Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Der letzte Deichgraf von Ricklingen
Hannover Aus den Stadtteilen West Der letzte Deichgraf von Ricklingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 28.01.2018
Klaus Dieter Scholz ist vielleicht der letzte offizielle Ricklinger Deichgraf. Quelle: Schwarzenberger
Ricklingen

Klaus Dieter Scholz ist Ricklinger und Deichgraf. Was bedeutet: Er kennt sich mit Wasser aus, das an Orten fließt, wo es nicht unbedingt hingehört. Zu erleben war so etwas in den vergangenen Wochen nach Dauerregen, etwas Harz-Schnee und vorläufiger Schneeschmelze. Inzwischen hat sich die Hochwasserlage rund um Hannover entspannt; „vorm Deich“ aber waren jüngst noch Seen zu bewundern, wo es normalerweise keine gibt. Viele alteingesessene Ricklinger, das weiß Scholz aus Gesprächen, sahen das jüngste Hochwasser indes weitgehend gelassen. Das war nicht immer so.

30 Millionen für Deich und Brücke

Im vergangenen Sommer kamen ebenfalls Hochwasserfluten angerauscht. Der Grundwasserspiegel stieg; Leine und Beeke – der Flusslauf heißt außerhalb Ricklingens Ihme – traten über ihre Ufer. Damals verschloss die Stadt das Deichtor an der Düsternstraße, aber größere Überschwemmungen blieben aus. Auch dank der neuen Schutzanlagen: Rund 30 Millionen Euro investierte die Stadt seit 2008 in den Ausbau des Ricklinger Deichs, in eine breitere Benno-Ohnesorg-Brücke über die Ihme sowie in Abgrabungen am Ihmeufer zwischen Linden und Calenberger Neustadt. „Wir in Ricklingen haben den Eindruck, dass all diese Maßnahmen auch helfen“, sagt Scholz. Das Wasser fließe über die Beeke wesentlich schneller ab als vor den Abgrabungen.

Das bisherige Winterhochwasser sei denn auch kaum mit jenem vom Januar 2003 zu vergleichen, sagt Scholz. „Damals kam das Wasser bis zur Mauer vom Michaelisfriedhof; der Parkplatz am Kneippweg stand unter Wasser.“ Auch etliche Sportplätze waren geflutet, beim TuS Rick­lingen zum Beispiel. Seinerzeit waren auch die Gärten der Kleingartenanlage An der Bauerwiese kaum noch erreichbar; die Pächter hatten alles bewegliche Mobiliar aufgebockt, um es vor den erwarteten Fluten zu schützen. Immerhin: Das Frühwarnsystem funktioniere in der Landeshauptstadt hervorragend, findet der amtierende Deichgraf, der seit 2011 christdemokratischer Bürgermeister Hannovers ist. Zuerst reagiere das Tiefbauamt der Stadt, in dessen Werkhof an der Stammestraße die mobilen Deichtore lagerten. Mit den sogenannten Scharts würden Durchlässe verschlossen und bei Bedarf mit Sandsäcken verstärkt. Im Fall der Fälle rücke zudem die städtische Feuerwehr zur Deichverteidigung an. In diesem Winter jedoch blieb das Deichtor offen – bislang jedenfalls.

Hochwasser schafft Seen

Jenseits des Deichs schuf ein vergleichsweise harmloses Hochwasser vorübergehend eine neue Landschaft. Wo sonst trockenes Weideland liegt, schwappte ein See an den Horst-Schweimler-Weg. Der Bee­kestrand verschwand kurz hinter dem Deichtor an der Düsternstraße im Wasser; der Weg wurde für Spaziergänger gesperrt. In Situationen wie diesen rufen besorgte Ricklinger auch mal beim Deichgrafen Scholz an. „Ich gebe diese Beobachtungen immer an die Stadt weiter.“ Er selbst lenke seine Spaziergänge derzeit auch verstärkt zum Deich. Um den Ricklinger Hochwasserschutz stehe es hervorragend, findet Scholz. Seit Sommer 2017 ist er als 22. Deichgraf im Amt. Die Ricklinger CDU wählt gemeinsam mit dem Deichgrafen-Collegium jedes Jahr einen verdienten Ricklinger Bürger. Vereinsvorsitzende, Gewerbetreibende, aber auch Politiker anderer Parteien warben als Deichgrafen für den Ausbau des Hochwasserschutzes. Es ist ein symbolisches Amt. „Aber das Thema wurde durchaus auch bei der Stadtverwaltung wahrgenommen.“

Mit dem verheerenden Hochwasser von 1946, das letztlich zum Bau des ersten Ricklinger Deichs führte, verbinden viele Familien im Stadtteil schlimme Erinnerungen. Groß war die Erleichterung, als die Stadt die Verlängerung des Ricklinger Deichs ankündigte und alte Schwachstellen verstärkte. Der letzte Akt läuft; auch Teile des Edelhofs werden derzeit verstärkt. Voraussichtlich im Frühjahr sei das vollendet, sagt Scholz. Danach will Bezirksbürgermeister Andreas Markurth ein Bürgerfest zum Abschluss der Ausbauarbeiten anregen.

Ob die CDU im Sommer wieder ihr traditionelles Deichfest samt Ernennung eines neuen Deichgrafen feiert, steht noch nicht fest. Die wichtigsten Ziele seien ja erreicht, sagt Scholz. Gut möglich also, dass der Christdemokrat der letzte Ricklinger Deichgraf ist.

Von Marcel Schwarzenberger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Ehepaar aus Wettbergen fordert von der Stadt eine Einbahnstraße und einen Verkehrsspiegel, der ihnen das Ausparken erleichtern soll – und unterliegt vor dem Amtsgericht Hannover. 

26.01.2018

Die Solaranlagen der Lindener Gesamtschule haben sich als äußerst nützlich erwiesen: Mit ihrer Hilfe konnten die solarbetriebenen Akkus eines transportablen Filmprojektors auch in der dunklen Jahreszeit aufgeladen werden.

25.01.2018
West Stadt Hannover investiert in Schulen - Diese Schultoiletten lässt die Stadt sanieren

Die Stadt investiert 24,3 Millionen Euro in die Sanierung von Schultoiletten. 35 Schulen und schulnahe Einrichtungen profitieren von dem Sonderprogramm, das diesen Sommer startet.

24.01.2018