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West Sprühnebel soll Gestank bei Gaswerksanierung reduzieren
Hannover Aus den Stadtteilen West Sprühnebel soll Gestank bei Gaswerksanierung reduzieren
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08:42 13.04.2011
Von Conrad von Meding
Die Belastung der Hotspots mit Teer, Zyaniden oder Benzolen ist teilweise ein Vielfaches höher als erwartet Quelle: Michael Thomas

Seit Wochenbeginn kommt bei der Gaswerkssanierung am Ihmeufer eine zusätzliche Technik zum Einsatz, um Anwohner vor dem teilweise starken Teergestank zu schützen. Die Arbeiter setzen Sprühnebel ein, dessen feine Wassertropfen die Geruchspartikel binden sollen. Das herabfallende Wasser werde dann mit dem ohnehin kontaminierten Boden entsorgt, versprach die zuständige Umweltbeauftragte Elisabeth Czorny am Montagabend im Bezirksrat Mitte. Bei FDP-Politiker Wilfried Engelke löste das Zweifel aus. „So entstehen hochgefährliche Aerosole“, vermutet er. Er fordert schriftlich Aufklärung, wo ähnliche Methoden schon einmal eingesetzt wurden.

Vergeblich argumentierte Czorny, dass die Technik nicht der Schadstoffreduzierung gilt, sondern nur der Geruchsabsenkung. HAZ-Recherchen zufolge wurden derartige Techniken erfolgreich etwa bei einer Gaswerkssanierung in Hamm oder der Sanierung einer Rüstungsfabrik in Leverkusen eingesetzt. Auch dabei diente der Sprühnebeleinsatz nicht der Verminderung von Schadstoffen, sondern ausschließlich dem Geruchsschutz.

Czorny berichtete den Kommunalpolitikern, dass die Schadstoffgrenzwerte im Umfeld der Baustelle noch nicht einmal auch nur annähernd erreicht worden seien. Lediglich „direkt an der Baggerschaufel“ seien vereinzelt Warnwerte erreicht worden, auf die sofort reagiert wurde. Von CDU-Umweltpolitiker Hermann Hahn gab es ein Lob angesichts der strengen Grenzwerte: „Das sind sehr niedrige Werte“, sagte der bei Volkswagen beschäftigte Ingenieur.

Vertreter der rot-grünen Mehrheit fragten mehrfach nach, ob es nicht möglicherweise neue Anhaltspunkte gebe, die eine Vollsanierung der Altlasten im Boden rechtfertigen würden. Der Rat hatte angesichts knappen Geldes beschlossen, das Areal nur für sieben Millionen Euro zu sanieren und dabei alle hochgiftigen Hotspots bis in sieben Meter Tiefe zu entfernen und den Oberboden abzutragen, soweit es für die geplanten Hochwassermaßnahmen nötig sei. Eine Totalsanierung hätte fünf Millionen Euro mehr gekostet. Elisabeth Czorny berichtete, dass keine unerwarteten weiteren Giftstofflager gefunden worden seien. Die Verwaltung werde sich daher an den Ratsbeschluss halten, der begrenztes Geld zur Verfügung stelle.

Die Belastung der Hotspots mit Teer, Zyaniden oder Benzolen ist teilweise ein Vielfaches höher als erwartet, es müssen daher vermehrt Schadstoffe statt in eine preiswertere Deponierung in eine teurere Verbrennungsanlage nach Holland gebracht werden. Der Finanzierungsrahmen für das Gesamtprojekt werde nach derzeitigen Erkenntnissen aber eingehalten, hatte Stadtbaurat Uwe Bodemann kürzlich betont.

Voraussichtlich Ende der ersten Maiwoche sollen die schlimmsten Geruchsbelastungen für die Anwohner ein Ende haben, sagte Umweltbeauftragte Czorny: Dann sind die am stärksten belasteten Hotspots saniert. Die gesamte Altlastensanierung soll noch bis Juni dauern. Anschließend wird das Gebiet provisorisch wiederhergerichtet, Rasen wird ausgesät und ein Rad- und Fußweg wieder zugänglich gemacht. Später soll das Gelände im Zuge von Hochwasserschutzarbeiten endgültig modelliert werden.

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