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West Schriftenreihe erinnert an Opfer der Nazis
Hannover Aus den Stadtteilen West Schriftenreihe erinnert an Opfer der Nazis
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12:54 04.08.2011
Von Susanna Bauch
Wider das Vergessen: Die Gedenkstätte Ahlem erninnert an Opfer der Nationalsozialisten aus der Region Hannover.
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Ahlem

Irmgard Bartels und Werner Fahrenholz heißen die beiden Hannoveraner, an deren Schicksale mit neuen Veröffentlichungen in der Schriftenreihe der Gedenkstätte Ahlem der Region Hannover erinnert wird: Zwei grundsätzlich unterschiedliche Personen und doch haben sie zwei Dinge gemeinsam: Beide lebten in der Region Hannover und beide waren aus verschiedenen Gründen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

„Die Diskriminierung hört nie auf“ (Band 8) ist der Titel der Erinnerungen von Werner Fahrenholz. Carlo, so der Spitzname des Mannes, der 1925 in Peine geboren wurde, hat seine Lebensgeschichte Shaun Hermel erzählt hat. Carlo ist Angehöriger der Sinti und somit in den Augen der Nazis ein „arbeitsunwilliger, asozialer Zigeuner“. Seine Erzählungen von den Erfahrungen der Zwangsarbeit, der Zwangskastration und der Flucht vor der Deportation zeigen beispielhaft den nationalsozialistischen Umgang mit Sinti und Roma, eine Opfergruppe, die diskriminiert, verfolgt, misshandelt und ermordet wurde. Carlo überlebte den Faschismus, die Diskriminierung aber hörte für ihn nie auf. Auch in der Bundesrepublik wurde der 2002 verstorbene Sinto weiter als „Zigeuner“ beleidigt.

Im Band 9 der Schriftenreihe erzählt die Tochter einer psychisch kranken Frau die Verfolgungsgeschichte ihrer Mutter. Im Interview mit dem Historiker Raimund Reiter erinnert sich das einzige Kind von Irmgard Bartels daran, wie die Mutter immer wieder in psychiatrische Anstalten eingewiesen wird, nach Langenhagen und Hildesheim. 1941 wird sie schließlich ohne das Wissen und der Zustimmung der Familie nach Hadamar verlegt, wo sie ums Leben kommt.

„Das Schicksal der Irmgard Bartels. Opfer der NS-Psychiatrie in der Region Hannover“ zeigt neben der Geschichte der Hannoveranerin auch die allgemeine Situation der Psychiatrie im nationalsozialistischen Deutschland. Die genaue Opferzahl der NS-Psychiatrie ist nicht bekannt, in der damaligen Provinz Hannover wurden aber 2000 Patienten in Tötungseinrichtungen deportiert. So genannte „Schwachsinnige“ passten nicht in die rassenhygienischen Vorstellung der Faschisten. Sie wurden als arbeitsunfähig und damit unnützig für die „Volksgemeinschaft“ betrachtet. Ein Beitrag von Professor Andreas Spengler und Cornelia Oestereich ergänzt das Gesprächsprotokoll. Die beiden niedersächsischen Psychiater recherchierten zum Umgang mit Patienten in den Anstalten Langenhagen, Ilten und Köthenwald sowie Wunstorf zur Zeit des NS-Regimes.

Die Bände der Schriftreihe der Gedenkstätt sind gegen eine Schutzgebühr von 2,50 Euro unter der Telefonnummer 61 62 22 56 oder im Bürgerbüro der Region Hannover in der Hildesheimer Straße 20 erhältlich.

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