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Stadtteilbibliothek feiert 75-jähriges Jubiläum

Linden Stadtteilbibliothek feiert 75-jähriges Jubiläum

Viele Erinnerungen an den Bau sind ab sofort in einer Ausstellung in der Stadtteilbibliothek am Lindener Marktplatz zu sehen. Denn die Bücherei feiert kommende Woche ihr 75-jähriges Bestehen.

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Rund 30.000 Medien beherbergt die Bibliothek mittlerweile.

Quelle: HAZ

Hannover. 1940 schwand den Bibliothekaren der Lindener „Weststadtbücherei“ der Mut. Die ersten Kriegsmonate zwangen die Männer an die Front, während die Frauen daheim bis zur Erschöpfung schufteten. „Es hatte den Anschein, als wäre unsere Arbeit überflüssig“, heißt es im damaligen Jahresbericht der Bücherei. Ein Jahr später waren die Sorgen zwar nicht kleiner; aber die Menschen wollten Abwechslung. Sie brauchten Bücher – die Ausleihzahlen stiegen wieder, wie die Mitarbeiter erfreut vermerkten. Erinnerungen wie diese sind ab sofort in einer Ausstellung in der Stadtteilbibliothek am Lindener Marktplatz zu sehen. Denn die Bücherei feiert kommende Woche ihr 75-jähriges Bestehen.

Eine Woche lang gibt es Programmpunkte in der Stadtteilbibliothek. Der Eintritt ist stets frei. Mit der Festwoche erinnert die Einrichtung an ihre Gründung: Am 30. Juni 1936 nahm die Bücherei ihre Arbeit auf; damals noch an der Deisterstraße. Neben der Zentralbibliothek gab es in jener Zeit auch sogenannte Volksbüchereien. Nach Oststadt (1921), Nordstadt (1927) und der Südstadt (1932) war Linden der vierte Stadtteil mit einer Zweigstelle. „Damit war der Bibliotheksentwicklungsplan vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vorerst abgeschlossen“, berichtet die heutige Leiterin der Stadtbibliothek Hannover, Angelika Brauns.

Nach einem Bombentreffer 1943 und dem Wiederaufbau begann eine vergleichsweise ruhige Entwicklung für die Bücherei, deren Bestand von anfangs rund 5000 Bänden auf heute gut 30 000 Medien angewachsen ist. Zwei Ereignisse unterbrachen den ruhigen Fluss: Wegen Platzmangel zog die Bücherei 1955 in das damals gerade wieder aufgebaute Rathaus am Lindener Markt um. Die zweite große Veränderung kam 1996: Die EDV hielt Einzug; elektronische Verfahren krempelten Recherche und Ausleihe völlig um.

Inzwischen können Nutzer bequem via Internet Bücher reservieren. Die Bücherei in Linden-Mitte verzeichnete im vorigen Jahr mit 168 000 Ausleihen die viertbeste Quote unter den 18 Stadtteilbibliotheken. Kinder bis 15 Jahre gehören mittlerweile zur stärksten Lesergruppe der Einrichtung. „Fantasyliteratur wird sehr gut nachgefragt“, sagt Büchereileiterin Isabel Wenz. Aber auch Romane für Erwachsene und DVDs mit Spielfilmen seien Dauerbrenner. „Das Sachbuch schwächelt seit einiger Zeit“, meint Wenz. Das Internet mit seinen Recherchemöglichkeiten beschere diesem Buchsegment starke Konkurrenz.

Voraussichtlich im Frühjahr 2012 beginnt der Umbau des alten Lindener Rathauses zum Bildungszentrum. Über neun Millionen Euro will die Stadt investieren, der Bauantrag ist gestellt. Los geht es mit dem Schwalenberger Flügel. Dort soll die Bücherei – bislang im historischen Egestorff-Flügel auf rund 380 Quadratmetern untergebracht – 2013 einziehen. Drei Etagen und fast 900 Quadratmeter Platz bekommt die Einrichtung. „Die Bibliothek soll noch stärker als Lernort genutzt werden“, betont Brauns. Kabellose Internetarbeitsplätze und Gruppenräume würden dafür eingerichtet. Auch die Technik wird ausgebaut: Nutzer können an Selbstbedienungsplätzen selbst ihre Medien verbuchen.

Die Neuerungen haben aber auch ihren Preis. Die Bücherei bekommt mehr Platz, um unter anderem den Bestand der Bücherei im Freizeitheim Linden aufzunehmen – diese Zweigstelle wird trotz heftiger Proteste im Stadtteil aufgelöst. Beide Einrichtungen sollen insgesamt 244 000 Euro jährlich einsparen. Das will die Stadt unter anderem durch Personalabbau schaffen. Die Selbstverbuchung durch Bibliotheksnutzer ist auch eine Folge dieser Politik – übrigens nicht nur in Linden. „In allen Bibliotheken wird Selbstverbuchung eingeführt“, sagt Brauns. Noch in diesem Jahr soll die Zentrale an der Hildesheimer Straße entsprechend umgerüstet werden.

Eine Woche lang wird gefeiert. Los geht es Montag, 27. Juni: Das Buchdruckmuseum gibt Einblick in „Schwarze Kunst“ (15 bis 20 Uhr); Bilderbuchkino (16 Uhr); Bücherflohmarkt (18 bis 20 Uhr). Dienstag, 28. Juni, und Freitag, 1. Juli: Spaß mit der Wii (jeweils 13 bis 17 Uhr). Mittwoch, 29. Juni: Jubiläumsfeier mit KSD-Chor (18 Uhr) und Lesung von Heiko Postma „Das Buch hat dich vergiftet“ (19 Uhr). Donnerstag, 30. Juni: Mitmachtheater des Kindertheaters „Löwenherz“ (16 Uhr).

mas

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