflikten auf dem Schünemannplatz ein.  Quelle: Frank Wilde
Ricklingen

Wie viel Ricklingen steckt im neuen Sicherheitskonzept der Stadt? Bislang nicht viel – so empfand es der Bezirksrat Ricklingen in seiner jüngsten Sondersitzung. Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe, derzeit auf Präsentationstour durch alle 13 Stadtbezirke, muss nach Meinung des Stadtteilgremiums noch erheblich nachbessern. Das habe er auch vor, versicherte von der Ohe. Darüber, wie das gelingen soll, waren sich die politischen Fraktionen jedoch uneins. Vor allem um die Ausstattung eines neuen Ordnungsdienstes – Kern des Konzepts – wurde gestritten. 

Budget von 4 Millionen Euro

„Wir wollen keine Schwarzen Sheriffs“, betonte der Ordnungsdezernent. Mit diesem Begriff sind Vertreter privater Sicherheitsdienste gemeint, die unter anderem in München oder Frankfurt/Main wegen rüder Methoden heftig kritisiert wurden. Hannover will seine sogenannte Servicegruppe Innenstadt mit derzeit zehn Mitarbeitern zu einem Ordnungsdienst mit mindestens 50 Mitarbeitern ausbauen. Sie sollen mit der Polizei zusammenarbeiten und unter anderem gegen organisierte Bettelei, Lärm, Vandalismus oder Vermüllung vorgehen. Die Teams sollen auf Spielplätze aufpassen oder gegen wildes Plakatieren vorgehen. Auch Trinkergruppen sollen in der City beobachtet werden. Paarweise werden die neuen Ordnungskräfte auf den Straßen unterwegs sein.

Aus dem gut 4 Millionen Euro umfassenden Budget für das neue Sicherheitskonzept werden allein etwa 2,5 Millionen Euro für Personalkosten aufgewendet. Mindestens die Hälfte von Personal und Arbeitszeit kommt allerdings der Innenstadt zugute – aus Sicht der Verwaltung ist das konsequent. In der City sei einfach mehr los, erklärte von der Ohe.

Wie andere Bezirksräte kritisierten aber auch die Ricklinger Politiker, dass damit für die übrigen zwölf Stadtbezirke zu wenig Kräfte übrig blieben. „Straßenmusik oder Bettelei sind keine Ricklinger Probleme“, sagte SPD-Fraktionschefin Sophie Bergmann. Der Verkehr im Stadtbezirk oder die Sicherheit an Orten wie dem Schünemannplatz oder dem Butjerbrunnenplatz – das seien Themen für den Aufgabenzettel des Ordnungsdienstes. Zudem reichten die Einsatzzeiten nicht aus. Montags bis sonnabends, jeweils in der Zeit von 8 Uhr bis 22 Uhr, sind die Patrouillen unterwegs. Gerade im Sommer seien diese Zeiten unzureichend, fand Bergmann. Auch andere Bezirksräte hatten dies kritisiert.

Kooperation mit der Polizei

Aus Sicht der AfD-Fraktion ist zudem die Ausstattung der Ordnungskräfte nicht sicher genug. Neben Reizgas und Stichschutzwesten zur Selbstverteidigung sollten die Mitarbeiter auch Schlagstöcke einsetzen dürfen, fand AfD-Bezirksratsherr Markus Karger, der selbst bei der Polizei arbeitet. Damit würde die Gruppe schon durch ihr Auftreten in die Nähe der umstrittenen Schwarzen Sheriffs gerückt. Zuspruch bei den anderen Fraktionen fand die AfD nicht. Auch von der Ohe blieb dabei: Der Ordnungsdienst soll deeskalierend auftreten. „Zugespitzte Situationen sind und bleiben Sache der Polizei.“

Bis zur Sommerpause will die Stadt die Gruppe beisammen haben. Wann sie erstmals in Ricklingen auftreten wird, ist noch unklar. Auch über die Möglichkeit, wie Bürger den Ordnungsdienst bei Problemlagen anrufen können – das sollen sie dürfen – muss sich die Stadt noch Gedanken machen. Nach derzeitigem Stand soll sich zumindest für den Schünemannplatz vorerst nichts ändern: Die dortigen Trinkergruppen werden nach wie vor von Sozialarbeitern des Karl-Lemmermann-Hauses betreut. Mehr sei erst einmal nicht nötig, sagte Hans-Wilhelm Müller, Chef des Ricklinger Polizeikommissariats. Er sieht den Ordnungsdienst positiv: „Wir werden uns gut ergänzen.“

Der Bezirksrat will darüber hinaus von der Stadt konkrete Vorschläge für Ricklingen hören. Den Politikern geht es um Themen wie Vermüllung und Sicherheitsempfinden – etwa darum, ob und wie der Ordnungsdienst die Abfallfahnder von Aha ergänzen könnte.

Im zweiten Halbjahr wolle er wiederkommen, kündigte von der Ohe an. Und dann soll das Konzept auch deutlich mehr Ricklingen enthalten.

Von Marcel Schwarzenberger

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