Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Feuerwehr fehlt der Nachwuchs

Ricklingen Feuerwehr fehlt der Nachwuchs

Ricklinger Ortswehren brauchen mehr Mitglieder, damit sie sich bei einem anstrengenden Einsatz häufiger ablösen können. Wettbergens Brandmeister sorgt sich bereits um die Einsatzfähigkeit.

Voriger Artikel
Stromausfall in drei Stadtteilen
Nächster Artikel
Spaziergänger finden Granate

Ortsbrandmeister Frank Weinhold wünscht sich mehr Interessenten.

Hannover. Sie sind immer dann vor Ort, wenn Hilfe gebraucht wird: Die Frauen und Männer der drei Freiwilligen Feuerwehren im Stadtbezirk rücken nicht nur bei Bränden aus. Auch Einsätze bei Unfällen, bei Hochwasser oder Bombenfunden zählen zu den Aufgaben der Kernmannschaften. 36 ehrenamtliche Mitglieder sind in Ricklingen aktiv, 35 in Wettbergen und 23 in Bornum. Damit sind die Ortswehren einsatzfähig. Doch es zeichnet sich ab, dass die Helfer selbst bald Hilfe brauchen: Den Wehren fehlen Nachwuchskräfte. „Wir haben rückläufige Zahlen“, warnt Wettbergens Ortsbrandmeister Hartmut Voß. Und er sagt: „Meine Einsatzabteilung leidet.“

Schon jetzt macht sich bei der Wettberger Wehr und den anderen beiden Ortswehren zunehmend ein Problem bemerkbar: Sie brauchen mehr Reservekräfte. Diese wären vor allem wichtig, damit sie sich bei einem anstrengenden Einsatz häufiger ablösen können. Derzeit gingen diese oft bis an die Grenzen ihrer physischen Belastbarkeit, sagt Voß. Um deutlich zu machen, was das bedeutet, schildert er einen Einsatz vom August vergangenen Jahres, als starker Regen mitten in der Ferienzeit großflächige Überschwemmungen in der Region Hannover verursacht hatte. Auch zwölf Feuerwehrleute aus Wettbergen waren ausgerückt, um zu helfen. Gut fünf Stunden waren sie im Einsatz, von kurz vor 21 Uhr bis nach zwei Uhr nachts. Sie alle waren zuvor ihren regulären Berufen nachgegangen. „Einige Kameraden sind trotz ihres Einsatzes am nächsten Morgen dann wieder zur Arbeit gegangen“, berichtet Voß. Sie hätten im Job nicht fehlen oder Probleme mit dem Arbeitgeber vermeiden wollen.

Für den Ortsbrandmeister ist die Sache klar: „In solchen Fällen wäre es gut, eine größere Reserve zu haben.“ Doch den drei Wehren im Stadtbezirk gelingt es nicht, eine solch nachhaltige Ersatztruppe aufzubauen, weil der Nachwuchs fehlt. Ältere Feuerwehrleute sind nicht mehr bei jedem der körperlich anstrengenden Einsätze dabei - auch, weil sie viele andere Verpflichtungen haben. „In den nächsten Jahren werden einige dieser Kameraden ganz aufhören“, sorgt sich Voß. Mit den verbleibenden Kräften würden gerade die schwereren und länger andauernden Einsätze immer mehr zur Kraftprobe.

Geht es nach den offiziellen Vorgaben, ist die Wettberger Wehr nicht unterbesetzt. „Laut Feuerwehrverordnung müssen wir in Wettbergen 26 Einsatzmitglieder einschließlich Reserve vorhalten“, sagt Voß. Doch diese Zielzahl kann den Ortsbrandmeister angesichts des Nachwuchsmangels nicht beruhigen. In den Achtzigerjahren, gibt er zu bedenken, zählte die Wettberger Einsatzgruppe noch 45 Mitglieder. „Damals gab es in der Stadt und in der Umgebung mehr Arbeitsplätze“, erklärt Voß. Heute sei der Markt angespannter - ein zeitraubendes Engagement bei der Feuerwehr kommt beim Arbeitgeber nicht immer gut an. Rund 120 Alarmfahrten verzeichneten die drei Ricklinger Ortswehren im vergangenen Jahr. Hinzu kommen Übungen, Zusatzausbildungen und Sondereinsätze. 2013 waren die Ricklinger unter anderem beim Elbehochwasser in Magdeburg dabei und unterstützten die Berufsfeuerwehr bei einer Bombenentschärfung in Hannovers City.

