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West Stadt stoppt Methadon-Tourismus
Hannover Aus den Stadtteilen West Stadt stoppt Methadon-Tourismus
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12:17 02.02.2012
Die Stadt verhandelt mit Region und KVN: Künftig sollen weniger Drogenabhängige aus der Region für die Versorgung mit Methadon nach Hannover kommen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Linden

Die Zahl der Drogenabhängigen, die in Linden mit dem Ersatzstoff Methadon versorgt werden, nimmt stetig zu. Weil es landesweit immer weniger Ärzte gibt, die Methadon ausgeben, zieht es viele Patienten in die Großstädte.

Davon ist in Hannover vor allem Linden betroffen, berichtet Alfred Lessing, Drogenbeauftragter der Stadt. An die Verwaltung würden aber immer mehr Beschwerden von Anwohnern über Süchtige gerichtet, die Alkohol trinken und pöbeln, sagt Lessing: „Wir nehmen diese Probleme sehr ernst.“ Zurzeit führe die Stadt mit der Region und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) über dieses Thema Gespräche „auf hochrangiger Ebene“, sagte Stadtbezirksmanager Wolfgang Wescher in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Linden-Limmer. Ziel sei, dass weniger Patienten aus der Region in das Stadtgebiet strömen, um sich hier mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon zu versorgen.

Hintergrund des zunehmenden „Methadon-Tourismus“ nach Linden ist ein Streit zwischen der KVN und den niedergelassenen Ärzten, bei dem es um die Honorierung der Methadon-Behandlung geht, erklärt Lessing. Dies führe dazu, dass Süchtige, die auf den Heroin-Ersatzstoff angewiesen seien, in ländlichen Gebieten immer weniger Ärzte finden, die sie behandeln. Daher nehmen sie teilweise lange Anreisen bis Hannover in Kauf.

Zurzeit gibt in Linden drei Ausgabestellen: im alten Lindener Rathaus an der Deisterstraße 19 (Dr. Konrad Cimander), im Dunkelberggang in Linden-Mitte (Dr. Grewe) und am Lindener Marktplatz (Dr. Theresia Lautenschlager). Die meisten Probleme mit Süchtigen gibt es nahe der Praxis, in der die meisten Patienten betreut werden. Rund 200 Süchtige erhalten derzeit bei Konrad Cimander Methadon. „Das ist eine Größenordnung, die sowohl für meine Praxis als auch für Linden-Süd nicht zu vertreten ist“, sagt er selbst. Obwohl Streetworker aus Drogenhilfeeinrichtungen dort auf die Süchtigen einwirken, damit sie nicht durch Trunkenheit, Streit, Lärm und Urinieren in der Öffentlichkeit auffallen, bestünden die Probleme weiterhin, weiß Lessing.

„Die Stadt steht hinter der Substitution und hält sie für ein wichtiges gesundheitliches Angebot“, stellte Stadtbezirksmanager Wescher im Bezirksrat klar. Die Verwaltung wolle aber in Gesprächen mit der Region und der KVN dafür sorgen, „dass der ‚Patientendruck‘, der von außen – aus der Region – in das Stadtgebiet hinein wirkt, reduziert wird“. Dies setze „erweiterte Konzepte bei der Methadon-Versorgung Drogenabhängiger in Niedersachsen“ voraus. Zu Einzelheiten wollte sich Wescher nicht äußern – zu sensibel seien die Gespräche derzeit.

Rüdiger Meise

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