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Seit 100 Jahren für Kinder da

Linden Mitte Seit 100 Jahren für Kinder da

Vom Gertrud-Marien-Heim zur Kita: Die Gemeinde St. Martin in Linden-Mitte feiert ein Jubiläum.

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Multikulti in der Kita: Kinder unterschiedlicher Herkunft und Konfession spielen gemeinsam in St. Martin.

Quelle: Schwarzenberger

Der erste Besuch vor ein paar Monaten im Kindergarten von St. Martin hat bei dem neuen Gemeindepastor Martin Häusler vor allem einen Eindruck hinterlassen: „Die hohen Räume, das alte Haus und die vielen tobenden Kinder – es ist ein wenig wie in der Villa Kunterbunt.“ Das Haus, in dem die Kindergruppen Namen wie „Käfer“ oder „Dinos“ tragen, hat eine lange Geschichte. Seit genau 100 Jahren gibt es den Ziegelbau, der einst unter dem Namen Gertrud-Marien-Heim errichtet wurde. Schon nach Eröffnung 1910 spielte die Kinderbetreuung dort eine wichtige Rolle.

Den Namen hat das Haus von zwei Frauen aus alteingesessenen Lindener Familien: Gertrud Kühnemann und Marie Körting, die 1899 den evangelischen Arbeiterinnenverein gründeten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war auch in Linden das Bewusstsein für die Folgen der Industrialisierung für die Menschen gestiegen. Ein erstes soziales Engagement von Bürgern, Vereinen und Kirchengemeinden mündete unter anderem darin, dass Orte für die Erholung der Fabrikarbeiterinnen geschaffen wurden. Die Freundinnen Kühnemann und Körting richteten zunächst an der Hohen Straße ein sogenanntes Abendheim als Anlaufstelle ein, später zog die Einrichtung an die Ricklinger Straße um. Für Arbeiterkinder, die tagsüber meist sich selbst überlassen waren, wurde im Jahr 1901 ein Hort als Zufluchtsort geschaffen.

Das Abendheim platzte bald aus allen Nähten. Der Verein sammelte Spenden, unter anderem bei Lindener Industriellen, der Kommune und bei der Kirchengemeinde St. Martin. 1910 war es dann fertig, das eigene Vereinshaus an der Badenstedter Straße 37. Die oberen Stockwerke dienten weiterhin als Vereinsräume, in denen Frauen nähen und kochen lernten und musizierten. Das Erdgeschoss war ganz den Kindern vorbehalten. „Für die damalige Zeit war diese Einrichtung sehr fortschrittlich“, sagt Kari Bergmann vom Vorstand der St.-Martinskirche. Die Wirtschaftskrise der zwanziger Jahre trieb den Verein jedoch finanziell in den Ruin. Um Gebäude und Kinderhort zu sichern, schenkte er die Einrichtung dem Partner, mit dem er ohnehin seit Jahren kooperierte: der Kirchengemeinde.

Etliche Generationen von Lindenern standen seither in der Obhut der Erzieherinnen. Seit zehn Jahren leitet Heide Steinführer die Einrichtung, manche ihrer 14 pädagogischen Mitarbeiter sind schon seit 20 oder 30 Jahren dabei. „Das ist eine wunderbare Kontinuität“, sagt Jutta Baumgart, die ebenfalls im Kirchenvorstand ist. Die Landschaftsplanerin schwärmt ebenso von dem großen Freigelände mit seinen alten Kastanien. „Dieser Garten hat etwas Verwunschenes.“

Gut 100 Kinder, darunter auch zehn Hortkinder, betreut die Einrichtung in ihren Räumen mit den großen Fenstern. Sie kommen aus Elternhäusern, die verschiedenen Konfessionen angehören. Christliche Feste und Familiengottesdienste würden zwar gefeiert, und „bei unseren Krippenspielen zur Adventszeit helfen auch muslimische Eltern“, sagt Leiterin Steinführer. „Aber gemeinsame Gebete sprechen wir nicht, eben aus Rücksicht auf die Nichtchristen“, sagt sie.

Intensiv betreibt die Kita auch die Vorschulbildung, unter anderem mit Kunstprojekten oder einer spielerischen Einführung in die Rechenkunst. Beliebt bei den Kindern sind auch Ausflüge ins Grüne. Das Angebot kommt an, die Warteliste für einen Platz ist lang. Etwa 40 Familien habe sie für das kommende Kita-Jahr absagen müssen, sagt Steinführer.

Doch das alte Haus bereitet der Kirchengemeinde nicht nur Freude. „Einen solchen Kindergarten zu haben, ist eine Lust und eine Last zugleich“, sagt Pastor Häusler. Die Last – das ist der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes. Rund 20 000 Euro stehen der Gemeinde dafür jährlich zur Verfügung. Das reicht für die nötigsten Arbeiten. Für größere Projekte ist die Gemeinde auf Spenden angewiesen. Auch jetzt wird wieder gesammelt. „Seit dem vergangenen Advent sind so rund 5000 Euro zusammengekommen“, sagt der Pastor. Gut 10 000 Euro kostet die Sanierung von Räumen, die im Sommer beginnen soll. Dort wird dann frisch gestrichen, neue Fußböden werden verlegt und Spielhäuschen auf dem Freigelände erneuert. Mitte September wollen Kita und Gemeinde das 100-jährige Bestehen das Hauses feiern. „Das wird öffentlich für alle Interessierten sein“, sagt Bergmann.

Marcel Schwarzenberger

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