Auch Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange wirbt um mehr Nachwuchs für die Ortswehren. „Das Ehrenamt spielt eine wichtige Rolle“, betonte er jüngst im Bezirksrat Ricklingen, wo er mit Voß, dem Ricklinger Ortsbrandmeister Frank Weinhold und Sven Leinenweber von der Freiwilligen Feuerwehr Bornum die Situation der Wehren schilderte. Jugendwehren haben bereits alle drei Vereine, seit einigen Jahren auch Kinderabteilungen für Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren. Mal eine Handvoll, mal bis zu zehn Kinder machen mit; die Jugendabteilungen sind meist etwas größer. Doch Ganztagsschulbetrieb, konkurrierende Freizeitangebote und eine überregionale Suche nach Ausbildungsplätzen machten eine langjährige Bindung an eine Ortswehr immer seltener, berichten die Ortsbrandmeister übereinstimmend.

Es gibt aber nicht nur Probleme: „Wir sind im Stadtteil gern gesehen“, sagt Weinhold. Seine Ricklinger Ortswehr engagiert sich zum Beispiel stark bei Festen. Einen akuten Nachwuchsmangel sieht er für seine Wehr zwar noch nicht. Doch zusammen mit den beiden benachbarten Wehren will auch Weinhold frühzeitig vorsorgen. „Mehr Werbung an den Ricklinger Schulen wäre gut“, schlägt er vor. Auch die Erwachsenen müsste man besser informieren, meint Leineweber. „Viele Bürger fragen sich, was genau die Freiwillige Feuerwehr macht und braucht.“ Passive Unterstützung, etwa durch Förderer, sei ebenfalls willkommen. Ohne die Ehrenamtlichen, stellt Claus Lange klar, kämen auch die 730 hauptberuflichen Feuerwehrleute Hannovers nicht gut zurecht: „Die Freiwilligen Feuerwehren sind überall mit eingebunden.“

17 Ortsfeuerwehren gibt es in Hannover. Sie zählen derzeit 692 aktive Einsatzkräfte, darunter 75 Frauen. Weibliche Einsatzkräfte sind auch im Stadtbezirk Ricklingen in der Minderzahl: Die Aktiven der Ricklinger Wehr haben zwei Frauen in ihrer Mitte, in Wettbergen sind es vier und in Bornum ebenfalls zwei. Alle Ortswehren verfügen über Jugendabteilungen, aber nur 13 haben auch eine Kinderfeuerwehr. Seit dem Jahr 2000 sind die Ricklinger und Bornumer Wehren gemeinsam mit der städtischen Feuer- und Rettungswache 4 an der Nenndorfer Chaussee in Bornum untergebracht. Einen ersten Schritt in Sachen Eigenwerbung macht die Wettberger Ortswehr am Freitag,?1. Mai. Sie lädt ab 14 Uhr zum Tag der offenen Tür in ihr Feuerwehrhaus, Auf dem Kampe 14, ein.

mas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus West

Das Ihme-Zentrum hat viele Facetten, hinter seiner grauen Kulisse verbergen sich Geschichten aus vergangener Kinderzeit, Heimatliebe und Zukunftsträumen. In unserer multimedialen Reportage nehmen wir Sie mit zu einem interaktiven Besuch vor Ort. So haben Sie das Ihme-Zentrum noch nie gesehen – versprochen. mehr

So schön ist Hannover-Linden
So schön ist Hannover-Limmer
Region Hannover